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de:nietzsche:briefe:1859:bvn-1859_13

BVN-1859,13

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 23. März 1859]


Liebe Mamma!

Heute will ich dir nun wieder einmal etwas genauer schreiben. Es war Dienstag sehr hübsch; wir hätten uns noch eine halbe Stunde länger unterhalten können. Ich bin auch ganz glücklich in Pforta angekommen, danke dir auch noch viele, vielemal für alles. —
     Heute war die Valediction der Abiturienten. Es war wirklich sehr feierlich. Man hat in Naumburg keine Ahnung davon. Jeder Abiturient hält vom Kadeter aus seine Abschiedsrede, die meistens sehr kurz waren, da die Abiturienten vor Rührung kaum sprechen konnten. Ein ausgezeichnetes Gedicht war auch mit darunter. Darauf hielt der Rektor eine Ermahnungsrede an die Abiturienten, allerdings bei weiten geistreicher als der Naumburger Abschied durch den Direcktor. Da zwischen sang der Chor ausgezeichnete Abschiedslieder. Nachmittag um 1 Uhr versammelte sich der Coetus auf den Steinweg. — Bald erschallten auch die Posthörner, und drei Extraposten fuhren vor, um unsre Abiturienten abzuholen. Unter jubelnden Lebehoch stiegen die Abiturienten ein und unter lauten Hörnerschall fuhren jene ab. Jeder aber von uns hatte hiebei seine Gedanken. Nun nächsten Sonntag will ich dir noch mehr erzählen. — Wie seid ihr denn nach Naumburg gekommen? Ich bin heute Nachmittag mit ganz Untertertia in Großjena geweßen unter Leitung des Buchbinder. — Ich bin noch ganz marode davon. Vor Frost hatte ich mich durch Rok und Mantel gesichert. Du brauchst darum keine Angst zu haben. Kopfschmerzen habe ich natürlich bekommen, aber die Leibschmerzen waren noch schlimmer. Nun lebe wohl! Länger habe ich nicht Zeit.
     Adieu!

Dein Fr.


Grüße Lisbeht Onkel usw. vielemal.


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen

Wissenschaftliche Auslegungen

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