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de:nietzsche:briefe:1858:bvn-1858_21

BVN-1858,21

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 27.November 1858]


Liebe Mamma!

Noch heute Abend schreibe ich dir ein paar Worte, da ich noch ein paar Mi[n]uten Zeit habe. Den Schlitten und deinen lieben Brief habe ich ordentlich empfangen; ersteren benutzte ich sogleich. Nun, Sonntag sehen wir uns doch in Almrich; ich freue mich sehr darauf. Daß Wilhelm und Gustav mir nicht schreiben, wundert mich sehr. — Ich denke, daß das Wetter nicht zu schlecht sein wird. Sonst komme ich nach Naumburg. Nun, wir wollen schon sehen. Mir ist so wohl zu Muth wenn ich denke daß morgen erster Advent ist; noch 4 Sonntage, dann singen wir: O du selige, o du fröhliche Gnadenbringende Weihnachtszeit! Meine musikalischen Wünsche wißt ihr, mein litterarischer ganz wahrscheinlich Immermann’s Münchhaußen; ich erwarte nur noch Wilhelms Brief. —
     Den Winter in Pforta genießen wir mehr als in Naumburg, sowohl in Hinsicht auf seine Kälte als auch auf seine Freuden. Es dauert mich doch sehr, daß er so bald gekommen ist.

Schon ist der Winter kommen
Schon sind die Fluren weiß
Bedeckt mit Schnee und Eis
Der Herbst hat Abschied ’nommen.
Die Vöglein klein und zart
Sind ihm bereits entflohen.
Uns schrecket nicht sein Drohen.
Wir sind vor ihm gewahrt.

     Und bringt er nicht auch Weihnachten? Ich bin jetzt mit dem Winter ganz ausgesöhnt. Morgen, zum ersten Advent würde ich gern in Naumburg sein. Sanckt Nicolaus ist ja auch morgen. Nun lebt wohl!

FrWNietzsche


Hr. Prof. Buddensieg bedauert sehr, dich nicht gesprochen zu haben. Er will dich einmal in Naumburg besuchen. —


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

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