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de:nietzsche:briefe:1860:1860

1860

Inhalt

BVN-1860,1

An Franziska Nietzsche in Naumburg

Pforta d. 8. 1. 60.


Liebe Mamma!

— Ich danke Dir, liebe Mamma, und dem Onkel viele mal für euren lieben Besuch. Warum hast du nicht den Hr. Dokt. besucht? Er hatte [hätte] wenigstens von deinem Kommen und dem Tode des Großpapa’s erfahren. Wir hätten uns bei ihm doch länger sprechen können. — Seid ihr denn bei dem stürmischen Wetter glücklich wieder zurück gekommen? — Es thut mir heute am Sonntag recht leid, daß ich nicht nach Naumburg kann. Denn hier ist es sehr langweilig; außer mir ist nur noch Einer hier. Ich schicke dir auch meine Kiste wieder, mit etwas schmutziger Wäsche. Sehr nöthig brauche ich jetzt Papier und Stahlfedern. — Bitte, schicke mir doch auch meinen Heliand, damit ich auf der Krankenstube doch etwas zu lesen habe. Er wird endlich wohl angekommen sein. — Grüße Lisbeth vielemal von mir und sage ihr, ich würde die Sporenzchen [Sperenzchen] bald wieder lassen. Denke, schreibe, schicke recht bald an mich, vielleicht

besuch[s]t du auch

Deinen FWNietzsche


          (Sonntag)


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BVN-1860,2

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 13. Januar 1860]


Meine liebe Tante!

Wie gern möchte ich heute an Deinem Geburtstage zugegen sein und dir meine Wünsche bringen! Aber die Krankenstube, die ich immer noch mit meinem Besuch beehre, hindert mich daran.
     Der liebe Gott möge auch in diesem Jahre stets mit dir sein und dich mit himmlischen und irdischen Gütern aufs reichlichste segnen! Er beschütze dich gnädig vor Krankheit und andern Unfällen und lasse dich noch recht viele Jahre erleben! Mir aber bewahre Deine Liebe auch fernerhin — denn auch ich bin sehr oft in Gedanken bei dir und erinnere mich der schönen Stunden, die ich bei dir verlebt habe. — Ich hätt [hätte] dich so gern diesen Sonntag besucht; aber ich fürchte daß mein Unwohlsein mir dies nicht erlauben wird. — Vor allen aber entschuldige, daß mein Brief nicht zu rechten Zeit angekommen sein wird. Daran ist aber der Briefbote schuldig, der mir der Mamma Brief zu spät ablieferte.
     Mein Husten ist nur noch selten, aber der Hr. Doktor gestattet mir doch nicht, herüberzukommen, besonders da es jetzt wieder kälter geworden ist. Das Leben ist furchtbar langweilig wie Du dir wohl denken kannst. Ich bin nur froh, daß nichts schlimmes daraus geworden ist, wie es am Anfang den Anschein nahm. — Aber ich muß leider schließen, da Hitzschke bald fortgeht und ich den Brief noch an ihm besorgen muß. Drum lebe recht wohl, meine liebe Tante, der liebe Gott erhöre alle meine Wünsche und gebe dir ein schönes neues Jahr.

Dein
Dich innig liebender
FWNietzsche.


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BVN-1860,3

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Januar 1860]


Liebe Mamma!

Endlich bin ich von der Krankenstube zurückgekehrt. Der Hr. Doktor wartete immer auf einen etwas milderen Tag. Mein Husten ist fast ganz vorüber. Ich trage aber doch den Shawl noch. — An die Tante Rosalie habe ich sobald ich den Brief bekam, sogleich geschrieben und fortgeschickt. Es war aber erst Sonnabend. Daran ist wohl Hitzschke schuld. — Nächsten Sonntag werde ich in unsre Wohnung kommen; ich freue mich sehr darauf. — Seid ihr alle ganz wohl? Wie geht es denn Lisbeht? Grüße sie und den Onkel vielemal von mir. Bitte, besorge den Brief an Wilhelm. Lebe recht wohl, meine liebe Mamma!

Dein Fritz.


In Eile


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BVN-1860,4

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. d. 26. 1. 60.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich einen Schlüssel zu dem Schranke machen zu lassen.


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BVN-1860,5

An Franziska Nietzsche in Naumburg

(Pforta, 12. Februar 1860)


Liebe Mamma!

Ich danke dir vielemal für Deinen Brief und bin heute gesonnen, dir einen etwas größern zu schreiben, als neulich, wo die Zeit allzusehr drängte. — Du bist also noch wie mir Lisbeth erzählt hat, nach Pobles gegangen? Ich glaubte, es würde dir zu kalt sein; die Temperatur hat jetzt sich merkwürdig verändert.
     Bei Frau v. Busch bin ich heute (Sonntag) gewesen; es hat mir sehr gefallen; Lisbeth wird dir wohl davon erzählt haben.
     Gestern Abend war ich bei Hr. Prof. Korssen zum Besuch: wir hatten bei unsern lebhaften Gespräch die Zeit ganz vergessen, so daß uns endlich Hr. Dr. Becker mit der Laterne holte.
     In voriger Woche sind in Pforta mehere Geburtstage gewesen; Braune II und Hr. Dr. Euler am Mit[t]woch, Hr. Prof. Buddensieg Donners[tag.] Letzteres erfuhr ich leider erst am Tage selbst, so daß ich es dir unmöglich mittheilen konnte. Ich freue mich jetzt sehr auf Fastnachten; ihr kommt doch zu den Aufführungen heraus? Das nähere werde ich euch noch im Verlauf dieser Woche schreiben.
     Mit meiner Wäsche bin ich sehr übel daran; kein reines Taschentuch, kein reines Vorhemdchen usw. Willst du mir nicht Dienstag, spätestens Mittwoch recht viel Vorrath schicken, besonders bei gegenwärtiger Fastnachtenzeit. Soll ich nächsten Sonntag nach Naumburg kommen oder sehen wir uns nur Montag und Dienstag? Bitte, schreibe mir das alles recht bald. Lebe recht wohl!

FWNietzsche.


Heut folgen meine ganz zerissnen Stiefeln!


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BVN-1860,6

An Wilhelm Pinder in Naumburg

(Pforta, Mitte Februar 1860)


Lieber Wilhelm!

Unser Leben in Pforta ist weiter nichts als ein beständiges Erinnern und Hoffen. Während nun das erstere mitunter auch recht traurige Vergleiche mit frühern Zeiten zuläßt, so stärkt und tröstet das zweite wieder mit dem süßen Balsam der Erwartung, und ueberhebt uns aller Gedanken an die kalte, langweilige Gegenwart. Jetzt liegen die goldnen Weihnachtstage hinter uns, schon von dem leisen Duft der Ferne überzogen, aber desto heller ergrünen vor uns die freudenreichen Fastnachtstage; und über diesen erheben sich noch, wie über die nächsten Hügel noch weithin Berge ragen, von lieblicher Bläue umhüllt, die heiligen Osterwochen. Ja, das Hoffen ist unser Himmelreich — die Seele sucht so gern einen Punkt, wo sie Erquikung hofft, wo eine Goldader die trägen Gesteine durchbricht.
     Weißt Du schon, wo ich in den nächsten Ferien wahrscheinlich hinreißen werde? Nach meinen lieben Plauen, das mir wirklich einige der lieblichsten Jugenderinnerungen zurückruft. So gedenke ich noch einer reizenden Wiese, die rings von grünen Hügeln eingefasst, von zahlreichen Quellen durchwässert mir einst das Erwachen der Natur enthüllte. Teiche mit Goldfischen, Schmetterlinge, Lerchen, Veilchen und Vergißmeinnicht, Heerden mit lieblichen Geläut — das erinnert mich immer an das so einfach natürliche Lied:

     1. Der Frühling ist kommen
          So bald, so bald,
          Und streut seine Wonne
          Auf Flur und Wald.
     2. Und Liebe und Leben
          Und Freude und Glück
          Das kehrt mit dem nahenden
          Lenze zurück.
                    3. Die Wolken so duftig
                    So rein wie ein See —
                    O könnte ich sterben
                    Vor Lust und Weh!

     Und von Plauen aus werde ich dann mein düsteres, wildes Fichtelgebirge (besuchen), das auf mich einen gleichen Eindruck macht, wie auf jene Italiäner, die in ihm ungeheure Goldschätze verborgen glaubten. Es sollen dort noch viele wunderschöne Volkslieder existiren, die noch nicht gesammelt sind. Vielleicht habe ich das Glück, einige dieser Schätze zu heben und das wäre mir doch die schönste Belohnung. —
     Kommst du denn noch nächsten Montag und Dienstag heraus? Um vier Uhr Nachmittags beginnt die Vorstellung. Wir würden doch dann wieder uns darüber sprechen können. Sage es doch auch Gustav. Vielleicht begleitet er dich heraus. —
     Vorigen Sonntag war wieder Conzert. Wir sangen unter andern auch die Chöre aus Oedipus in Kolonos von Mendelssohn die wirklich wunderschön sind. Mehere größere Theile aus Don Juan kamen auch zur Ausführung. Im Damenchor singen wir jetzt das Finale aus Lorelei von Mendelsohn.

     Nun leb recht wohl, lieber Wilhelm grüße meine Bekannten viele mal von mir und behalte in stetem Andenken

Deinen dich innig
Liebenden Freund
FWNietzsche


Semper nostra manet amicitia!


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BVN-1860,7

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 22.—25. Februar 1860]


Liebe Mamma!

Es war sehr hübsch, daß ihr beide Tage noch hier wäret; wie habt ihr denn am zweiten Tag Billete bekommen? Mir hat es sehr viel Amüsement gemacht, und ihr werdet es wohl auch ganz gern mit angesehen haben. Trotzdem daß die Obersecundaner recht lustig spielten, hat mir der Kaufmann von Venedig noch mehr gefallen, besonders wegen des famosen Spiels von Thiemich als Shylock. Auch Goetz als alter Gobbo spielte ganz gelungen. — Ich schicke heute wieder meine schmutzige Wäsche, auch meine Hosen, die ich ganz aufgegeben habe, da sie überall anfangen sich zu öffnen und den Rode, den ich trotz Steinkopf etcetc. mit Loch im Aermel wiederbekam. — Habt ihr denn Iphigenie zum Buchbinder befördert? Ich möchte sie so gern hier haben. Du schickst mir auch wohl wieder etwas zu meiner Milch mit; ich habe da sehr lange entbehren müssen. — Ist der Leierkasten schon wieder angekommen?
               Nun lebe recht wohl! Viele Grüße!
               Nächsten Sonntag auf Wiedersehen!
     Kannst du nicht einmal nach Almrich kommen, daß wir uns länger sprechen könnten?

Dein Fritz.


Streichhölzer, Pomade brauche ich nöthig!


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BVN-1860,8

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta d. 2. 3. 60


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß sich eine Flasche Tinte holen zu dürfen.


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BVN-1860,9

An einen Freund

Pf. d. 6. 3. 60.


Sage mir, theurer Freund, warum du so lang nicht geschrieben?
     Immer hab ich geharrt, Tage und Stunden gezählt. Denn ein gar süßer Trost ist ein Brief vom Freunde entsendet,
     So wie ein sprudelnder Quell durstige Wandrer erquickt. Viel auch ist mir werth die Kunde von deinem Befinden:
     Habe auch ich doch einst ähnliche Wege gewallt, Habe so Freud’ wie Leid mit dir zusammen genossen,
     Und in Freundesverein wurde das Schwerste uns leicht. Freilich weiß ich recht wohl: Schuljahre sind schwierige Jahre,
     Nie wird jegliche Last, Mühe und Arbeit gescheut. Oft auch möchte die Seele sich los von den hemmenden Fesseln
     Reißen, in Einsamkeit flüchten das fühlende Herz;
     Aber auch diesen Druck erleichtert die treuliche Freundschaft,
     Die sich stets voll Trost, voll von Erhebung uns naht. Unter Freunden ist nichts, was der Eine dem Andern verbürge;
     Alles theilen sie sich mit im vertrauten Gespräch. Ist auch der Eine entfernt, die Liebe durchsegelt die Lüfte,
     Und in Gestalt eines Briefs naht sie dem einsamen Freund. Theurer! Bald nahet der Tag wo auch wir uns wieder erblicken,
     Und des trauten Gesprächs lang schon entbehrten uns freun. Aber nur kurz ist die Freud’! Denn bald enteil’ ich von neuem,
     Nicht nach Pforta zurück, wo nur die Strenge regiert, Nicht nach dem Fichtelgebirg dem düsteren, nein, in die Heimath!
     Ach wohl zum letzten Mal grüß ich den theuersten Ort! Doch — die Entfernung hemmt nicht der Seelen stete Verbindung,
     Et manet ad finem longa tenaxque fides!


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BVN-1860,10

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 14. 3. 60


Nietzsche bittet gehorsamst um 12 Srg. für Klaviermiethe.


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BVN-1860,11

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 17. März 1860]


Lieber Wilhelm!

Ob ich schon hoffe, dich morgen länger zu sehen und zu sprechen, so möchte ich dir doch noch heute am Tage vor deiner Confirmation ein paar Zeilen senden, vor allen, um dir zu sagen, daß ich in dieser Woche besonders viel an dich gedacht habe und im Geiste bei dir gewesen bin. Du lebst ja jetzt in einer ernsten Vorbereitungszeit, wo alle Gedanken und Sinne nur auf das Eine, was noth thut, hingerichtet sind, wo die heiligsten Entschlüsse und Vorsätze für das zukünftige Leben gefasst werden. Denn mit dem ernsten Gelübde trittst du in die Reihe der erwachsenen Christen ein, die des theuersten Vermächtnisses unsres Heilandes für werth gehalten werden, um durch den Genuß desselben ihrer Seele Leben und Seligkeit zu finden. Ich wünsche dir nun hiezu den reichsten Seegen des Herrn, daß er dich zu einem würdigen Empfang seiner Gottesgaben mit seiner Kraft stärke und auf dich auch fernerhin stets das Füllhorn seiner Gnade ausgieße. Mit diesem Wunsche und in der frohen Hoffnung auf baldiges Wiedersehn verbleibe ich

Dein dich herzlich
Liebender Freund
FWNie[tzsche]


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BVN-1860,12

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 19. 3. 60.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 2 ½ Srg. für einen blinden Rechenmeister gebeten.

FWNietzsche


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BVN-1860,13

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

[Pforta, März—April, 1860]


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 20 Srg. für Kleiderreinigen gebeten.

FWNietzsche


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BVN-1860,14

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 14. 4. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1860,15

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte April 1860]


Ich bin gestern Abend ganz glücklich in Pforta angekommen, wurde aber gleich mit der traurigen Nachricht empfangen, daß der Onkel Knieling Mittwoch früh gestorben sei. Ich wollte es erst nicht glauben, es wurde mir aber ganz bestimmt versichert. — Dazu mag die Anstrengung bei der ersten Predigt wohl viel beigetragen haben. Es thut mir sehr leid, besonders dauert mich die liebe Tante sehr. —
     Meine Wäsche und Kleider habe ich gestern Abend ausgepackt. Ich sende heute schmutzige Wäsche und unnöthige Bücher. Bitte, schicke mir nun Streichhölzer, Papier, Stahlfedern, meine übrigen Kleidungsstücke, und auch etwas Chocoladenpulver, da Kaffe und zweites Frühstück ausgeblieben ist.
     Nun lebe wohl, viele viele Grüße an Lisbeth und den Onkel!
     Kommt doch bald einmal heraus! Wir können uns Sonntag nicht sehen!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,16

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 16. April 1860]


Liebe Mamma!

Das war gestern recht schade, daß wir uns nicht sehen konnten, um so mehr, da jetzt 14 Tage vor den nächsten Zusammenkommen liegen. Sehr lieb war es mir aber, den Onkel Edmund zu finden, der mich zu den Hundstagsferien eingeladen hat. —
     Ich befinde mich diesmal nach den Ferien nicht so wohl und kann mich noch gar nicht recht wieder hinein finden. Wie gern möchte ich eine etwas längere Zeit in Naumburg zubringen. Es ist gar zu gemüthlich!
     Den Sonnabend waren wir mit Hr. Dr. Franke auf der Rudelsburg; Weg und Wetter war recht schön. —
     Die Sonntagsspaziergänge fallen jetzt immer von 4—6. Da ist die Hitze doch etwas massiger. Dennoch habe ich mich aber gestern sehr dabei erhitzt. Ihr seid wohl so gut und kommt Sonntag über 8 Tage nach Almrich. —
     Ich brauche allerdings jetzt Wäsche sehr nöthig; aber wenn sie noch nicht fertig ist, sende mir nur gleich morgen Stahlfedern, meine Stiefel, etwas Cacao und auch ein paar neue Hosen, aus einem Magazin gekauft. Steinkopf hat noch das Maß von den vorigen, sie müssen aber etwas kürzer sein, da ich sie sonst auch nicht anziehen kann. Meine schwarzen Hosen sind so morsch, daß sie neulich beim Kegeln ganz zerrissen. Ich habe sie jetzt beim Flickschneider. Nun lebt alle recht wohl, viele Grüße noch an Lisbeth und den Onkel!

Dein
Dich innig liebender
FWN.


     Bitte schickt mir die 5 Groschen mit. Ich möchte sie mir zwar gern aufheben, aber am Anfang eines Semesters muß man viel kleine Ausgaben machen, bes. als Primus.
     Auch meine grauen Hosen und meine gute Weste schickt mit, nehmt aus letzterer den Kistenschlüssel und sendet ihn mir in einem Brief!


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BVN-1860,17

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 19. April 1860]


Ich danke dir, meine liebe Mamma viele Mal für den lieben Brief und die Kiste. Wie gern wäre ich heute nach Naumburg gekommen, aber wir hatten keinen Spaziergang. Außerdem ist auch das Wetter recht schlecht. Mir geht es übrigens ganz so wie dir; die Ferien scheinen mir schon Monate hinter mir zu liegen und ich wünschte sehr, daß wir uns bald wiedersehen. Es sind noch fünf Wochen bis Pfingsten; da kann ich doch wieder eine kurze Zeit in Naumburg sein und dann wieder noch fünf Wochen, dann sind die schönen Hundstage. Ich habe jetzt immer viel zu thun und lerne immer neue Primusaemter kennen. Hr. D. Heine ist nun fort und wir sind jetzt ohne Klassenlehrer; nächste Woche soll aber Hr. Dr. Heinse kommen. — Der heutige Tag wurde mit einem Aktus im Turnsaal gefeiert; es wurden mehrere Hymnen gesungen; Hr. Insp. Niese hielt dann eine Rede, worin vorzüglich Melanchthons Lebensweise in sehr hübschen Lebensbildern wiedergegeben wurde. Sonst sind gar keine weiteren Feierlichkeiten. Sonntag kann ich nicht kommen, das weißt du schon. Könnt ihr nicht irgend wann bei schönem Wetter einmal herauskommen?
     Für alles was du mir geschickt hast, danke ich vielemals; nur Stahlfedern hätte ich gern noch gehabt, da ich sie sehr nöthig brauche. Meine neuen Hosen gefallen mir ganz gut; werden sie denn auch viel aushalten? Heute folgt außer der schmutzigen Wäsche die verlangten Beinkleider und Schlafrock. Mir fehlt es übrigens sehr an Vorhemdchen. Von den zweien die du mir mit herausgabst, folgt eins, das andere habe ich an. —
     Meine liebe Mamma! Ich weiß noch gar nichts genaues über den Tod des lieben Onkels, wie es so schnell kam, wie das Begräbniß war, wie die liebe Tante sich befindet. Bitte schreib mir das doch oder erzähle es mir lieber mündlich.
     Nun lebe recht wohl, meine liebe Mamma! Grüße Lisbeth! ihr gewünschtes Papier folgt. Aber schreib mir recht bald oder noch lieber komme heraus

zu Deinem
FWNietzsche.


Auch noch viele Grüße an den Onkel!


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BVN-1860,18

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 20. 4. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um die gütige Erlaubniß, sich das Gesangbuch einbinden und ein Buch w[eißes] Papier anschaffen zu dürfen.


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BVN-1860,19

An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 22. April 1860]


Liebe Lisbeth!

Ich schreibe dir heute auch wieder einmal, meine liebe Lisbeth! Denn ich bin dir noch aus vorigem Semester einen Brief schuldig. Wie geht es dir denn jetzt? Wir haben uns recht lange nicht gesehn und gesprochen, seit den Ferien noch nicht, ja, wir werden uns wahrscheinlich erst nächsten Sonntag sehen. Denn heute ist in Pforta Communion und deßhalb fällt der Spaziergang aus. Wir werden aber auf die Berge und Wälder von den Lehrern geführt, was man „Naturkneipen“ zu nennen pflegt. Viel lieber wäre es mir freilich, wenn ich heute ein paar Stunden nach Naumburg gehen könnte!
     Sonnabend vor 8 Tagen gingen wir mit Hr. Dr. Franke auf die Rudelsburg. Als Primus mußte ich auch besonders mit für die Unterhaltung sorgen. Als wir oben angelangt waren, sangen wir mancherlei und bestiegen dann auf den Rückweg mehre steile Höhen, wobei sich Hr. Dr. Franke sehr freute, wenn mehre vor Mattigkeit kaum heraufkamen. — Unser neuer Lehrer H. Dr. Heinse ist immer noch nicht angelangt. Unsere Lecktionen sind in voriger Woche deßhalb vielfach verändert worden. — Pfingsten ist nun nicht mehr allzu ferne; wenn auch die Ferien sehr kurz sind, es ist doch besser als gar keine wir wollen sie schon ordentlich genießen. Kommst du denn die Hundstage noch mit zum Onkel Edmund? Das wäre doch sehr hübsch. Auf jeden Fall bleib ich aber bis zum 10ten Juli, deinen Geburtstag noch in Naumburg; ich bin ja sonst gar nicht zu Hause und da ist es doch am allerschönsten. —
     In Betreff meines Trauerspiels ist sehr wenig zu Stande gekommen, ein paar Proben von einigen Scenen in Reimen folgt hier:

a) 1 Soldat. Ich habe die verwünschte Flucht nun satt,
Bin an allen Gliedern steif und matt,
Und kann kaum mehr die Beine tragen.
Nun soll mir mal einer sagen:
Wo soll das denn eigentlich hinaus?
2. „ Mit der Frage bleib mir zu Haus.
Man sagt, fürs große Perserreich.
Das wäre im Grund mir furchtbar gleich.
Wenns nicht meine eigene Rettung galt,
Ich lebte längst von fremden Geld.
In lauter Herrlichkeit und Freuden.
1 „ Kammerad laß dich bedeuten!
Da sind wir im Grunde rechte Thoren.
Haben uns das schlimmste Theil erkoren,
Hatten wir in der Heimath nicht viel mehr,
Als hier unter Darius Heer?
Und könnte es wohl was schönres geben,
Als bei Alexander zu leben.
Wo klein die Gefahr, groß der Genuß,
Alles überhaupt im Ueberfluß usw.
b) Narbazanes. Wir haben ihn doch zu weit gebracht!
Nun ists aus! Nun Krone, gute Nacht!
Bessus. Wer wird auch gleich den Muth verlieren,
Wollens doch erst beim Heer probieren,
Und das ist bald herumgewandt,
Denn die Treue ist kein so festes Band
Daß Güte und Geld und große Versprechen
Sie nicht noch — das glaub’ mir — vor Abend brechen.
Narb. Laßt uns aber vorsichtig verfahren
Man kann nicht traun den griechischen Schaaren,
Und besonders nicht Patron, den rohen Bau[er]
Wenn ich den seh überläuft mich ein Schauer.
An den geht unsre Verschwörung zu nichte.
Der weiß, das glaub mir, die ganze Geschichte
usw.
          usw.

     Nun habe ich an dich noch die Bitte, daß du die Mamma bewegst mir ja morgen Vorhemdchen und Stahlfedern zu senden, da ich beides zu nothwendig brauche. Nun leb recht wohl! Schreib mir auch bald einmal! Denke oft

an deinen dich liebenden Bruder
FWNietzsche


     Also Löschblätter, Stahlfedern, Vorhemdchen, Pomade brauch ich noch. —
     Viele Grüße an die liebe Mamma und den Onkel. Nächsten Sonntag bei guten Wetter in Almrich! Spaziergang von 4—6 Uhr.


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BVN-1860,20

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 27. 4. 60.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich drei Hefte anschaffen zu dürfen. —


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BVN-1860,21

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, Ende April 1860]


Lieber Wilhelm!

Ich muß dir doch wieder einmal ordentlich schreiben; denn es ist mir immer eine wahre Freude im Geiste dir nahe zu sein und mich mit dir zu beschäftigen. Wir haben uns aber auch recht lange nicht gesehen; seit den Ferien nicht wieder. Wie geht es dir denn jetzt? Habt ihr noch immer so viel zu thun? Ich befinde mich im Grunde ganz wohl, bin sehr viel im Freien und erfreue mich am Kegelschieben. Wir sind auch schon mit Hr. Prof. Buchbinder botanisiren gewesen, haben aber noch nicht viel gefunden. Außer verschiedenen Anemonen waren noch sehr wenig Blumen erwacht. Ich aber interessire mich sehr dafür und habe die linneischen [linneischen] Klassen wieder gelernt. Wenn mich nur nicht meine Augen am Suchen und Finden so hinderten! — Wie steht es denn mit deinem Vorhaben? Hast du mehere Scenen schon wieder vollendet? Obgleich ich mich mit meinem Plan sehr oft im Geiste beschäftige, auch ein paar Scenen in Reimen verfertigt habe, so sehe ich doch, daß die Ausführung bis zu den Hundstagen darnieder liegen muß. Zeit und Einsamkeit fehlt mir in Pforte doch sehr! — Könnten wir uns doch bald sprechen? Nicht wahr, zum Schulfest, das ist der 21 Mai kommst du heraus? Das wäre doch sehr hübsch. Ich hoffe übrigens dies mal nicht wieder vortragen zu müssen, da ich schon am vorigem Mal die Ehre hatte. Meine Primuspflichten sind mir jetzt zwar oft unangenehm und lästig; (denn es giebt in Pforta noch eine Menge anderes zu thun als die Klasse in Ordnung halten und das Klassenbuch zu führen) aber im Ganzen kommen sie mir doch nicht so schwer an, wie ich beim Beginn des Semesters glaubte. Der Mensch gewöhnt sich doch an alles! —
     Dann lieber Wilhelm schreibe mir doch nächstens, ich habe nämlich einen Plan und da will ich hören, ob du damit einverstanden bist. Unsre Pfingstferien beginnen den zweiten Pfingstfeiertag nach der Frühkirche also um ½ 11 Uhr. Wollen wir da nicht eine kleine Rudelsburgparthie zusammen unternehmen? Um uns aber nicht fehl zu gehen werde ich bis ½ 12 Uhr in der sechsten Stube warten und dann wollen wir zusammen fortgehen. Nun ich hoffe wir sehen uns bis dahin noch einmal! Da wollen wir das genauer besprechen!! Nun leb recht wohl, lieber Wilhelm, grüße Gustav viele mal von mir und schreibe bald

an Deinen Freund
FW. Nietzsche Semper


nostra manet amicitia!


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BVN-1860,22

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, April-Juni 1860]


Liebe Mamma!

Das war doch gestern sehr hübsch in Almrich und es thut mir sehr leid, daß wirs nächsten Sonntag nicht wiederholen können. Ich werde deßhalb einmal nach Kosen gehn, wo ich so lange nicht gewesen bin. Sonst habe ich euch heute gar nichts mehr zu erzählen. Ich schidce alle meine schmutzige Wäsche wie auch einige Bücher. Bitte sende mir also
               >Burmeister, Naturgeschichte
               >und etwas Cacao, den du wie du mir einmal sagtest mit
gebranntem und gestoßnen Brod vermischen kannst. Denn mir liegt mehr an der Quantität als an der Qualität in Bezug auf so etwas. Mit so einem Päckchen Chocolade reicht man allzu kurze Zeit. Nun lebe recht wohl! Lisbeht schreibt mir wohl, wie sie versprach; grüße sie von mir! Ebenso den Onkel!

Dein dich innig liebender
FWNietzsche


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BVN-1860,23

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 10. 5. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. für den Schlüssel zum Primuskasten.


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BVN-1860,24

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, Mitte Mai 1860]


Lieber Wilhelm!

Entschuldige ja, daß ich dir so lange nicht geschrieben habe; wir haben aber jetzt wirklich immer sehr viel zu thun, so daß ich nur wenig freie Zeit erübrige. Es hat mich sehr gefreut, daß dir mein Pfingstplan gefällt; Mamma und Lisbeth wollen früh voran gehn und wir folgen Mittag nach. Da wir uns jetzt so lange nicht gesehen haben, bitte ich dich sehr darum, zu unsern Schulfest herauszukommen, das aber nicht wie du meinst, auf dem Knabenberge, sondern innerhalb unsrer Mauern nächsten Montag gefeiert wird. —
     Mit dem neuen Lehrer Hr. Dr. Heinse sind wir alle recht zufrieden; seine Caesarinterpretation gefällt mir sehr, da er oft auf die Synonymik eingeht. Er kennt dich und Gustav übrigens ganz gut und erkundigte sich bei mir nach euch. Du besuchst ihn vielleicht einmal, was ihm gewiß freuen würde. — Das Wetter ist jetzt immer wunderschön; die Nachtigallen singen auch in unsern Mauern. Hoffentlich wird in den nächsten Tagen baden gegangen. — Es ist übrigens sehr schade, wenn wir uns in den Hundstagsferien so wenig sehen; ich bitte dich, lieber Wilhelm, entscheide dich, mit mir den Harz zu durchstreifen und schreib oder sage mir deine entschiedene Antwort. Ich will dann gleich den Onkel darüber benachrichtigen und er wird sich sicherlich darüber freuen. Also bitte, schreib mir, auch in Betreff unsrer Pfingstparthie, ganz genau, sprich über letztere noch einmal mit meiner Mamma und komme Montag d. 21. heraus zu Deinem

FWNietzsche


Semper nostra manet amicitia!


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BVN-1860,25

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 21. 5. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5. Srg. zum Schulfest. —


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BVN-1860,26

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 24. 5. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 Srg. zum Bergtag. —


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BVN-1860,27

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. d. 28. 5. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um die Srg. Feriengeld.


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BVN-1860,28

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 30. Mai 1860]


Liebes Mammächen!?

So ist denn diese schöne, prächtige Ferienzeit wieder vorüber und ich muß mich wieder in die unvermeidlichen Banden fügen. Dieses einförmige, geräuschlose Leben ist doch völlig von den freien, selbstgewählten Beschäftigungen verschieden; ich wünsche mir die Ferien eigentlich sehr wieder herbei. Denn mir erscheint es fast, als ob man mehr als hier noch thun könnte, da man nach Wille und Wunsch arbeitet. — Ich bin gestern Abend dreiviertel auf zehn angekommen; zuletzt sind wir ziemlich rasch gegangen. Es that mir sehr leid die Gesellschaft zu verlassen; denn ohne Lisbeth zu nahe zu treten; Herr Füllsel ist doch ein ganz interessanter Mann. Ist es denn noch lustiger allmählich geworden? Es schien sich die Unterhaltung in Privatunterredungen aufzulößen und Grund und Veranlassung war genug da, gewisse Streitfragen in das Gespräch zu ziehn. — Ihr erhaltet heute eine leere Kiste, die ich aber morgen gefüllt erwarte. Sehr würde ich mich auch über einige Ueberbleibsel des Mahles freun, denn mein Schrank ist leer, wie mein Beutel. Außerdem sendet mir Morgenschuhe, Stiefelknecht, Psalter und Harfe und Spittlers Kirchengeschichte (beides liegt auf dem Glasschrank) ebenso meine guten Beinkleider, und dann das betreffende Geld. — Grüße die Lisbeth und den Onkel vielmal von mir! Es ist wirklich kläglich, daß die Ferien schon zu Ende sind!

Es wünscht allen Gesundheit
und Wohlergehen,
sich selbst das Andenken
und die Liebe aller
FWNietzsche.


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BVN-1860,29

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 7. 6. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 15 Srg für Klaviermiethe.


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BVN-1860,30

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte d. 11/6 60


Nietzsche bittet um 20 Sgr. für Kleiderreinigen, den Herrn Prof. Buddensieg.


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BVN-1860,31

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Juni 1860]


Liebe Mamma!

Entschuldigt ja daß ich gestern bloß ein paar Worte schrieb, aber es geschah in allzu großer Eile. Daß wir uns vorigen Sonntag gesehen haben war sehr hübsch; ich war mit dem Onkel nur etwas zu langsam gegangen und mußte zuletzt sehr schnell laufen, bin auch noch gerade zur rechten Zeit gekommen; von der Schweinsbrücke bis Pforta in 17 Minuten. — Etwas neues habe ich jetzt gar nicht erlebt; das Wetter ist immer etwas allzu regenliebend und zweifelhaft. Mit dem Baden ist noch gar nichts geworden. — Hinsichtlich der Hundstage denke ich jetzt, daß ich auf alle Fälle die ersten Tage in Naumburg zubringe. Ich will übrigens in den Ferien mancherlei thun. Wenn’s in Gorenzen nur nicht allzu warm ist! — Wird es übrigens mit der Reise in den Harz nichts, so ist mirs auch recht. Parthien in die Umgegend sind auch hübsch. — Bitte, sendet mir doch den Vellejus Paterculus, einen lateinischen Schriftsteller über römische Geschichte; er ist mir jetzt, da wir römische Geschichte treiben als Quelle sehr nöthig. Das Geld werde ich wenn ich nach Naumburg komme, mitbringen. Bei Domrich wird das Buch gewiß vorräthig sein. Sonntag werde ich also Teichmanns besuchen. Schade, daß wir uns nicht sehen können! Bis Hundstage sind wenig Sonntage und dann nur wenig Tage, wo wir uns sehen! Bitte schicke mir dann bald die Kiste mit Handtüchern, und Servietten, da ich an beiden Mangel leide, und jenes Buch; schreibt mir auch wieder einmal recht hübsch ausführlich über Hundstage usw. Grüße Lisbeth und Onkel viele mal von mir. Letzteren wünsche ich stets viel Glück zur seiner Examenvorbereitung. Nun lebt alle recht wohl!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,32

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Juni 1860]


Liebe Mamma!

Das war doch sehr hübsch, daß du mich gestern besucht hast; hast du denn auch den Hr. Dr. gesprochen? Der Münchhausen hat mir schon viel Amüsement bereitet, der Kuchen sehr gut geschmeckt. Der Schmerz hat noch wenig nachgelassen und bei Sitzen und Stehen wird er schnell stärker. Ich liege deßhalb meistentheils auf meinem Bette. Heute soll ich ein Senfpflaster auf den Fuß bekommen. —
     Schickst du mir heute noch die zwölf Praeludien von Seb. Bach? und den Vel. Paterculus? Man muß hier etwas Unterhaltung haben: denn es ist sehr langweilig. —
     Sonst bin ich ganz wohl, wie gestern. Ich denke viel an die Hundstage, die nun bald da sein werden Sonnabend über 14 Tage! Bitte, sage doch Lisbeth, ob sie nicht einmal an mich schreiben wollte. Denn jetzt habe ich eher Zeit zu antworten, wenn ich auch immer nicht weiß, was ich antworten soll. So genüge dir, liebe Mamma, auch diese[r] Brief um dir zu versichern daß es nicht schlimmer geworden ist. Lebt alle recht wohl! Viele Grüße!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,33

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Juni 1860]


Ein paar Zeilen muß ich meinem Versprechen gemäß doch auch heute wieder schreiben. —
     Zuerst meinen Dank für den gestrigen Brief obgleich es mir leid that, daß die Musicalien und das Buch nicht mitkamen. —
     Ich möchte aber doch das die Noten bestellt würden, ich schicke dir einen Zettel mit, der an Domrich abgegeben wird. Das Buch verspare ich mir bis auf die Ferien. —
     Ich habe gestern eine spanische Fliege bekommen, es war eine ganz schmerzhafte Geschichte. Sonst geht es mir ganz wohl. —
     Bitte sende mir doch schleunigst ein Hemd; denn daran leide ich Mangel.
     Nun lebe recht wohl, meine liebe Mamma! Grüße Lisbeth und den Onkel von mir.

D[ein] FWNietzsche


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BVN-1860,34

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. 16. 6. 60. [15. 5. 60]


Nietzsche bittet um die Erlaubniß, sich ein Collectaneum anschaffen zu dürfen.


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BVN-1860,35

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. d. 16. 6. 60


Nietzsche bittet um die Erlaubniß ein Schloß reparieren und einen Schlüssel machen zu lassen.


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BVN-1860,36

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 17. Juni 1860]


Liebe Mamma!

Heute am Sonntag muß ich doch wieder einmal ordentlich schreiben und zuerst dir für die Kiste und den Brief danken. Mir geht es jetzt viel besser; der Schmerz im Fuße ist verschwunden und vielleicht kann ich schon morgen herüber. Wir vertreiben uns die Zeit wie es nur immer geht, gestern habe ich auch wieder etwas componirt. Heute werden wir uns wohl nicht sehn; wenn aber das Wetter schön ist, kommst du doch vielleicht noch einmal heraus. — Der Münchhausen hat mich wieder sehr amüsirt; es ist doch ein prächtiges Buch. — Unsre Ferien fangen also gestern über 2 Wochen Morgen 9 Uhr an. Ich freue mich sehr darauf. die letzten Tage wird wieder bekränzt und dazu gehn wir in den Wald. Nun leb wohl meine liebe Mamma! Grüße Lisbeth vielmal von mir und danke ihr für den lieben Brief. Auch dem lieben Onkel!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,37

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. 21. 6. 60.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 2 Srg. für zwei Portionen Zucker zur Medicin gebeten.

FW Nietzsche


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BVN-1860,38

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende Juni 1860]


Nun liebe Mamma bin ich ganz wieder herüber von der Krankenstube. Das ist ein wahres Glück. Außer daß mein Fuß noch etwas matt ist, bin ich wieder ganz gesund. Ich sende dir heute die Kiste mit Wäsche und einigen Büchern für die Ferien. Bitte schicke sie mir morgen ja wieder, da ich nun alle Wäsche und Kleider fortschicken muß und dazu brauche ich sie noch zwei mal. Es ist hier schon ein ganz hübsches Leben; die letzten 6 Stuben sind schon bekränzt. Aber liebe Mamma, ich muß dich diesmal um viel Geld bitten. Jetzt wo alle Reisegeld haben wird die Kasse sehr in Anspruch genommen zu Stubenbekränzen u. derg. Ich möchte dich doch darum bitten, mir morgen in der Kiste 10 Srg zu senden. Denn meinen Sparpfennig möchte ich hiezu nicht gern verwenden. —
     Sonntag war Wilhelm da, das war recht hübsch, ich habe euch die beiden Tage erwartet. Nun Sonnabend auf Wiedersehn! Viele Grüße!

D[ein] FWNietzsche


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BVN-1860,39

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende Juni 1860]


Ich danke vielemal liebe Mamma Dir, daß Du mir gestern gleich die Kiste nebst Geld und Brief gesandt hast. Ich schicke sie dir heute wieder mit Kleidungsstücken und Wäsche und Noten. Bitte sende sie mir morgen noch einmal; denn ich werde noch mancherlei wie Bücher, Stiefeln, Morgenschuhe zu besorgen haben.
     Sonst befinde ich mich ganz wohl, bin wieder einmal baden gewesen was mich sehr erfreut hat, und war auch gestern Abend im Wald um Eichenlaub für die Bekränzung der Stuben zu holen. Der ganze Koridor ist mit Kränzen und Guirlanden geschmückt, ein sehr hübscher Anblick! Besonders die Gedanken an die Ferien, die entheben uns schon über die kurze Zeit noch weg.—
     Gestern Abend war ich mit meherern wieder bei Hr. Dr. Heinse. Er setzte uns Erdbeerbowle vor. Nun lebt alle recht wohl! Sonnabend auf Wiedersehn!

D[ein] FWNietzsche


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BVN-1860,40

An Edmund Oehler in Gorenzen

25, 7. 60 N. a S. —


Lieber, Lieber Onkel!

So bin ich denn in Naumburg glücklich angekommen und habe die Unannehmlichkeit der Post und des Bahnhofs überwunden. In Eisleben wurde mir etwas unwohl und blieb bis zur Ankunft in Naumburg. Heute ist aber alles vorbei. Das Lutherhaus habe ich mir auch zeigen lassen, wo mich vieles interessirt hat. Hr. Oberpfarrer Jahr erwartete daß wir mindestens noch Mittag dablieben und war sehr freundlich; er läßt dich vielemal grüßen. die Postunterhaltung führte ein junger Reisediener — langweilig und albern. Die drei Stunden auf der Eisenbahn trocken und eintönig, das Gespräch in dem Wagon waschfrauenmäßig, der Weg nach Naumburg naß und regnerisch. Der Onkel Oskar war ausgegangen und kam erst später zurück. Ich habe ihn noch mancherlei erzählt und mich dann abgemattet zu Bett gelegt. Heute Morgen hat mich Wilhelm ganz mit hinausgenommen. — Das war ein sehr fragmentarischer Reisebericht. Nun aber lieber Onkel muß ich dir noch schriftlich danken, da ich es mündlich nicht konnte. Glaub’ mir, ich war gestern Abend geradezu etwas niedergeschlagen und sehnte mich wieder nach dem gemüthlichen Gorenzen zurück wo ich so wunderschöne Tage verlebt habe. Es kommt mir jetzt alles so oede und traurig vor, besonders da heute ein düsteres Wetter ist, daß ich meine Gefühle nur mit denen vergleichen kann, die das Ende der Ferien und die Rückkehr nach Pforta hervorruft. Nimmermehr werde ich auch dieses schöne ruhige Leben, diese herrlichen Spaziergänge vergessen können. Ich denke jetzt fast fortwährend an Gorenzen und stelle mir jeden Augenblick vor, was ihr jetzt anfangt und was wir um diese Zeit thaten. Wie geht es denn heute der Frau Wintern? Grüße sie noch vielemal von mir; ich lasse ihr recht baldige Besserung wünschen. Auch an den lieben Hr. Kantor denke ich oft im Geiste noch für seine Güte mich bedankend. Zu guter allerletzt aber sage ich dir lieber Onkel meinen größten Dank für alle deine Liebe und Güte; sei versichert daß ich diese schöne Zeit nie vergessen werde. Lebe recht, recht wohl und denke mitunter auch wieder einmal

an Deinen dich innig liebenden
FW Nietzsche


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BVN-1860,41

An Franziska Nietzsche in Pobles

Sonnabend. (Naumburg, 4. August 1860)


Liebe, liebe Mamma!

Ich danke dir vielemal für den lieben Brief, den ich sehr sehnlich erwartet hatte. Ich wäre auch gar zu gern noch einmal nach Pobles gekommen, aber Sonntag konnte der Onkel nicht, Montag u.sw. Regen, so daß [wir] wie sehr wirs auch wollten nicht dazu gekommen sind. Ich habe immer gedacht, du würdest noch einmal nach Naumburg kommen, bevor ich nach Pforta ging, aber ich habe vergebens gewartet. Heute habe ich nun den Koffer gepackt, da die Kiste nicht da war, und heute Abend gehe ich wieder heraus. Es ist mir etwas traurig zu Muthe, wie man sich denken kann. Bei Pinders habe ich sehr hübsche Tage verlebt, mit Wilhelm und Gustav Parthien gemacht, Abends auf der Vogelwiese gewesen usw. Lisbeth hat bei dem Schießen recht viel Glück gehabt; Sophie hat für sie geschossen und einen Kandel, eine schwarze Schnur und fleur d’animée (mir ein unklarer Begriff) [gewonnen]. Grüße sie viele mal von mir. Will sie nicht bald nach Naumburg kommen? Auch Pinders lassen dich und Lisbeth vielemal grüßen. — Komme doch ja recht bald nach Naumburg; denn ich weiß nicht, was mit der Wäsche werden soll. Daß du Sonntag nicht da bist und beim Bergtag der bald sein wird, thut mir gleichfalls sehr leid. Ihr lebt jetzt wohl sehr in Trubel; willst du denn mit nach Maßnitz oder kommst du gleich nach Naumburg? Mir wäre es doch sehr lieb wenn du sobald als möglich kämest, da ich gar nicht weiß, an wen ich mich wenden soll und doch so mancherlei brauche. Sonst habe ich nicht viel dir mitzutheilen meine liebe Mamma, der Onkel wird dir schon heute erzählen. Grüße die liebe, liebe Großmamma vielemal von mir wie auch die lieben Onkels und Tanten, denke recht oft an mich, schreibe und komme recht bald nach Naumburg.

Dein dich innig liebender
FWNietzsche


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BVN-1860,42

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang August 1860]


Liebe Tante!

Ich bin heute genöthigt zu schreiben; denn es fehlt mir noch mein Bettüberzug und den müsste ich schon haben. Ich wollte dich recht sehr bitten, liebe Tante, mir denselben sobald es dir nur möglich ist, zu schiken. Er muß in der Kommode in der blauen Stube sein; vielleicht weiß es auch der Onkel Oskar. —
     Ich bin ganz glüklich in Pforta angekommen, wünsche aber sehr, daß die Mamma da ist, da mir noch eine Menge Kleinigkeiten fehlen. In Pforta sind große Aenderungen vorgegangen. Unsre Waschstube ist fertig; es geht sehr gut. Wir stehen deßhalb 5 Minuten vor 5 Uhr auf, waschen und ziehen uns bis ¼ 6 an, haben dann noch Arbeitsstunde bis ¾ 6 und essen dann Frühstück. Um 6 ist Gebet und gleich darauf fangen die Lektionen an.
     Nachmittags haben wir noch von 4½ 5 eine freie halbe Stunde bekommen. Sodann dürfen wir Sonnabend, Mittwoch und Studientag von nach Tische bis ½ 2 Uhr ins Freie spazieren gehn außer dem gewöhnlichen Sonntagsspaziergang. Die Primaner dürfen alle Tage bis ¾2 gehen, die klein eximirten Primaner haben Sonntag 3 stündigen Spaziergang, die großeximirten von nach Tische bis um 7 Uhr. —
     Das ist doch eine ganz prächtige Neuerung. Nun liebe Tante, mündlich wollen wir noch mehr drüber sprechen. Wenn die Mamma noch nicht da wäre, würde ich sehr gern Dein gütiges Anerbieten annehmen, nächstens Sonntag zu dir zu kommen, natürlich wenn Dir’s völlig passt.

Dein dich innig liebender
FWNietzsche


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BVN-1860,43

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang August 1860]


Liebe Tante!

Nun ich danke dir vielemal liebe Tante, daß Du mir den Bettüberzug so bald übersandt hast. Daß der Meinige nicht da war, wundert mich; vielleicht ist er noch gar nicht gewaschen. Die Mamma kommt also erst den 14ten wie sie mir geschrieben hat. Da muß ich mich also noch ein paar Tage gedulden. Ich glaubte sie würde schon in dieser Woche ankommen und hatte deßhalb einen Brief nach Naumburg geschickt, der sie gleich antreffen sollte. Ich hatte freilich mancherlei noch nöthig, aber ich weiß nicht, ob ich dich liebe Tante damit belästigen darf. Streichhölzchen, Rosenstahlfedern, ein paar Bogen Notenpapier, womöglich mit recht engen Linien, Seife, vielleicht auch etwas Kacao. Aber wie gesagt, liebe Tante, ich kann damit recht gut bis auf die Rückkehr der Mamma warten. Gestern bin ich im Walde gewesen; zum ersten Mal hatten wir da Spaziergang. Ich habe mich so ziemlich wieder in Pforta eingefunden; nur mitunter ist es mir etwas sehr traurig. Durch die neuen Einrichtungen ist schnell ein neues Leben unter alle gekommen. Wir wollen uns nächsten Sonntag, wenn Du mir noch gütig zu kommen erlaubst, recht viel unterhalten. Wäre nur etwas länger Zeit! Ich komme also ungefähr ¾ 5 zu Dir. Bis dahin lebe recht wohl! Liebe Tante! Noch meinen herzlichsten Dank!

Dein Dich innig liebender
FWNietzsche


Die Serviette werde ich mitbringen, die Leinwand mit der nächsten Kiste nach Naumburg schicken.


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BVN-1860,44

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

[Pforta,] d. 10/8 60.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich einen Krug anschaffen zu dürfen


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BVN-1860,45

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 12. August 1860]


Liebe Tante!

Sowohl um dir zu berichten, daß ich glücklich in Pforta angekommen bin, als auch ins Besondere, um dir noch viele mal für Deine große Güte zu danken, schreibe ich dir jetzt gleich. Ich habe mich nicht allzu sehr anzustrengen gebraucht um glücklich und zur rechten Zeit zurückzukommen, habe auch alles ohne Schaden mitgebracht. Das kleine Streichholzkästchen macht mir sehr viel Freude; bitte, danke den lieben Tanten in meinen Namen noch viele mal; Auch das Notenpapier ist vollständig das Richtige; ich kann mir es nicht passender wünschen. Auch noch meinen wiederholten Dank für den schönen Kaffee und Kuchen; Du hättest nur nicht so viel Umstände zu machen brauchen, denn ich bin gar nicht so splendid gewöhnt. —
     Wenn nur die Mamma noch Dienstag kommt! Vielleicht käme sie dann Mittwoch während unsrer Spaziergangszeit heraus.
     Dann müßte sie freilich schon ½ 1 in der Grotte über Pforta sein; ich werde mich da auf jeden Fall dort einfinden. Das wäre doch eine köstliche Ueberraschung! Sonst bin ich den ganzen Nachmittag durch Stunden beschäftigt. Ich werde mich aber nächsten Sonntag auf die Ankunft der Mamma loszumachen suchen. —
     Lisbeths Geburtstag könnte ja dann diesen Tag gefeiert werden. die Mamma schriebe dann vielleicht einen Brief, worin sie als Hauptpunkte ihre Ankunft und Lisbeths Geburtstag angebe. Ich möchte Lisbeth gern so ein kleines Tintenfaß für Reisen schenken, da sie sich das sehr gewünscht hat. —
     Nun lebe wohl, liebe Tante! Noch den herzlichsten Dank

Deines dich innig liebenden
FWNietzsche


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BVN-1860,46

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte August 1860]


Liebe Mamma!

Heute, liebe Mamma, wirst du nun wohl sicher angekommen sein. Du glaubst gar nicht wie ich mich darüber freue, da wir uns so lange nicht gesehen haben. Nun wollen wir aber wieder nachholen, was wir in den Ferien versäumt haben. Komme nur recht bald heraus und schreib und schicke recht oft. Du wirst noch einen andern Brief finden. Du siehst daran, wie sehr ich dich erwartet habe. Es ist doch viel länger geworden als du dir anfangs vorgenommen hattest. Können wir uns nicht nächsten Sonntag länger sehn? Willst du mich nicht los machen? Du hast ja zwei Gründe, erstens deine Ankunft, und dann kann ja Lisbeths Geburtstag gefeiert werden. Nicht wahr, Lisbeth ist doch mit? Grüße sie doch viele, vielemal von mir. Es thut mir zu leid, daß ich heute nicht in Naumburg sein kann. Aber nun muß ich dich gleich bitten, mir die Kiste zu schicken, da ich gar keine reine Wäsche mehr habe, kein Hemd, kein Vorhemdchen, kein Handtuch. Bitte sende mir das doch gleich. Ich habe Sonntag gar nichts anzuziehn. Dann sind auch noch ein Paar von meinen Stiefeln in Naumburg. Die ich jetzt anhabe, sind ganz krumm gelaufen und zerissen, ein schauderhafter Gang! Auch den Stiefelknecht habe ich noch nicht auch meine Handschuh fehlen mir. Bitte sende mir das alles noch in diesen Tagen vor Sonnabend. Ich leide sehr Mangel.
     Nächsten Sonntag sehen wir uns aber, wenn du mich nicht los machen willst, doch sicherlich in Almrich? Da will ich dir auch viel von den Veränderungen in Pforta erzählen. Auch von den Ferien. Bis dahin lebe recht wohl! Liebe Mamma! Ich freue mich doch sehr, daß du wieder dabist!

D[ein] FWNietzsche


Viele Grüße an die liebe Lisbeth und den Onkel!


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BVN-1860,47

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 20. August 1860]


Liebe Mamma!

Das war doch gestern Nachmittag sehr hübsch und angenehm. Wir haben uns doch wieder viel erzählt, da wir doch uns so lange nicht gesehen hatten. Nun ich freue mich sehr auf den Dienstag, wo ihr jedenfalls doch heraus kommt. —
     Etwas Trauriges hatte ich gestern mitzutheilen vergessen, daß nämlich ein Alumnus Hentschel aus Weißenfels in den Ferien erkrankt und am Nervenfieber gestorben ist. Zum Begräbniß sind viele nach Weißenfels gereist. Es wurde auch in Pforta ein feierliches Ecce gehalten. —
     Ich sende heute eine ganze Kiste voll Wäsche nebst den Stiefeln. Mir fehlt aber auch alle Wäsche, was soll ich denn zum Bergtag anfangen? Vorhemdchen, Handtücher und Hemden brauche ich recht nöthig. Sende mir dies doch recht bald!
     Mehr kann ich nicht schreiben. Es ist 5 ¼ Uhr noch recht düster. Ich freue mich doch so sehr, daß ihr nun wieder da seid. Grüße Lisbeth und Tante und Onkel viele, viele mal von mir!

In Hoffnung auf Dienstag!

Dein FWNietzsche


     N.B. Ich werde und muß dir nächstens viele von den Kleidungsstücken schicken, da überall zerissen ist, Knöpfe fehlen — —


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BVN-1860,48

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte, d. 23. 8. [1860]


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 Srg zum Bergtag.


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BVN-1860,49

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 31. 8. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. für das Goethedenkmal.


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BVN-1860,50

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 31. August 1860]


Liebe Mamma!

Heute muß ich doch wieder die Kiste zurück schicken und da darf doch ein Briefchen nicht fehlen Wie geht es Euch denn? Seid ihr vorigen Mittwoch glücklich nach Naumburg gekommen? Unsre Abiturienten sind alle durch, das Examen soll glänzend gewesen sein. Ich habe heute schon viel an den Onkel gedacht und wünsche ihm sehr viel Glück; denn mit so einem Examen ist es doch ein wichtig und gefährlich Ding. Nun, ich denke, es wird alles glücklich zu Ende gehn. Kommt der Onkel Sonntag mit nach Almrich? — Ich sende euch heute etwas Wäsche; das in graues Papier eingeschlagne besorge ja noch heute (Freitag) an Wilhelm; ich habe es ihm ganz fest versprochen. — Die Birnen von neulich haben mir ausgezeichnet geschmeckt und trefflich gemundet. Ich danke noch vielemal dafür. Ich bin fast darauf gekommen, statt mein Geld bei der Hitschken zu verthun, es lieber nach Naumburg zu schicken und dafür Birnen in der Kiste zu erhalten. — Grüße die liebe Lisbeth, Tante und Onkel vielemal von mir! Ist die Tante aus Plauen noch nicht angekommen? Für nächsten Sonntag fehlt mir wieder die Wäsche. Schickst du mir morgen, bitte, so sende mir ein Glas mit und schreib, wohin ich kommen soll.

Lebt recht wohl!

D[ein] FWNietzsche


Will Wilhelm nicht nächsten Sonntag mit nach Almrich kommen? Ich habe ihm etwas zu sagen.


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BVN-1860,51

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 3. September 1860]


Liebe Mamma!

Da ich heute die Kiste nach Naumburg schicke, will ich doch noch gern ein kleines Briefchen beifügen. Wenns gestern auch sehr kurz war, so wars doch recht hübsch, daß wir uns einmal wieder sahen. Heute fängt nun die Examenwoche an. Ich wünsche mir viel Glück dazu. — Das Geld habe ich zum Aufheben übergeben. — Der Onkel Oskar war gestern Nachmittag noch hier; es hat mich sehr gefreut. Grüße ihn vielemal von mir. Ich will gleich noch die Bücher aufschreiben, die ich für die nächste Klasse brauche. Homerlexikon von Krusius. Der Livius. Die Brief [Briefe] Ciceros von Süpfle. Der Leloup. Gesenius, hebräische Grammatik nebst Lesebuch. Eine hebräische Bibel nebst hebräischen Lexicon. Ein griechisches Testament. Arrian.
     Sonst brauche ich noch ein Glas. — In drei Wochen sind ja nun meine dreitägigen Ferien. Ich freue mich sehr darauf. Denn wir haben uns die Hundstage doch nur wenig genossen. —
     Gestern Abend habe ich Prof. Buddensiegs besucht. Es war sehr hübsch dort. Vorige Woche war auch Extraneersatz, das habe ich dir wohl noch nicht erzählt. Wir alle bekamen da nebst den Extraneern im Coenakel gemeinschaftlich Kuchen. Nun, vielleicht schickst du mir auch wieder etwas Kuchen, wenn mein Examen zu Ende ist, wie voriges Jahr. Nun lebe recht wohl, meine liebe Mamma, schreib mir recht bald, schicke mir Wäsche und wünsche mir Glück zu den bevorstehenden Examentagen! Viele, viele Grüße an Lisbeth und den Onkel!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,52

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 5. 9. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1860,53

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta d. 7. 9. 60.


Nietzsche bittet um die Erlaubniß, sich ein Buch w[eißes] Papier anschaffen zu dürfen. Ebenso einen Bleistift.


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BVN-1860,54

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta d. 12. 9. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 16 ½ Srg. für Klaviermiethe.


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BVN-1860,55

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 19. 9. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1860,56

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 21. 9. 60.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 20 Srg. für Kleiderreinigen gebeten.

FW Nietzsche.


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BVN-1860,57

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. 21. 9. 60


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1860,58

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta d. 25. 9. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 10 Srg. Feriengeld.


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BVN-1860,59

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta d. 26. 9. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um die Erlaubniß, sich ein Buch w[eißes] Papier anschaffen zu dürfen.


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BVN-1860,60

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 1. Oktober 1860]


Liebe Mamma!

Ein paar Zeilen muß ich doch heute morgen mit Schirm und Shawl hereinsenden, um euch zu benachrichtigen, daß ich gestern Abend ganz gut zu Hauße gekommen bin obgleich es kalt und naß und schmutzig war. Die kurze Zeit haben wir doch sehr lustig verlebt und viel gelacht. Ich danke noch viele mal für alles, womit ihr mich erfreut habt. Etwas hast Du mir doch vergessen mitzugeben, nämlich die 5 Srg. für den Aufwärter nebst den Namen auf die Decke. Bitte sende mir beides mit der Wäschekiste, die du mir ja in diesen Tagen senden wolltest. Es war diese Nacht recht kalt; ich habe trotz Schlafrock und Decke gefroren. Da war’s doch vorige Nacht angenehmer. Nun lebt recht wohl! Sonst habe ich euch nichts mehr zu erzählen Nochmals meinen größten Dank. Viele Grüsse an Lisbeth und Onkel!

Dein FWNietzsche


Streichhölzer, Stahlfedern, Siegellack.


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BVN-1860,61

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 3. 10. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg zum Spaziergang.


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BVN-1860,62

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 5. 10. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. Ballgeld.


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BVN-1860,63

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 5. 10. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. Schemageld.


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BVN-1860,64

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Oktober 1860]


Liebe Mamma!

Deinem Wunsche gemäß schreibe ich jetzt, da ich eben deine Kiste und die beiden Briefe Lisbeths (erhalten habe). Danke noch viele mal für alles, was du mir geschickt hast. Das Diarium ist mir fast zu gut; ich weiß noch nicht, ob ich’s dazu verwenden soll oder ob nicht zu etwas bessern. Daß wir uns morgen nicht sehen können, thut mir sehr leid; wollen uns aber nächste Woche um so mehr schreiben, wenn wir nicht zusammen kommen können. Morgen bin ich früh von 7—9, ½ 11—12, ½ 1—½ 2 (5—7) zu sprechen. Von den letzten Stunden weiß ichs nicht genau. — Sehr gefreut habe ich mich, daß der Onkel Oskar da ist; das freut mich um so mehr, da ich so vielleicht den Onkel bald wieder sehen kann. — Schmutzige Wäsche kann ich nicht heute schicken, weil ich noch keine habe. Aber Montag sicherlich. Nun lebe wohl liebe Mamma! Grüße Lisbeth und Onkel viele mal von mir!

D[ein] FWNietzsche.


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BVN-1860,65

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 18. 10. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum 18ten October.


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BVN-1860,66

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 20. Oktober 1860]


Liebe Mamma!

Du kannst dir wohl denken, liebe Mamma, daß es mir vorigen Donnerstag sehr leid that, nicht nach Naumburg kommen zu können; aber die lange Rede des Hr Prof. Steinhard, das verzögernde Essen hielt mich so auf, daß ich nicht mehr zwei Stunden hatte. Ich glaubte, ihr würdet vielleicht den Vormittag zum Festaktus herauskommen; Braune der zweite trug ein eignes Gedicht vor, wie ich dir wohl schon erzählt habe. die Festrede des Prof. Steinhard über Stein war wunderschön. —
     Dann danke ich dir viele mal, daß du mir den Kuchen auf meinen Wunsch sogleich heraus geschickt hast. Er hat wunderschön geschmeckt; ich habe redlich davon mitgetheilt. Auch die Birnen waren wunderschön schmackhaft und saftig. — Den Abend waren wir auf dem Berg, wo viel Feuerwerk abgebrannt wurde. — Morgen Sonntag sehen wir uns doch jedenfalls bei guten Wetter in Almrich. Schenk will auch mitkommen. —
     Wir sind jetzt immer sehr geschäftig und haben viel, sehr viel zu thun. Ist Lisbeths schönes Geschenk, auf das ich mich noch sehr freue, angekommen? Das ist überhaupt sehr hübsch bei meinem Geburtstag, daß ich immer noch etwas zu erwarten habe. —
     An Wilhelm und Gustav habe ich auch geschrieben. Du bist wohl so gütig und besorgst den Brief dahin. —
     Nun leb wohl, liebe Mamma! Grüße die liebe Lisbeth vielemal von mir! Morgen also auf Wiedersehn!

Dein FWNietzsche


N B Streichhölzchen und Vorhemdchen fehlen mir.


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BVN-1860,67

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. d. 23. 10. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 Srg zum Weinführen.


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BVN-1860,68

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 3. November 1860]


Liebe Mamma!

Ich schicke dir heute die Hosen und etwas schmutzige Wäsche. Aber ich brauche jetzt wieder meherlei: Bettüberzug, Handtücher, Taschentücher. Dann mein Messer, das sehr des Schleifern und der Reinigung bedarf. Auch vielleicht eine Tafel Chocolade für die Milch, die sich immer noch nicht in Kaffee umwandeln will. — Auch Streichhölzchen fehlen mir. — Wir haben immer sehr viel zu thun und ich habe gar keine Zeit zu längeren Briefschreiben. Ich freue mich sehr auf nächsten Sonntag, wo wir uns hoffentlich, auf den Saalhäußern sehen. Mein Spaziergang dauert von ¼ 3—¼ 5, so daß ich also ½ 3 etwa oben bin.
     Soviel hatte ich heute Morgen geschrieben; jetzt nun habe ich Deine Kiste und den Brief erhalten; ich danke vielemal dafür auch für die schönen Birnen. Etwas aber, was ich sehr nothwendig brauche, nemlich ein paar Hosenträger bringst du mir hoffentlich auf die Saalhäußer mit. Nun lebe recht wohl, Sonntag auf glückliches Wiedersehn!

Dein FritzN.


Grüße Lisbeth von mir!

     Schenk geht es viel besser, er hat heute Sonnabend schon aufstehen wollen, aber der Dr. hat es ihm nicht erlaubt. —


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BVN-1860,69

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 10. November 1860]


Liebe Mamma!

Eben wollte ich dir schreiben, da empfange ich deinen Brief und höre, daß ich nicht morgen nach Naumburg kommen kann. Das thut mir nun zwar sehr leid, da ich mich sehr drauf gefreut hatte; aber freilich geht es nicht anders. Ich hatte auch gehofft, daß heute am Martinstag Spaziergang bis 3 sein würde; aber auch diese Hoffnung ist fehlgeschlagen, so daß wir uns wohl auf Sonntag über 8 Tage vertrösten müssen. Man kommt jetzt aus dem beständigen Arbeiten gar nicht heraus; aber doch befinde ich mich dabei ganz wohl, wenn nur alles gut geht. Ich habe mich auch immer bei Herüberkommenden über Schenk erkundigt, ihn auch heute besucht. Es geht ihm viel besser; er ist seit mehern Tagen aus dem Bett, langweilt sich aber schrecklich. Mittwoch denkt er vielleicht wieder herüber zu kommen. …. Die Noten und den Brief besorge doch, ich bitte dich an meine Freunde, und ich bitte dich, sobald wie möglich.
     Mein Messer folgt auch, von dem ich dir schon früher schrieb.
     Grüße Lisbeth vielemal von mir, auch in Merseburg alle lieben Verwandten die du dort siehst.

Dein FWNietzsche.


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BVN-1860,70

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 24. November 1860]


Liebe Mamma!

Dein Brief und Deine Kiste hat mir viel Freude gemacht; auch für die Äpfel danke ich vielemal. Wie leid thut es mir, daß wir uns morgen zum Todtenfest, wo wir doch so gern zusammen sein möchten, nicht sehen können. Und so müssen wir uns auf nächsten Sonntag getrösten, wo ich euch dann in Almrich mit Schenk treffen werde. Er ist noch nicht von der Krankenstube, wie überhaupt der H. Doktor die Reconvalescenten immer etwas lang drüben behält. Uebrigens darfst du ja nicht denken, daß ich so ganz beliebig, wenn ich Zeit habe, herüber gehen kann. Da muß ich erst allemal mir einen Zettel vom Hebdomodar [Hebdomadar] unterschreiben lassen die Krankenstube ist ohnedem nur alle Tage von 1—½ 2 Mittag offen. Und wie wenig Zeit habe ich gerade zu dieser Zeit! Doch habe ich ihn im Schulhaus, in das er jetzt öfters auf kürz’re Zeit kommt, öfter gesprochen, ihn auch mit Büchern zum Lesen versehn. Was ich sonst noch thun soll, das weiß ich nicht; auch hab’ ich nicht die Zeit dazu. Nun sind es noch vier Wochen bis Weihnachten; ich freue mich schon sehr darauf, werde auch wohl nächstens meinen Wunschzettel senden. Das sind doch sicherlich die schönsten Tage des Jahres. — Wenn Du übrigens Nüsse für Weihnachten haben willst, so rathe ich dir zu den Saalhäusern, die wirklich sehr schön und billig (Schock 1 Srg) sind. — Es ist dort sonst nichts mehr los; weder Weintrauben noch trin]k]barer Most ist vorhanden. —
     Daß ihr euch alle wohlbefindet, ist mir sehr lieb; ich habe die ganze Woche sehr auf einen Brief gewartet. Nun leb recht wohl; grüße Lisbeth vielemal von mir! Ich habe sie auch so lange nicht gesehn! —

Dein FWNietzsche.


     Wenn übrigens morgen noch Spaziergang sein sollte, so erwartet mich nur!
     Mit den Brief an Onkel Edmund wollen wir doch bis Weihnachten warten Ich hab so viel zu thun!

Sonnabend.

     Zu meiner Freude ist Schenk heute ganz von der Krankenstube gekommen


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BVN-1860,71

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 25. November 1860]


Liebe Mamma!

Heute am lieben Todtenfeste habe ich mehr als sonst an euch gedacht und gewünscht mit euch zusammen dieses Fest zu feiern. Für deinen lieben Brief danke ich dir vielmal; er war so ganz aus meiner Seele geschrieben und erinnerte mich so lebhaft an unsre lieben Todten. Gestern um 6 Uhr beim Läuten der Glocken dachte ich sehr an euch und die Stunden, die wir in frühern Jahren zusammen verlebt haben. Den Abend wurde das Ecce gesungen und der Lebenslauf der gestorbenen frühern Pförtner vorgelesen. Darunter war auch der Medizinalrath Stapff, dessen sehr lobend gedacht wurde. die Feierlichkeit beschloß dann Prof. Buchbinder mit einer Rede. —
     Wir haben uns doch unendliche Zeit nicht gesehn; nun ich hoffe sehr auf nächsten Sonntag, wo Schenk und ich nach Almrich kommen werden. Er ist wieder völlig gesund, er scheint sich aber in Pforta nicht wohl zu befinden, vielleicht auch, weil er noch etwas zu sehr an der Pflegung seines Magens hängt. So wenigstens scheint es mir. Ich sende auch meine Wäsche wieder hinein. Ich habe sehr viel zu thun und komme aus den Arbeiten nicht heraus. Wenn nur erst die schönen Weihnachtstage da wären, auf die ich mich so sehr freue! Grüße Lisbeth vielemal von mir. Ich habe sie so lang nicht gesehn.

D[ein] FWNietzsche.


Meine Hosen folgen.


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BVN-1860,72

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende November 1860]


Liebe Mamma!

Heute nur einen Gruß, liebe Mamma! Ich freue mich sehr, daß du wieder angekommen bist, möchte dir auch gern länger schreiben, hab’ aber so viel zu thun. Ich brauche noch ein Vorhemdchen zu Sonntag; denn das andre ist den Donnerstag auf den Berge schmutzig geworden. Bitte sende mir das noch! Grüße Lisbeth viele mal von mir!

Dein FWNietzsche


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BVN-1860,73

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 1. Dezember 1860]


Liebe Mamma!

Heute wieder nur wenige Worte, da ich hoffe, wir werden uns morgen länger sprechen. Ich bin ½ 3 in Almrich. —
     Vielen Dank daß du mir gleich die Wäsche besorgt hast, auch für die schönen Birnen. Ich sende die Kiste gleich wieder und darin die zerrissnen Hosen nebst Weste ohne Schnalle. Vielleicht mach[s]t du mir beides noch bis morgen zurecht. Grüße Lisbeth vielemal von mir! Leb recht wohl!

D[ein] FWNietzsche


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BVN-1860,74

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta 3. 12. 60.


Nietzsche bittet gehorsamst um 24 ½ Srg für Klaviermiethe.


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BVN-1860,75

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 3. Dezember 1860]


Liebe Mamma!

Unser Zusammentreffen hat mir gestern sehr gefallen; es ist doch viel gemüthlicher, wenn niemand mit ist. Wir können uns doch viel mehr genießen. Ich bin ganz glücklich und zur rechten Zeit nach Pforta gekommen, aber über und über schmutzig.
     Meine Kiste folgt heute mit schmutziger Wäsche; ich habe dir übrigens gestern zu sagen vergessen, daß du mir diesmal gar keine Vorhemdchen mitgesandt hast. Was ich anhabe, ist ganz schmutzig; du wirst es wohl gestern bemerkt haben. Bitte sende mir recht bald welche nach!
     Ich wäre jetzt diese schöne Zeit in Erwartung von Weihnachten so sehr gern in Naumburg. Ich dachte heute daran, wie gemüthlich es doch ehemals war gerade auch diese Zeit. Donnerstag ist H. Niklas; so ein Fest vermißt man doch in Pforta sehr.
     Was übrigens meine Weihnachtswünsche anbetrifft, so will ich die hier gleich mittheilen. Es ist zweierlei.
     Sheakspeare’s dramatische Werke
          übersetzt von Meheren. Mit Stahlstichen.
     Hauschoralbuch, wie es der Onkel Edmund hat.
          Mit Anhang.
     Du wirst doch gewiß nicht leugnen, daß mir beides sehr nützlich sein wird. Denn einen Sheakspeare muß ich nun einmal haben, da seine Kenntniß zur allgemeinen Bildung gehört und wir sehr oft in den höhern Klassen Themata über einzelne Stücke bekommen. Wie schön und nützlich der andre Wunsch ist, wirst du daraus erkennen, daß mir bis jetzt ein solches Choralbuch, wo alle Choräle in ursprünglicher Form sind, gänzlich fehlt. Ueber dies brauche ich es auch nothwendig zu einem andern Behufe, den ich dir aber jetzt noch nicht enthüllen kann. Nun, ich hoffe, daß der Weihnachtsmann gnädig sein wird. In dieser guten Hoffnung verbleibe

ich mit vielen Grüßen an Lisbeth
Dein FWNietzsche


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BVN-1860,76

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

[Pforta,] 14. 12. [1860]


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BVN-1860,77

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Dezember 1860]


Liebe Mamma!

Nachdem wir uns wieder so lange nicht gesehen haben, muß ich heute doch einmal wieder die Feder ergreifen. Zuerst nun meinen herzlichsten Dank für diese Ruprechtüberraschung; es hat mir alles ausgezeichnet gemundet und ich habe mich lebhaft an die Stunden erinnert, die wir früher an diesem Tage zusammen verlebt haben. —
     Dann wollte ich auch vermelden, daß jetzt unser zweites Frühstück eingeführt ist, bestehend in zwei Neckchen, die aber sehr die Butter vermissen lassen. —
     Es hat mich sehr gefreut, daß ich den Onkel Oskar Sonntag längre Zeit sah; er scheint sich sehr wohl zu befinden und schilderte mir das Studentenleben mit den angenehmsten Farben. Die beiden andern scheinen mir auch sehr freundlich zu sein, sie waren ganz gemüthlich. Doch that es mir leid, daß du nicht da warst, insbesondre auch für Schenk, der sich gewiß sehr gelangweilt hat. —
     Sonst wüßte ich nichts, was dich interessiren könnte. Schreib mir recht bald einmal! Grüße Lisbeth vielemal von mir!

D[ein] FW N.


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BVN-1860,78

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 19. Dezember 1860]

Liebe Mamma!

Heute blos einige Worte, da wir uns ja bald zu sehen hoffen. Es folgt alle noch übrige Wäsche, außer ein paar Schnupftüchern eine Serviette und Handtuch. Dann noch einige Bücher und der Ueberzieher, Schlittschuh und Handschuh, alles auf die Ferien berechnet. Ich freue mich ungemein auf die schönen Weihnachtstage. Nur noch 3 Tage, dann bin ich bei euch. Da wollen wir vergnügte Tage miteinander verleben. Nun, ich habe aber noch sehr viel zu senden, ich weiß kaum, ob alles in die Kiste gehen wird. Bitte sende sie mir morgen gleich wieder. Was etwa nicht hineingehen sollte, werde ich in der Tasche mitbringen Es war vorigen Sonntag in Almrich sehr angenehm, wir haben uns doch wieder längre Zeit sehr hübsch gesprochen. Jetzt haben wir immer noch viel zu thun, auch in den Ferien muß ich so mancherlei vornehmen. Lebe recht wohl, grüße Lisbeth viele mal von mir. Bitte, macht, wenn ich euch die Kiste Donnerstag zum letzten Mal sende, sie nicht auf sondern wartet bis ich komme damit ich gleich meine vielen Noten und Papiere in Ordnung ringe und mir nichts verloren geht. Viele Grüße an Lisbeth!

Auf Hoffnung!

FWNietzsche


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BVN-1860,79

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 20. 12. 60.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 20 Srg. für Kleiderreinigen gebeten.

FW. Nietzsche.


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de/nietzsche/briefe/1860/1860.txt · Last modified: 2017/02/11 09:09 by babrak