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de:nietzsche:briefe:1860:bvn-1860_2

BVN-1860,2

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 13. Januar 1860]


Meine liebe Tante!

Wie gern möchte ich heute an Deinem Geburtstage zugegen sein und dir meine Wünsche bringen! Aber die Krankenstube, die ich immer noch mit meinem Besuch beehre, hindert mich daran.
     Der liebe Gott möge auch in diesem Jahre stets mit dir sein und dich mit himmlischen und irdischen Gütern aufs reichlichste segnen! Er beschütze dich gnädig vor Krankheit und andern Unfällen und lasse dich noch recht viele Jahre erleben! Mir aber bewahre Deine Liebe auch fernerhin — denn auch ich bin sehr oft in Gedanken bei dir und erinnere mich der schönen Stunden, die ich bei dir verlebt habe. — Ich hätt [hätte] dich so gern diesen Sonntag besucht; aber ich fürchte daß mein Unwohlsein mir dies nicht erlauben wird. — Vor allen aber entschuldige, daß mein Brief nicht zu rechten Zeit angekommen sein wird. Daran ist aber der Briefbote schuldig, der mir der Mamma Brief zu spät ablieferte.
     Mein Husten ist nur noch selten, aber der Hr. Doktor gestattet mir doch nicht, herüberzukommen, besonders da es jetzt wieder kälter geworden ist. Das Leben ist furchtbar langweilig wie Du dir wohl denken kannst. Ich bin nur froh, daß nichts schlimmes daraus geworden ist, wie es am Anfang den Anschein nahm. — Aber ich muß leider schließen, da Hitzschke bald fortgeht und ich den Brief noch an ihm besorgen muß. Drum lebe recht wohl, meine liebe Tante, der liebe Gott erhöre alle meine Wünsche und gebe dir ein schönes neues Jahr.

Dein
Dich innig liebender
FWNietzsche.


Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches

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de/nietzsche/briefe/1860/bvn-1860_2.txt · Last modified: 2015/09/02 18:23 (external edit)