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1858

Inhalt

BVN-1858,1

An Rosalie Nietzsche in Plauen

[Naumburg] 1 July. 1858.


Liebe Tante!

Ich freue mich, daß Du glücklich angekommen bist. Wie gern wäre ich doch mit dir gereißt und hätte die guten Tanten und Verwandten, das liebe Plauen und Umgegend gesehen! Wie oft wollte ich schon an dich schreiben aber du weißt, daß ich sehr wenig Zeit habe und ich doch meine Zeilen denen der Mama beifügen wollte. Wir befinden uns alle recht wohl, leiden nicht zu viel von Hitze, aber desto mehr an Trockenheit was sehr unangenehm ist. Regen und Gewitterwolken ziehen über uns hin ohne sich zu entladen. Gewiß ein für die Messe sehr günstiges Klima, die dießmal überdieß sehr belebt ist. Auch war am Peter Paulstag ein Bibelfest hier und die Mama ist auch in [der] Kirche gewesen. Ich konnte Schulrücksichten halber nicht mitgehen. — Ich schwimme jetzt nun täglich flott im Wasser herum und hoffe noch vor den Ferien von der Angel an die Leine zu kommen. Ueberhaupt erwarte ich die Ferien so sehnlich wie fast noch nie. Es knüpfen sich viele Wünsche und Hoffnungen daran, denn das viele Arbeiten ermüdet im Sommer viel mehr als im Winter. — Spazierengehen ist mir jetzt etwas ganz unbekanntes da ich stets nach den Baden sowohl der Zeit als der Kräfte dazu entbehre. — Schreibe mir doch recht bald wieder von Erlebten und Gesehenen. Bist du schon in Triwel gewesen? Bitte erzähle mir recht von diesen Ort und Umgebung. Wie befinden sich jetzt die lieben Tanten? Sind sie immer gesund gewesen? Grüse sie doch viele mal von mir so wie alle Verwandte und Bekannte. Unter den Wunsche daß du immer gesund seien und heitere Tage verleben mögest, verbleibe ich

Dein
Fr. W. Nietzsche.


     Viele Grüße an Christian
     Walther und Petzel. —!


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BVN-1858,2

An Rosalie Nietzsche in Plauen

[Naumburg, Mitte August 1858]


Meine liebe Tante!

Verzeih, daß ich dir so lange Zeit nicht geschrieben habe. Ich habe mich aber die ganzen Ferien in Pobles aufgehalten, außer einer Woche, wo ich mich theils in Naumburg, theils in Kösen aufgehalten. Nämlich Pinders und Krugs hielten und halten sich dort auf. Bei meinem Besuche habe ich mich auch in Soole gebadet. Wilhelm kommt natürlich zurück nämlich beim Schwimmen in der Saale, weil in Kösen kein Badeplatz ist und [er] überhaupt jetzt nicht baden darf. — In Pobles habe ich den Geburtstag des Großpapa gefeiert den Abend mit Feuerwerk und Knalleffeckten. Der liebe Geburtstäger befindet sich recht wohl, ebenso das ganze poblesische Haus. — Noch zur Nachricht, daß Herr Domprediger Mitzschke und H. Docktor Hasper krank sind, daß Hr. Pastor Hammer sehr gefallen hat und der Hr. Direcktor Förtsch sich in Jena befindet. Der Onkel Bernhard befindet sich jetzt bei den Tanten und im Augenblick bei uns. Er befindet sich wohl und hat sich auch schon gebadet. — Ich habe aber noch eine große Bitte: Da ich jetzt meine Biographie schreiben will, bemerke ich mit Schrecken, daß ich über das Leben des Papa und des Großonkels Krause, dann der Großmamma in großer Ungewißheit bin und fast keine Data weiß. Ach willst Du nicht so gut sein, und mir einen kurzen Lebensabriß von diesen lieben Personen und Charakterschilderung schreiben. Es ist zwar eine sehr große Zumuthung; aber du hast doch vielleicht mehr Zeit als in Naumburg und wendest mir vielleicht ein Stündchen zu. Du thätest mir einen sehr großen Gefallen. Ich kann ja nicht eher anfangen. — Ich wünsche dir und den lieben Tanten und Verwandten noch fernere Gesundheit. Ich muß nun schließen und verbleibe in

Liebe
Dein Fritz.


     Noch herzlichen Dank für deinem Brief!
          !! Bald vergessen !!


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BVN-1858,3

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte d. 6. 10. 58.


Der AI. Nietzsche bittet um die Erlaubniß, sich ein Glas und eine Tasse zu holen.


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BVN-1858,4

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte d. 6. 10. 58.


Der AI. Nietzsche bittet um die Erlaubniß, sich ein Dresdner Gesangbuch mit Anhang zu holen.


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BVN-1858,5

An Franziska Nietzsche in Naumburg

Pforta den 6 October 1858.


Liebe Mutter!

Gleich heute, am ersten Tage meines Pförtnerlebens, schreibe ich an dich und ich hätte dir auch mancherlei mitzutheilen, was ich aber, da mir die Zeit fehlt auf den Sonntag in Almrich versparen will. Bis jetzt befinde ich mich recht wohl, aber was ist an einem fremden Orte recht wohl?! Ich habe auch manche schon kennen gelernt wie Braune, Thränhart, Neidhardt. Ueberhaupt werde ich mit der Zeit schon heimischer werden, aber lange wird’s sicher dauern. —
     Ich habe nun meinen Schrank eingeräumt, aber fand vieles nicht in den Koffer, wie Tintenfaß, Stahlfedern, Seife und manche Kleinigkeiten. Schicke mir diese Sachen und eine Tüte Chokoladenpulver mit. Dann auch ein Buch: Voigt, Geographie. Wenn es nicht unter meinen Büchern ist, so besorge es so schnell als möglich von Domrich zu mir. Einige Bücher habe ich mir hier schon kaufen müssen, ebenso ein Glas und Tasse. Hast du mit Hr. Professor Budensieg schon die Geldangelegenheiten abgemacht, da er doch alles Gekaufte bezahlen muß? Was sagt Lisbeth dazu?! Will sie nicht einmal schreiben da sie mehr Zeit als ich hat? Ihr seid gewiß alle sehr beschäftigt mit dem Auszug, und [werdet] deßhalb wohl nicht viel an mich denken können. Nun dann, wenn ihr und ich eingewohnt sind, dann wollen wir uns öfter besuchen. Meine Hosen habe ich von Schn[eider] Steinkopf erhalten, Weste und Rock erwarte ich sehnlich. Ebenso hat Steinkopf mir Maß zu einer Turnjacke genommen, die sehr bald besorgt sein muß. — Viele Grüße an Lisbeth, Tante Rosalien, Rieckchen und Lina an Wilhelm und Gustav und an alle die sich meiner erinnern. Ein andermal mehr.

Dein
Fr. W. Nietzsche.
Alumnus portensis etc.


     1. N.B.
Meinen Stiefelknecht
brauche ich sehr nothwendig.
     2. N.B.
Schicke mir doch ein
Schächtelchen mit
Oblaten.


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BVN-1858,6

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 9. Oktober 1858]


Liebe Mamma!

Ich wollte dir nur leider melden, daß wir uns Sonntag nicht sehen können, da an diesem Tage Comunion ist. Das thut mir recht leid, ebenso daß Königsgeburtstags wegen unsers Landesvaters Krankheit nicht gefeiert wird. Sage es also allen, damit sie nicht vergebens nach Almrich gehn! Es ist wahr, hinsichtlich Arbeit und Strenge läßt Naumburg mit Pforta keinen Vergleich [zu] und ich werde mich sehr daran gewöhnen müssen. Aber vieles habe ich wieder bemerkt, was mir fehlt. Vor allen Dingen eine scharfe Brille; schicke sie mir so schnell als möglich, ebenso Stiefelknecht und den kleinen braunen Kandel den Lisbeth wohl kennt. Ebenso nothwendig ist Heftzeug und Schere, dann Tinte und Octavschreibebücher, ungefähr ein Duzend. Auch die andern neuen Morgenschuh sind mir von Nöthen und dann noch das Damenbrett; in der freien Abendstunde pflegt jeder so etwas zu spielen. Bitte, besorge mir doch dies alles so bald als möglich und laß auch ein Briefchen mitfolgen; sag dies auch Wilhelm und Gustav; ich werde auch bald an sie schreiben.
     Noch viele Grüße an Lisbeth und die Tanten.

Dein Fritz.
Nietzsche.


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BVN-1858,7

An Franziska Nietzsche in Naumburg

Pforta. d. 9ten Oct. 1858.


Liebe Mutter!

Du wirst dich sicher wundern, daß ich schon wieder schreibe. Als ich heute meinen Brief abgab, empfing ich den lieben Deinigen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und danke noch vielmal. Grüße auch die Tante vielmal und sage ihr, ich würde an den nächsten Sonntage kommen, wenn es irgend möglich ist. Du wünscht ein Verzeichniß von allen was ich brauche. Hier folgt es; was noch fehlt, findest Du in den Briefen.
          Brille Schere. Tinte. Damenbrett
          Heftzeug. Stiefelknecht. Morgenschuh
          Steckenadeln. Schocoladenpulv. Kandel.
          Octavbücher. (vergleiche den 1 und II Brief)

     Miethe nur ein Klavier bei Häneln; ich sehne mich sehr, wieder ein mal zu spielen; dann schicke mir meine Uhr und Morgenschuh. — Bis jetzt geht es mir recht wohl, ich hatte mir Pforta weit ungemüthlicher gedacht als es ist; dennoch aber läßt sich kein Vergleich machen zwischen Pförtner und Naumburger Gemüthlichkeit. Auch in der Klasse ist es bei weiten strenger. Ich kann aber aufstehen wenn ich will und da ich alle Morgen um 5 Uhr aufstehe so schreibe ich dir allemal einen Brief. Sonst hätte ich nicht Zeit dazu. Ein andermal werde ich mehr schreiben. Schicke mir nur ja alles, was in den drei Briefen stand. Viele herzliche Grüße an alle, die meiner gedenken.

Dein Fritz.
Al[umnus] P[ortensis]


Vergiss meinen Geburtstag nicht! Du kannst mir recht gut einen Kuchen schicke[n], da blos 8 in meiner Stube sind. Sehr lieb wäre mir auch ein Kasten, ähnlich wie mein Grünen, wo ich alles wie Bleistift, Schere, Nähzeug hineinstecken könnte.


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BVN-1858,8

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta] d. 11 Oct. 1858.


Habe dir recht lange nicht geschrieben, wirst denken, ich hätt’ dich vergessen. Aber keineswegs! Ich hoffte vielmehr von Tag zu Tag auf einen Brief und Kasten, und glaubte, dir lästig mit meinen vielen Briefschreiben zu werden. Aber ich kann nicht so lange warten; verzeih’ deßhalb! Zuerst wieder Bücher und Sachen, die ich brauche. Schickt mir von meinen Büchern Anabasis und Anabasislexicon, dann Süpfle (deutsch-lateinisches Uebersetzungsbuch) und einen Spiegel und Haarbürste. Ich habe dies so nothwendig, daß ein Tag mir großen Verzug bringt. Denk’ Dir, ich habe Singstunde und soll späterhin in’s Chor! Zu meinen Geburtstag schickt mir nur was Tüchtiges, das heißt ungefähr 40 Briefe und 20 Kisten und Kasten voll Geschenke. Dann schreib mir doch wie ich’s mit der Wäsche halten soll, wohin sie packen usw. (Wenn ihr übrigens die Bücher nicht kennt, so sagt’s nur Wilhelm, der wird sie schon finden.) Vielleicht komme ich nächsten Freitag nach Almrich, vielleicht auch nach Naumburg, wie ihr wünscht. Kommt doch um 2 Uhr nach Almrich, gesetzt auch ich käme nicht, so wär’s doch für euch ein hübscher Spaziergang. Sonntag wurden wir von Docktor Becker auf die Rudelsburg geführt, wo wir allerhand spielten in Gemeinschaft mit dem Lehrer. Noch vielen Dank, für die Grüße die mir viele Schüler von dir überbracht haben. Uebrigens schickt mir das Damenbrett nicht theils weil es etwas polizeiwidrig ist, theils verworfen wird. Sonst schickt mir aber ja alles, was ich geschrieben habe und bedarf dies alles zu nöthig. Warte nicht erst meinen Geburtstag ab, zwei Kisten werden auch wohl voll werden. Dann schicke mir doch Halstücher, Vorhemdchen und andre Kleinigkeiten. Bis jetzt gefällt es mir in Pforta ganz leidlich, wenn sich auch mitunter der Gedanke „War’ ich doch in Naumburg geblieben“ hineinmischt. Warte nur, das Heimweh wird schon noch kommen!! — —Wie befindet sich Wilhelm? Will er nicht einmal schreiben? Viele Grüße an ihm und an Gustav und „mit dem Freundschaftsschließen“ (d. h. neuen) ging’s nicht so schnell. Was sagt nun Lisbeth dazu? Nun ich hoffe, sie wird ihre Ideen mir selbst schreiben. die Tante ist gewiß sehr von dem Erreigniß ergriffen. In Pforta lief’s auch von Mund zu Mund. Kann mich die Tante nicht näher benachrichtigen? Wir leßen keine Zeitungen. Mit herzlichen Grüßen empfiehlt sich

FWNietzsche.
AI. port.


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BVN-1858,9

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 16. Oktober 1858]


Liebe Mamma!

Ich schreibe nur, um dir noch recht viele Mal für alles, was du mir zu meinem Geburtstag geschickt, zu danken. Du hast mir mit allen große Freude bereitet. Wie nett war der schöne Kuchen in Wein, Nüssen und Blumen eingepackt! Mit welcher Freude habe ich mir die lieben Bücher angesehn! Ich sage allen, die mir dies geschenkt, noch meinen herzlichsten Dank. — Will Wilhelm nicht Morgen (Sonntag 1 Uhr) mit euch in Almrich sein? Sag es ihn ja. Vielleicht geht Gustav auch mit. Meine Wäsche werde ich dir nächstens schicken. Also, morgen treff’ ich euch in Almrich. Lebe wohl!!

Dein FrW. Nietzsche
Alport


Schickt Brillen!!!


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BVN-1858,10

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 17.—22. Oktober 1858]


Ich danke dir noch vielemal für die schönen Weintrauben; sie schmecken mir ausgezeichnet. Ueberhaupt habe ich mich ungemein gefreut, dich wieder einmal zu sehen. Nun, vielleicht nächsten Sonntag wieder. — Mir ist noch manches eingefallen, was ich noch nicht habe, so Brillen, Chokoladenpulver preusische Geschichte von Hahn, Schere, Nähzeug, Löffel Messer und noch manches. Ach schickt mir dies doch so bald als möglich. Seit doch so gut! — Lisbeth und dem Onkel wünsche ich baldige Gesundheit. Schreib mir doch recht bald. Schicke mir doch auch den Kasten für Schere usw. mit! Sage doch Wilhelm: Er würde nächstens einen langen Brief von mir erhalten. Er sollte sich nun auf häufigen Briefwechsel gefaßt machen. — Hätten wir uns nur länger sprechen können. Kommt nur Sonntag auf jeden Fall nach Almrich. Dort werden wir uns alle sehen!

Dein Fritz Nietzsche.


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BVN-1858,11

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 23.Oktober 1858]


Liebe Mamma!

Ich habe mich gestern sehr gefreut, daß der Onkel mich wieder einmal besuchte. Sage doch ihm, er möchte recht bald wiederkommen, natürlich ihr auch mit. Auch noch vielen Dank für das Stückchen Kuchen, den Brief und die zukünftigen Weintrauben. — Sonntag kann ich also nicht kommen; nun da werde ich einmal in den Wald gehen. Aber schickt mir doch recht bald meine Sachen; ich brauche sie zu nothwendig, oder noch besser, bringt sie mir selbst. Könnt ihr einmal in der Zeit von 12—2 kommen? Ich würde mich zu sehr freuen. — Hier in Pforta ist Freitag ein Alumnus gestorben nach langen, schweren Leiden. Sonntag wird er begraben. — Schickt mir doch auch einen silbernen Kaffeelöffel; er soll schon nicht wegkommen und ich brauche i[h]n bei meiner Milch sehr nöthig. — Wenn gutes Wetter ist und der Recktor erlaubt, erscheine ich Sonntag über 8 Tage, ihr aber schon nächste Tage in Pforta. Mit vielen Grüßen an alle

Dein Fritz
Al. port.


N.B.
In Eile geschrieben.


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BVN-1858,12

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 27.—30. Oktober 1858]


Liebe Mamma!

Leider kann ich dir heute noch nichts bestimmtes melden, Braune meinte, ich sollte es erst Sonntag thun. Aber richte dich nur auf unsern Besuch ein; kommen wir nicht auf den ganzen Nachmittag, so doch auf zwei Stunden. Ich schicke dir auch noch das Register von allen noch Nöthigen, damit du es bis Sonntag noch beschaffen kannst. Es wird so ziemlich vollständig sein; vergleiche aber lieber die Briefe noch einmal. — Wilhelm und Gustav und Tante Rosalchen würde ich doch wohl Sonntag sehn! Laß es ihnen doch sagen. — Ich werde Sonntag recht viel zu erzählen haben; ich freue mich schon darauf. Nun in 7 Wochen werden wir uns länger sehen. Was ich diesmal auf das liebe Weihnachtsfest mich freue, das ist ungeheuer und noch nicht dageweßen; nur etwas dauert mich; daß ich mich nicht über Wünsche und Geschenke mit meinen Freunden beredten kann, wie ich doch sonst that. — Nun nächsten Sonntag auf Hoffnung!

Mit vielen Grüßen

F W. Nietzsche.
AI. port.


Register.

1. Brillen.
2. Stahlfedern (Rosen)
3. Stahlfederhalter.
4. Hahn Preusische Gesch.
5. Tinte (von Präger)
6. Theelöffel
7. Schreibzeug.
8. Heftzeug
9. Nähzeug
10. Messer.
11. Schere.
12. Kasten, (zum Hineinlegen)
13. Chocoladenpulver.

Nun, das brauch’ ich noch alles!!


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BVN-1858,13

An Franziska Nietzsche in Naumburg

Pforta d, 31 Oct 1858.


Liebe Mamma!

Gleich noch heute Abend will ich an dich schreiben. Es war ungemein hübsch, daß wir so lange zusammen waren. Wenn es nur bald wieder geschehen könnte! — Uebrigens habe ich witziger Weise die Uhr mitgenommen, aber ohne Schlüssel und Gehäuße. Nun schickt mir das mit den Anderen so bald als möglich. Ich glaube nun auch, ihr kommt öfters einmal. Nun, mir gereichts immer zur größten Freude. — Schreibe mir doch einmal alle Wäsche auf, die du mitgegeben hast damit mir nichts wegkommt. — Grüße Lisbeth, Onkel, Tante,
     Wilhelm und Gustav vielemal von mir.

Dein Fritz.
respt. Fr. W. Nietzsche.
Alumnus portensis


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BVN-1858,14

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, Anfang November 1858]


Lieber Wilhelm!

Endlich ist mein längst gefaßter Entschluß zur Ausführung gekommen. Verzeih, daß ich dich mit meinem Briefe so lange habe warten lassen. Nun, ich denke, von nun an wollen wir uns wechselsweiße und ununterbrochen schreiben. Sage dies auch Gustav. —
     Schon rückt die goldene Weihnachtszeit näher heran. Du glaubst wohl nicht, wie sehr ich mich diesmal darauf freue. Leider können wir uns gegenseitig unsre Wünsche nur schriftlich mittheilen. Dies thut mir sehr leid. — Wenn ich nicht irre, so hast du dir schon ein Buch gewählt (Simrocks mittelhochdeutsches Lesebuch) und ich halte deine Wahl für vortrefflich. Ich wünsche mir vorläufig noch nichts bestimmtes; habe doch die Güte und schreibe mir nächstens eine Anzahl von Werken nach meinem Geschmack. Du wirst ja schon wissen. — Bis jetzt befinde ich mich in Pforta ganz wohl; schreibe mir doch einmal, was ihr dies Semester in der Klasse leßt. Besonders leid thut mir, daß wir keinen Homer leßen. Im Jakobs haben wir schon alle Deklinationen privatim übersetzt und müssen bis zum ersten Dezember alle Fabeln und Anekdoten bis zur Naturgeschichte praepariren. Eine hübsche Arbeit! In der preußischen, wie in der griechischen Geschichte wird sehr gründlich verfahren und wir müssen ordentlich arbeiten. — Viel ungezwungener war man auf dem Gymnasium in Naumburg; das ist sicher. Aber etwas zu frei war es auch, das wirst du nicht leugnen. Sogar in mancher Beziehung bin ich froh, daß ich davon fort bin. Du glaubst aber wiederum nicht, wie oft ich wünsche, in Naumburg bei dir zu sein; es war doch gar zu gemüthlich. die schöne Zeit ist nun vorüber und ich darf nicht daran denken, um nicht traurig zu werden. — — — —
     Ich muß aber doch nun schließen. Zeit und Papier mahnen ans Ende. Ich hoffe, daß Du mir sehr bald schreibst. Vergiß ja nicht, was ich mir jetzt als stehende Unterschrift gewählt habe: Semper nostra manet amicitia!

Dein Freund
F. W. Nietzsche.


N.B. Viele Grüße an Deine lieben Eltern und Geschwister, an Gustav und an alle Schulkammeraden.


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BVN-1858,15

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang November 1858]


Liebe Mamma!

Sonntag bin ich ganz gut nach Pforta gekommen. Ich war sehr erfreut, euch wieder zu sehen, denn wirklich, ich hatte ein wenig Sehnsucht nach Naumburg. Ich muß aber heute meine alten Register von nothwendigen Dingen erneuen. Ich habe doch noch nicht alles

Mir fehlt noch: Tinte
Nähzeug
Heftzeug Vergleicht die Register
Pomade der vorigen Briefe)
Schere
Schreibzeug und Briefcouverts.

     Nun, schickt mir dies recht bald; was noch leer ist in der Kiste, das werdet ihr schon auszufüllen wissen. (Nüsse) Deine Birnen haben mir ausgezeichnet geschmeckt; ich danke dir vielemal. Ich schicke dir wieder etwas Wäsche (ich glaube, zwei Hemden und 1 Schnupftuch) und Jungstilling nebst den modernen Klassikern. Heb’ alles recht gut auf. Ich habe auch heute den ersten Brief an Wilhelm geschrieben; des Onkel Bernhards Wunsch habe ich bis jetzt noch nicht erfüllen können, da Hr. Prof. Corsen krank ist. Wollt ihr nicht bald einmal heraus kommen? Ich freue mich gar zu sehr. — Ich muß aber schließen. Grüße vielemal Elisabeht, den Onkel, die Tanten von mir.

Dein Fritz.
Nietzsche.


N.B. Schickt und schreibt nur recht bald!!!!!!!


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BVN-1858,16

An David Ernst Oehler in Pobles

[Pforta, 7. November 1858]


Lieber Großpapa!

Verzeihe, daß ich erst heute dir für Deine Glückwünsche und den Thaler zu meinem Geburtstag danke. Schon längst hatte ich vor, dies zu thun. Aber du glaubst nicht, wie genau unsre Zeit ausgefüllt ist und ist einmal ein Augenblick leer, so muß ich nach Naumburg an die Mamma schreiben, da mir noch manches Nothwendige fehlt. — Wie ich gehört habe, ist die Großmamma in Naumburg geweßen und es hat mir sehr leid gethan, sie nicht sehen zu können. Nun, ich vertröste mich auf die liebe Weihnachtszeit; ein paar Tage bin ich doch vielleicht, wenn ihr es erlaubt, in Pobles. — Bis jetzt befinde ich mich in Pforta ganz wohl; an die Ordnung und Einrichtungen muß man sich freilich sehr gewöhnen. Sehr angenehm ist mir, daß ich alle Sonntage wenn auch auf kurze Zeit in Naumburg seien kann; es giebt ordentlich Muth, wenn man in der Woche an den lieben Sonntag denkt. Nun, ich hoffe, mit der Zeit wird mir Pforta sehr gefallen, vielleicht aber [am] meisten, wenn ich mich einmal meines Pförtner Alumnenlebens errinnere. — Leider habe ich keine Zeit mehr; ich muß nun schließen. Mit vielen Grüßen an die liebe
     Großmamma, Tanten und Onkels

verbleibe ich
Dein Fritz.
Nietzsche.


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BVN-1858,17

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 9. November 1858]


Liebe Mamma!

Den Brief an den Großpapa habe ich sogleich Sonntag Abend geschrieben, hatte aber nicht Zeit, den Deinigen zu beenden. Deßhalb konnte ich den Brief und die Schachtel Montag nicht absenden und du bekommst ihn erst Dienstag. Uebrigens schickt den Brief nicht auf die Post; es verursacht mir jedesmal einen Sechser Unkosten. Schickt mir die Schachtel nur gleich gefüllt wieder, damit ich sie dann schnell wieder absenden kann; denn es soll nächstens Generalvisitation sein, und da muß alle schmutzige Wäsche fort sein. Ich brauche noch folgendes:
                    Briefpapier.
                    Briefcouverts
                    Schere
                    Heftzeug
                    Pomade
                    blaues Umschlagpapier.
     Denkt einmal nach, ob etwas fehlt! —
     Lang kann ich heute nicht schreiben, da ich auch noch an Wilhelm schreiben will. Nur noch dies: Kommt doch Mittwoch heraus, daß ihr um 1 Uhr da seit; ich hoffe euch da sicher zu sprechen. Kommt nur zu Teichmanns und laßt mir’s sagen. Meine Schlittschuh sendet doch auch bald. Wißt ihr noch was anderes, so vergeßt es ja nicht; ich könnte beim Verzeichniß des mir noch Fehlenden Manches übergangen haben. Nun lebt wohl! Wäre doch erst Sonntag, daß wir uns in Almrich sehen können!

Dein Fritz
Nietzsche


Die Schuhe passen mir                     Schicke mir auch meine
recht gut und sind recht                     blaue Brille und Oblaten.
bequem. Wo schicke ich
meine Stiefeln hin?

Die Sohle ist zerrissen. — Schreibt und schickt baldttt
     Ich war diesen Abend bei H. Prof. Buddensieg und habe da erfahren daß Du etwas in der Lotterie gewonnen hast, ich glaube ein paar Ueberschuhe. — — — —


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BVN-1858,18

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 11. oder 12. November 1858]


Liebe Mamma!

Es hat mir ungemein leid gethan, daß ihr Mittwoch nicht kämmet; ich hatte mich so sehr darauf gefreut. Sonntag werden wir uns leider wieder nicht sehen können. — Mittwoch Abend war ich mit Andern bei Prof. Korsen; es war äuserst gemüthlich; bei Thee und Butterbrod wurden Anekdoten erzählt und Räthsel aufgegeben. — Wenn ich nur wüßte, wie wir uns sehen könnten. Wenn es doch Sonnabend ging. Ist das Wetter nicht zu schlecht, so kommt doch vielleicht um 3 Uhr; ihr seid doch bei Teichmanns und laßt mich holen. Ihr würdet große Freude bereiten. — Vergeßt nur ja nichts von den zu schickenden Sachen, damit ich euch nicht sobald wieder darum anspreche. — Schickt mir übrigens auch solche Zinksalbe und Lippenpomade mit, Nase und Mund sind mir so rauh; ebenso ein Stückchen gute Seife. Dann ein paar Bogen blaues Umschlagpapier und 2 Bogen rothes Löschpapier. — Wenn ihr nicht kommen solltet, nun, so schreibt ihr mir doch! Grüße vielmal Lisbeht und Onkel, die Tanten, Pinders und Gustav!

Dein Fritz.


P[ro] N[otitia]. Danke dir vielmal für den lieben Brief; hätt’s bald vergessen. —


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BVN-1858,19

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte November 1858]


Meine liebe Mamma!

Ich warte jetzt täglich auf einen Brief von euch. Aber es kommt gar keiner. Deßhalb will ich noch einmal schreiben. Sonntag komme ich nicht nach Naumburg; es ist unsre Wohnung für zwei Stunden zu weit; kommt lieber nach Almrich; da werden wir uns sehen. Auch denke ich, da kein Brief von euch kommt, ihr werdet selbst einmal nach Pforta kommen und mich besuchen. Kommt nicht der Onkel Oscar wieder einmal? Ich brauche ja noch mehreres; das kann er mir bringen: Süpfle, Hahn’s preusische Geschichte, Chocoladenpulver, Spiegel, Halstücher und vor allen Brillen. Laßt mich ja nicht lange darauf warten; ich brauche alles sehr nothwendig. Ich glaube übrigens fast, das Heimweh kommt noch bei mir nach; mitunter zeigen sich Spuren. — Wie geht es Wilhelm; er ist doch ganz wieder gesund? Grüße ihn viele mal wie auch Gustav und [die] Tanten Rosalie, Riekchen und Lina. Lisbeht kommt also sicher mit dir und den Onkel nach Almrich!

Dein Fritz.


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BVN-1858,20

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta,] d. 23 Nov. [1858]


Lieber Wilhelm!

Sei nicht böße, daß ich dir so lange nicht geschrieben habe. Hätte ich nur etwas mehr Zeit! — Sonntag bin ich in Naumburg geweßen und es dauert mich sehr, dich nicht gesehen zu haben. Nun, komm recht bald einmal, Hr. Prof. Buddensieg läßt es dir ganz besonders sagen. —
     Nun sind es nur 4 lange Wochen bis Weihnachten; es wird mir ganz überselig, wenn ich an die schöne Zeit denke. Nun, schreib mir recht bald über einige Bücher für Weihnachten, daß ich bald meine Wünsche bestimmen kann. Ach, wäre doch die Zeit erst da! Leider habe ich nicht mehr Zeit; ich muß nun schließen. Schreib mir doch recht bald einmal! Grüße deine lieben Eltern und Geschwister vielemal!

Dein Fritz
Nietzsche


N. B. Semper nostra manet amicitia!


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BVN-1858,21

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 27.November 1858]


Liebe Mamma!

Noch heute Abend schreibe ich dir ein paar Worte, da ich noch ein paar Mi[n]uten Zeit habe. Den Schlitten und deinen lieben Brief habe ich ordentlich empfangen; ersteren benutzte ich sogleich. Nun, Sonntag sehen wir uns doch in Almrich; ich freue mich sehr darauf. Daß Wilhelm und Gustav mir nicht schreiben, wundert mich sehr. — Ich denke, daß das Wetter nicht zu schlecht sein wird. Sonst komme ich nach Naumburg. Nun, wir wollen schon sehen. Mir ist so wohl zu Muth wenn ich denke daß morgen erster Advent ist; noch 4 Sonntage, dann singen wir: O du selige, o du fröhliche Gnadenbringende Weihnachtszeit! Meine musikalischen Wünsche wißt ihr, mein litterarischer ganz wahrscheinlich Immermann’s Münchhaußen; ich erwarte nur noch Wilhelms Brief. —
     Den Winter in Pforta genießen wir mehr als in Naumburg, sowohl in Hinsicht auf seine Kälte als auch auf seine Freuden. Es dauert mich doch sehr, daß er so bald gekommen ist.

Schon ist der Winter kommen
Schon sind die Fluren weiß
Bedeckt mit Schnee und Eis
Der Herbst hat Abschied ’nommen.
Die Vöglein klein und zart
Sind ihm bereits entflohen.
Uns schrecket nicht sein Drohen.
Wir sind vor ihm gewahrt.

     Und bringt er nicht auch Weihnachten? Ich bin jetzt mit dem Winter ganz ausgesöhnt. Morgen, zum ersten Advent würde ich gern in Naumburg sein. Sanckt Nicolaus ist ja auch morgen. Nun lebt wohl!

FrWNietzsche


Hr. Prof. Buddensieg bedauert sehr, dich nicht gesprochen zu haben. Er will dich einmal in Naumburg besuchen. —


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BVN-1858,22

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 28. November 1858]


Lieber Wilhelm!

Da ich heute (Sonntag) deinen Brief empfange, so schreibe ich dir auch noch heute. Aber, da hat mich etwas sehr erschreckt und geärgert; hatte ich doch Gustavs Geburtstag ganz vergessen!! Gustav ist wohl sehr böss auf mich.? — Mir ist’s selbst ganz unbegreiflich. Bitte, bestelle eine Biographie eines Componisten, die er noch nicht hat. die Mamma wird sie bezahlen. Schicke sie mir dann heraus, ich werde sie dann mit Gratulation und Entschuldigungsschreiben an Gustav übersenden.
     — Nun noch drei Wochen! Dann ist das liebe, liebe Weihnachtsfest da. Meine ziemlich festen Wünsche sind folgende:
          Klavierauszüge vom Requiem und der Schöpfung v. Haydn
          vielleicht und ziemlich wahrscheinlich Immermann’s Münchhausen.
          (Findst du noch irgend ein ander Werk, so schreib mir sogleich)
          dann Bücher zur Biographie, Gedichten und viele Kleinigkeiten. — ?!
     Ich befinde mich sonst ganz wohl; der Gedanke an Weihnachten giebt immer neuen Muth. Aber leider ist meine Zeit zu Ende. Grüße Deine lieben Eltern und Geschwister und schreibe bald!

Semper nostra manet amicitia !!

Dein Fritz
Nietzsche.


Bitte, lieber Wilhelm, verschone mich auf der Aufschrift mit dem „Herrn Nietzsche. N. B.“


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BVN-1858,23

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 29. November 1858]


Liebe Mamma!

Damit du doch Montag einen Brief von mir bekommst, schreibe ich dir noch gleich. Ich bin gestern noch glücklich angekommen, obgleich ich recht laufen mußte und es wäre mir doch viel lieber wenn ihr nach Almrich oder wenigstens zu den Tanten kämmt. Wilhelm habe ich gleich Sonntag Abend geschrieben. Ich bin nun mit meinen Wünschen ziemlich fest und bestimmt. Sie sind folgende:
     1. Requiem von Mozart                                | 15 Sgr.
     2. Jahreszeiten von Haydn (bei                 | 27 Sgr.
                    Leo in Berlin)                                |
     3. Münchhausen von Immermann.            | 1 Thl.
2 Octavbücher für meine Biographie.                 |
Wach[s]stock, Nüsse, Stollen usw.                 |
     Es kommen vielleicht noch einige kleine hinzu. — Sag’s nur den Tanten und Tante Rosalie und den lieben Großeltern. Es sind alles sehr liebe Wünsche. Noch drei und einhalb Woche — — dann wollen wir sehen. — — — — —
     Nun lebe wohl, liebe Mamma schicke mir recht bald etwas und schreibe mir und besuche mich auch und vergiß nicht

Deinen Fritz.
Nietzsche.


[:!: The line is supposed to be straight.]

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BVN-1858,24

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, kurz vor dem 3. Dezember 1858]


Lieber Wilhelm!

Ich danke dir vielmal für deinen lieben Brief. Ich hoffe daß wir uns nun recht regelmäßig schreiben und so erhält Du meinen Brief vielleicht schon Freitag. Höre, was sagst Du zu meinen Wunsche für Immermann, von dem ich auch wieder abgekommen bin?
          Niebelungenlied von Niendorf.
          Novellen von Hoffmann.
          Genfer Novellen von Töpfer.
     Ich bin mit diesen Wunsch ziemlich zufrieden. Nun, Weihnachten wird entscheiden. In drei Wochen! Das ist doch famos. Nein, könnte ich mit dir nur noch ein wenig über das liebe Fest reden. Mir wäre es zu lieb. — Daß du Privatstunde in der Mathematik hast, freut mich sehr. Der Unterricht von Prof. Buchbinder ist wirklich ausgezeichnet, so streng er auch ist. Kannst Du nicht vielleicht einmal Sonntag nach Almrich kommen? Bei schönen Wetter wird es dir gleich Spaziergang sein und wir könnten da doch auf einige Zeit uns unterhalten. Verzeih, daß ich so wenig schreibe. Ich habe nicht mehr Zeit.

Lebe wohl! Semper manet amicitia nostra!

Dein Fritz.


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BVN-1858,25

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 3. Dezember 1858]


Liebe Mamma!

Ihr habt mir mit der Schachtel große Freude bereitet; ich danke dir und der lieben Tanten vielmal; auch Braunen’s danken dir vielmal. So eine süße und geschmackvolle Errinerung an die naumburger Zeiten ist im[mer] sehr angenehm. — Ich kann jetzt Weihnachten kaum mehr erwarten. Wenn ihr mit dem Immermann durchaus nicht wollt, so habe ich mir dafür anderes gewählt:
          Nibelungenlied, übertragen von Niendorf,

Preis 12 ½ Sgr.
„10 Sgr.


          Hoffmann’s Novellen
          Töpfers Genfer Novellen, 9 Sgr.
     Dies würde mir auch sehr lieb sein; bei Domrich ist alles drei vorräthig; laßt es durch Wilhelm besorgen, da er es schon kennt. — 3 Wochen!!! Bei Dokt. Zimmermann bin ich geweßen; er sagt mir, ich sollte mich oefters einmal bei ihm sehen lassen. Hr. Professor Korsen habe ich auch besucht. Es war sehr hübsch. Auch bei Commissionsrath Teichmann’s bin ich gewesen. Sie lassen euch vielmal grüßen. — Ich schicke euch, wahrscheinlich die Wäsche, welche so ungefähr aus den Bettüberzug einen Hemd ein paar Schnupftüchern besteht, 2 Vorhemdchen Schickt nur bald Handtücher. — Ich freue mich ungemein auf Weihnachten und vergegenwärtige mir die schönen Tage oft. Nun, Sonntag sehen wir uns sicherlich in Almrich, bei schlechten Wetter bei den Tanten. Auf Wiedersehn!

Dein Fritz.


Heute, Freitag war große Generalvisitation; ich kann dir die Wäsche schwerlich schicken, da die Schlafsäle verschlossen sind.


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BVN-1858,26

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, kurz vor dem 8. Dezember 1858]


Liebe Mamma!

Die Schachtel und den Brief habe ich bekommen und ich schicke sie dir gleich zurück. — die schöne Zeit kommt nun immer näher; die Spannung wird immer größer; die Wünsche und die Erwartungen sind in wechselnder Bewegung. Noch zwei Wochen! Die Zeit vergeht mir nie so langsam wie jetzt, nie wünschte ich mehr, daß die Zeit Flügel hätte; denn jetzt kommt sie mir sehr träge vor. Mein ziemlich vollständiger Wunschzettel ist nun:
           | | Nibelungenlied.
     1. | | Hoffmanns Novellen.
           | | Das befreite Jerusalem. (Dieselbe Ausgabe —)
     2. | Mozarts Requiem.
     3. | Haydns Jahreszeiten.
          Gebundene Octavbücher für Biographie
          und Gedichte.
          Wachsstock. Nüsse. Papier.
          Pfefferkuchen, usw. — — ? — — — — ? —
     Nun, das sind meine Wünsche. Ich weiß nicht, ob sie erfüllt werden — — — — — nun, 2 Wochen noch!!! — — —
     Du wirst dich langweilen, wenn ich in allen Briefen dasselbe bringe. Aber es geht nun einmal nicht anders in der schönen Weihnachtszeit. Sei deßhalb nicht böße! Es ist nun einmal jetzt mein liebster Gedanke und Du kannst dir kaum denken, wie ich mich darauf freue. Nun, lebe wohl, komm doch einmal heraus! Mittwoch von 2—3 würden wir uns sehen können. Das wäre sehr hübsch. Nun adieu! Viele Grüße

Dein Fritz.


Was soll ich euch zu Weihnachten schenken?? Zeit und Geld habe ich nicht. Was ist zu thun? Schreib mir doch. Antwort. — Wenn ich wünschen darf, so wünsche ich mir statt des Buches unter I, das ich ausgestrichen habe, lieber 10 Sgr; da gehe ich dann zu Domrich und wähle mir selbst. — —


[:!: The lines are supposed to be straight.]

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BVN-1858,27

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 8.—11. Dezember 1858]


Lieber Wilhelm!

Verzeih, daß ich dich so lange mit meinem Brief habe warten lassen; aber es fand sich auch wirklich keine Zeit dazu. Nun ist ja die schöne Zeit nicht mehr fern; nächsten Mittwoch über 8 Tage bin ich ja in Naumburg. Es werden uns Beiden diese wenigen Tage recht lang erscheinen. Denn die große Erwartung und Hoffnung! Du bist doch hoffentlich bei deinen Wünschen geblieben? Ich bin es, nur mit Entfernung der Töpferschen Novellen. Nun, Weihnachten wollen wir uns gehörig unterhalten und uns recht genießen; ich freue mich sehr darauf. Ich werde wahrscheinlich Mittwoch früh um 8 Uhr ankommen; vielleicht auch früher. — Ich bin nun schon zwei Mal mit Privatlecktüre bei Dr. Becker geweßen. Auch schon zwei Mathematische Docimastica haben wir geschrieben; im ersten hatte ich 2b—III, das zweite bekommen wir erst zurück. — In der brandenburgischen Geschichte müssen wir derb lernen; Montag ist Generalrepetition von den Uranfänger bis zu Friedrich den Großen (inclusive) und alles ziemlich genau. Hat bei euch das Arbeiten wieder etwas nachgelassen oder ist es immer noch so arg? Ich glaube wirklich, Du hättest in Pforta mehr freie Zeit zum Spazierengehn. die Eintheilung des Tages halte ich für sehr gut. Schreib mir doch recht bald einmal! Du machst mir immer große Freude damit. Ich habe leider nicht mehr Zeit. Grüße deine lieben Eltern und Geschwister vielemal!
     Adieu, lieber Wilhelm!

Semper nostra manet amicitia!

Dein Fritz.


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BVN-1858,28

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 11. Dezember 1858]


Liebe Mamma!

Ich habe jetzt täglich einen Brief erwartet; warum schreibt ihr mir nur nicht? Jetzt gerade in dieser hoffnungsreichen Zeit ist ein Brief mir sehr lieb. Sonntag kommt doch Punkt halb drei nach Almrich oder schreibt es mir bestimmt ab und ich komme nach Naumburg zu den Tanten, damit ich nicht durch das Suchen in Almrich unütze Zeit verliehre. Nun sind es noch II Tage bis zu den Ferien; die Zeit vergeht doch gar zu langsam! Ueber Weihnachten will ich nicht mehr schreiben. Was ich wohl schreiben möchte, habe ich schon unzähliche Mal und meine Wünsche wißt ihr. Wollen wir nicht die letzten Tage der Ferien nach Pobles reißen? Mittwoch Morgen ungefähr um 8 Uhr werde ich in Naumburg ankommen; das wird eine Freude sein! Wilhelm habe ich auch wieder geschrieben; auch von Gustav erwarte ich einen Brief. Also schreibt oder schikt mir bald! (Die Schachtel mit Halstuch und vielleicht etwas andern noch müßt ihr doch schiken, da ich Sonntag wieder schmutzige Wäsche habe. Schikt sie nur gleich Sonntag früh, ja nicht später.) Viele Grüße an Lisbeth, Tante Rosalie, Onkel Oskar, die lieben Tanten et caetera

Dein Fritz.


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BVN-1858,29

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 15. Dezember 1858]


Liebe Mamma!

Heute nur ein paar Zeilen. Denn ich habe wenig Zeit. Ich schicke dir hier die Schachtel mit der Wäsche und den Brief an Gustav. Besorge letzteren. Sei so gut. Schicke mir recht bald die Schachtel wieder und mit ihr ein Handtuch, Strümpfe, Vorhemdchen und Chokoladenpulver. Ich schreibe dir vor den Ferien vielleicht noch einmal. Wenn nicht, so erwarte mich Mittwoch um 8 Uhr morgens. Lebe wohl!

Dein Fr.


          1 Hemd.
          2 Schnupftücher
          1 Vorhemdchen
          1 Serviete.


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BVN-1858,30

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 16. Dezember 1858]


Lieber Wilhelm!

Wahrscheinlich ist es das letzte mal, daß ich an dich vor Weihnachten schreibe. Vielleicht bekomme ich von dir noch einen. Nun sind es noch 6 volle, lange Tage!! Aber sie werden auch dahingehen — Freitag ist Studientag, Sonnabend vergeht in Gedenken an Sonntag, wo ich wahrscheinlich in Naumburg bin, Montag ist der erste Tag in der Ferienwoche, Dienstag werden wir nach Kösen geführt und Mittwoch morgens wird abmarschirt. — Das ist diese letzte Woche.
     Ich danke dir viele mal, daß Du das für Gustav besorgt hast. Ich habe an ihm den Brief schon abgeschikt. Nun, in diesen Ferien wollen wir uns recht erzählen; ich werde recht gut meine Biographie fortsetzen können. Wenn nur nicht die 12 Tage zu schnell vergehn! Mir erscheinen schon hinter den buntfarbigen Gewand die schwarze Hülle der 19 langen Wochen. Dann aber ist wieder Hoffnung! die Hundstagsferien, 5 Wochen! Nun, lebe wohl, schreib mir noch einmal! Auf Wiedersehn auf Weihnachten!

Dein Fritz


Nostra semper manet amicitia nostra.


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de/nietzsche/briefe/1858/1858.txt · Last modified: 2017/02/11 09:07 by babrak