aphil.org

Aphorisms -- in context.

User Tools

Site Tools


de:nietzsche:briefe:1859:bvn-1859_72

BVN-1859,72

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Gorenzen

[Pforta, 27. November 1859]


Meine liebe Mamma!

Als ich heute in Naumburg die Tante Rosalie besuchte, überreichte sie mir Euren lieben Brief, der mir sehr viel Freude bereitete. Ich hätte nur gewünscht, Ihr würdet etwas eher wiederkommen; denn Donnerstag darauf komme ich auch nach Naumburg. Du glaubst gar nicht wie ungemein ich mich auf das Wiedersehen zu Weihnachten freue. Das wird überhaupt, so Gott will, ein sehr schönes Fest! Wenn nur bis dahin auch die trüben Wolken, die sich um den Großpapa und den Onkel breiten, vor der lichten Festsonne verschwinden! —
     Ihr hattet wohl am vorigen Mal etwas mehr über mein eignes Befinden erwartet? Ich hatte Euch aber weder ängstigen, noch belügen wollen; denn ich war eigentlich nicht ganz wohl, da die beständigen Kopfschmerzen sich wieder eingestellt hatten, die indeß jetzt durch Schröpfen vollständig vertrieben sind. Ich befinde mich jetzt recht wohl; wie könnte man aber auch bei dem freudigen Hoffen und Harren auf das schöne Christfest unwohl sein? — Auch einen Wunschzettel vermißtet ihr; so muß ich doch meine Hauptwünsche Euch mittheilen. Das sind nämlich: Altsächsische Evangelienharmonie in der Uebersetzung, Otfrids Evangelienharmonie in der Uebersetzung, zwei ausgezeichnete altdeutsche Werke, die ich mir sehnlich wünsche. Dann Iphigenie in Tauris, comp, von Gluck im Klavierauszug, bei Leo, Berlin. Das sind meine Hauptwünsche. Zu den beiden ersten wird der Onkel gewiß auch seine Genehmigung geben. — Nun , schaltet und waltet nach Belieben darüber; die schönste irdische Weihnachtsgabe ist doch, daß ihr wieder nach Naumburg kommt. Auf glückliches Wiedersehen! Hr. Prof. Buddensieg läßt dich grüßen; er hat sich oft bei mir nach Eurem Befinden erkundigt. — Ich habe meinen Wunschzettel auch der Tante Rosalie gebracht. Für Lisbeth will ich auch noch ein Wünschchen aufschreiben. — Nun lebe recht wohl, liebe Mamma, schreibe mir doch ja noch einmal! Denn so ein Brief macht immer große Freude

Deinem FNietzsche.


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen

Wissenschaftliche Auslegungen

Weitere Verbindungen

Back to top
de/nietzsche/briefe/1859/bvn-1859_72.txt · Last modified: 2015/09/02 18:23 (external edit)