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de:nietzsche:briefe:1859:bvn-1859_5

BVN-1859,5

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, kurz nach dem 27. Januar 1859]


An die liebe Mamma!

Auf deinen Wunsch schreibe ich dir heute. — Ich habe schon seit einigen Tagen meine Schachtel zurükerwartet mit der Hose, Büchern und andern; aber ihr seid jetzt gewiß sehr beschäftigt gewesen. Habt ihr euch recht amüsirt? Ich dachte den Tag mich recht lebhaft nach Naumburg zurük. Ist die Tante Ida glücklich angekommen und hat ihr der Schülerball gefallen? Grüße sie doch recht viele Mal von mir, wie auch die lieben Großeltern durch sie. — Sonntag wollen Braunens mit nach Naumburg kommen; sie haben es mir versprochen. Schikt mir doch ja wieder ein paar Strümpfe; Ich habe die Meinigen schon sehr lange an. Auch mein Chokaladenpulver ist gänzlich abgebrannt und die Milch mir zuwider. Die Folge ist natürlich. — Auch an Nüssen leide ich gänzlichen Mangel und habe doch so großen Appetit darnach; in Pforta giebt es schon seit langer Zeit weder gute noch schlechte sondern gar keine. —
     Schikt mir doch so bald als möglich das Schreiben an den Hr. Rektor; denn dies Geschäft muß eine Zeit vorher abgemacht werden. — Denke einmal, Wilhelm hat mir immer noch nicht geschrieben; längst würde ich wieder einen Brief an ihn entsandt haben, wenn er mir nicht versprochen hätte, zuerst zu schreiben. — Das Wetter ist jetzt gar nicht angenehm; der Sturm braußt durch den Wald hin und sein Geheul weckt mich oft aus den Schlafe. Ich sehe noch gar nicht was aus diesen halben Thauwetter werden soll. — Der Januarius ist mir sehr langsam vergangen; mir ist als ob ich schon 8 Wochen in Pforta wäre. Kommt der Onkel nicht vielleicht mit Nottrott wieder heraus? Müller läßt vielemal grüßen. Schreibe mir doch ein mal recht ausführlich über die Naumburger Feierlichkeiten. (Natürlich nicht über den Ball, den[n] der ist mir furchtbar gleichgültig.) Also Sonntag sehen wir uns in unserer Wohnung. Ich freue mich sehr darauf und wünsche mir nur guten Weg. Vielleicht treffe ich die liebe Tante noch. Also schreibe und schikt mir als bald, aber nur nicht wieder die Hosen allein, sondern mein Kistchen. Es ist ja manches einzupacken, manches zu schicken worüber sich freut

Euer Fritz Nietzsche.
Alport.


N. B. Viele, viele Grüße an Lisbeth.


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen

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de/nietzsche/briefe/1859/bvn-1859_5.txt · Last modified: 2015/09/02 18:23 (external edit)