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 ====== BVN-1858,8 ====== ====== BVN-1858,8 ======
 ==== An Franziska Nietzsche in Naumburg ==== ==== An Franziska Nietzsche in Naumburg ====
-<WRAP right>​[Pforta] d. 11 Oct. 1858.</​WRAP>​+<WRAP right>​[Pforta] d. 11 Oct. 1858.</​WRAP>​\\
  
 Habe dir recht lange nicht geschrieben,​ wirst denken, ich hätt’ dich vergessen. Aber keineswegs! Ich hoffte vielmehr von Tag zu Tag auf einen Brief und Kasten, und glaubte, dir lästig mit meinen vielen Briefschreiben zu werden. Aber ich kann nicht so lange warten; verzeih’ deßhalb! Zuerst wieder Bücher und Sachen, die ich brauche. Schickt mir von meinen Büchern //​Anabasis//​ und //​Anabasislexicon//,​ dann Süpfle (deutsch-lateinisches Uebersetzungsbuch) und einen Spiegel und Haarbürste. Ich habe dies so nothwendig, daß //ein// Tag mir großen Verzug bringt. Denk’ Dir, ich habe Singstunde und soll späterhin in’s Chor! Zu meinen Geburtstag schickt mir nur was Tüchtiges, das heißt ungefähr 40 Briefe und 20 Kisten und Kasten voll Geschenke. Dann schreib mir doch wie ich’s mit der Wäsche halten soll, wohin sie packen usw. (Wenn ihr übrigens die Bücher nicht kennt, so sagt’s nur Wilhelm, der wird sie schon finden.) Vielleicht komme ich nächsten Freitag nach Almrich, vielleicht auch nach Naumburg, wie ihr wünscht. Kommt doch //um 2 Uhr// nach Almrich, gesetzt auch ich käme nicht, so wär’s doch für euch ein hübscher Spaziergang. Sonntag wurden wir von Docktor Becker auf die Rudelsburg geführt, wo wir allerhand spielten in Gemeinschaft mit dem Lehrer. Noch vielen Dank, für die Grüße die mir viele Schüler von dir überbracht haben. Uebrigens schickt mir das Damenbrett nicht theils weil es etwas polizeiwidrig ist, theils verworfen wird. Sonst schickt mir //aber ja alles//, was ich geschrieben habe und bedarf dies alles //zu nöthig//. Warte nicht erst meinen Geburtstag ab, zwei Kisten werden auch wohl voll werden. Dann schicke mir doch Halstücher,​ Vorhemdchen und andre Kleinigkeiten. Bis jetzt gefällt es mir in Pforta ganz leidlich, wenn sich auch mitunter der Gedanke „War’ ich doch in Naumburg geblieben“ hineinmischt. Warte nur, das Heimweh wird schon noch kommen!! — —Wie befindet sich Wilhelm? Will er nicht einmal schreiben? Viele Grüße an ihm und an Gustav und „mit dem Freundschaftsschließen“ (d. h. neuen) ging’s nicht so schnell. Was sagt nun Lisbeth dazu? Nun ich hoffe, sie wird ihre Ideen mir selbst schreiben. die Tante ist gewiß sehr von dem Erreigniß ergriffen. In Pforta lief’s auch von Mund zu Mund. Kann mich die Tante nicht näher benachrichtigen?​ Wir leßen keine Zeitungen. Mit herzlichen Grüßen empfiehlt sich Habe dir recht lange nicht geschrieben,​ wirst denken, ich hätt’ dich vergessen. Aber keineswegs! Ich hoffte vielmehr von Tag zu Tag auf einen Brief und Kasten, und glaubte, dir lästig mit meinen vielen Briefschreiben zu werden. Aber ich kann nicht so lange warten; verzeih’ deßhalb! Zuerst wieder Bücher und Sachen, die ich brauche. Schickt mir von meinen Büchern //​Anabasis//​ und //​Anabasislexicon//,​ dann Süpfle (deutsch-lateinisches Uebersetzungsbuch) und einen Spiegel und Haarbürste. Ich habe dies so nothwendig, daß //ein// Tag mir großen Verzug bringt. Denk’ Dir, ich habe Singstunde und soll späterhin in’s Chor! Zu meinen Geburtstag schickt mir nur was Tüchtiges, das heißt ungefähr 40 Briefe und 20 Kisten und Kasten voll Geschenke. Dann schreib mir doch wie ich’s mit der Wäsche halten soll, wohin sie packen usw. (Wenn ihr übrigens die Bücher nicht kennt, so sagt’s nur Wilhelm, der wird sie schon finden.) Vielleicht komme ich nächsten Freitag nach Almrich, vielleicht auch nach Naumburg, wie ihr wünscht. Kommt doch //um 2 Uhr// nach Almrich, gesetzt auch ich käme nicht, so wär’s doch für euch ein hübscher Spaziergang. Sonntag wurden wir von Docktor Becker auf die Rudelsburg geführt, wo wir allerhand spielten in Gemeinschaft mit dem Lehrer. Noch vielen Dank, für die Grüße die mir viele Schüler von dir überbracht haben. Uebrigens schickt mir das Damenbrett nicht theils weil es etwas polizeiwidrig ist, theils verworfen wird. Sonst schickt mir //aber ja alles//, was ich geschrieben habe und bedarf dies alles //zu nöthig//. Warte nicht erst meinen Geburtstag ab, zwei Kisten werden auch wohl voll werden. Dann schicke mir doch Halstücher,​ Vorhemdchen und andre Kleinigkeiten. Bis jetzt gefällt es mir in Pforta ganz leidlich, wenn sich auch mitunter der Gedanke „War’ ich doch in Naumburg geblieben“ hineinmischt. Warte nur, das Heimweh wird schon noch kommen!! — —Wie befindet sich Wilhelm? Will er nicht einmal schreiben? Viele Grüße an ihm und an Gustav und „mit dem Freundschaftsschließen“ (d. h. neuen) ging’s nicht so schnell. Was sagt nun Lisbeth dazu? Nun ich hoffe, sie wird ihre Ideen mir selbst schreiben. die Tante ist gewiß sehr von dem Erreigniß ergriffen. In Pforta lief’s auch von Mund zu Mund. Kann mich die Tante nicht näher benachrichtigen?​ Wir leßen keine Zeitungen. Mit herzlichen Grüßen empfiehlt sich
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