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Aphorisms -- in context.

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de:nietzsche:briefe:1850-1857:bvn-1856_2

BVN-1856,2

An Elisabeth Nietzsche in Pobles

Naumburg a/S 30/3 [1856]


Liebe Elisabeth.

Da die Mama heute schreiben will so will ich auch ein Briefchen mit beilegen. Vor allen will ich unsre Reise beschreiben. Auf den Wege nach Weissenfels war mir nichts mehr zuwider, als der schneidente Wind, und meine 2 Röcke leisteten mir dafür gute Dienste. Wir kammen fast eine Stunde früher an als der Zug an kam. In der Bahnhof Restauration laß ich die vossische Zeitung, worinn vieles über das keiserliche Kind stund. Es soll drei Ammen und 3 Gouvernanten haben, wovon eine Amme es hat fallen lassen. Sie ist gleich in Ohnmacht gefallen, aber das Kind soll einen kräftigen Schrei wie ein Kind von einen Jahr gethan haben. Auch sind ihm schon zwei Orden gegeben: Das Kreuz der Ehrenlegion und den Militärisch. Meine Mamma ließ sich eben ein Glas Zuckerwasser geben, als der Zug ankam. Wir aßen schnell die Stückchen Zucker und wollten fort, aber ein Kellner hielt uns noch auf indem er um Geldwechseln bat, wir konnten uns nicht ausgleichen, bis er uns endlich nocheine Zuckerbrezel gab. Fast fanden wir keinen Platz mehr, aber in einen Wagon wurden wir untergebracht. Viele Bekannte waren darinn, als Mine und Eduart, welche wir zwar nicht sehn konnten, Herr Pastor Wimmer, der Suprindent aus Freiburg. In Naumburg angelangt, fuhren wir mit Bocher herein. Wie wir an die Hausthür kämmen standen schon Rosalchen, Mine, und Ottos da und freuten sich sehr, unsrer Wiederkehr, aber die Großmama meinte es wäre doch ihr sehr lieb wenn Du da wärest. Nun es wird dir aber doch sehr auch in Pobles gefallen denn es ist ja so sehr hübsch dort. Du spielst wohl recht oft Ball und wenn Du wieder komst schlägst du besser als ich. Ich erfuhr gleich, daß Wilhelm sehr krank sei, er hat ein reumatisches Fieber. Ich wollte ihm eine Apfelsine bringen, wurde aber nicht zugelassen. Da ging ich zu Gustav welcher sich sehr über das Mauernpapier freute, er dankt dir noch recht viele Mal und er bewundert sehr die Wohlfeilheit in Magdeburg. Mein Schulplan ist sehr geändert, denn meine Stunden gehn um 7 an. Ich habe mit den Soldaten noch nicht gespielt, werde es aber bald thun. Ich wünsche sehr oft auch in Pobles zu sein, und danke recht viele Mal den Großeltern, für den hübschen Aufenthalt. Grüße sie recht viele Mal so wie die Onkel Edmund, Theobald, Oskar auch die Tanten. Werde recht gesund und schreibe recht oft

an deinen Bruder
Friedrich Wilhelm Nietzsche.


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

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