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1861

Inhalt

BVN-1861,1

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, zweite Januarwoche 1861]


Ich habe deinen lieben Brief und die Kiste richtig wenn auch etwas spät, erhalten. Hast du denn schon an Hr. Insp. Niese geschrieben? Alle andern hatten Briefe aus den Ferien mitgebracht; also bitte, schreib sobald es dir irgend möglich ist. — Es ist jetzt eine recht kalte winterliche Zeit; ich denke immer noch häufig an die schönen Ferien und die angenehmen Stunden, die wir verlebt haben. Meine Stolle und meine Aepfel sind leider alle. — Wir wollen uns jetzt in unsrer Stube Zeitungen halten und zwar der Billigkeit halber den hallischen Courir. — Daß wir uns vorigen Montag nicht gesehn haben, that mir sehr leid; ich hatte aber Klavierstunde und als ich es darnach erfuhr, wart ihr schon wieder fort. Ist denn der Onkel Edmund und Tante Ida dagewesen? — Ich schicke heute die Kiste mit Wäsche und soweiter. Bitte sende sie mir doch Sonnabend wieder mit Wäsche und anderm. Hast du den Kofferschlüssel, Koffer und Brief erhalten? Wie geht es dennLisbeth mit ihrem Fuß? Besucht sie schon wieder die Schule? — Schreib mir doch auch, wo wir uns nächsten Sonntag sehen? Wenn die Kälte nicht allzu groß ist, hoffentlich in Almrich. Grüße Lisbeth viele mal, liebe Mamma! Lebt recht wohl!

Dein FWNietzsche.


     NB. Dies hätte ich gestern geschrieben, liebe Mamma. Nun kamst du aber gestern mit deinem lieben Besuch selbst; es hat mich ungemein gefreut. Wenn es nur etwas länger gewesen wäre! Schreib mir ja noch, wo wir uns Sonntag sehen. (Spaziergang von ¼ 3—¼ 45.) Vielleicht sendest du mir auch wieder eine Portion Äpfel, damit ich doch in meinem Schrank etwas vorräthig habe.

Dein FWN.


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BVN-1861,2

An Gustav Krug und Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 14. Januar 1861]


Liebe Freunde.

Nun sind die schönen Tage schon wieder vorüber, wo wir uns länger und häufiger sprechen konnten, vorüber die Zeiten, die in der Erwartung so hoffnungsvoll, in der Erinnerung so trostreich sind. Um nun sowohl meinem gegebnen Versprechen zu genügen, als auch um wieder einmal mich gemüthlich mit euch wenn auch nicht persönlich so doch im Geiste zu unterhalten, schicke ich mich jetzt an einige Worte an euch zu richten, weniger über das, was ich erlebt, genossen, gehört, gesehen, als über einige Ideen, deren wir ja schon in den jüngst verfloss’nen Stunden so viel gegenseitig austauschten. Denn was sollte ich von meinem jetzigen Leben berichten? Daß wir viel zu thun haben? Daß die Arbeit noch durch Feriengedanken gestört wird? Daß die Zeit für Lieblingsbeschäftigungen gering, ach leider! zu gering ist? Das habt ihr ja alles schon selbst erfahren und erfahrt es noch. Weßhalb sollte ich da noch euren Mißmuth vergrößern? Fürwahr, es ist doch viel angenehmer aus dem tyrannischen Reich, des Zwangs, in die Gebiete des freien Willens zu flüchten. Ohne weitere Umschweife will ich deßhalb mich zu den Stoff wenden, der jetzt eure Aufmerksamkeit kurze Zeit fesseln möge. Und dieser Stoff betrifft die Umgestaltung des Oratorium. Wenn man bis jetzt immer geglaubt hat, das Oratorium nehme in der geistlichen Musik dieselbe Stelle ein, die die Oper in der weltlichen, so scheint mir dies unrichtig, ja eine Herabsetzung zu sein. An und für sich ist schon das Oratorium großartig einfacher, ja so muß es als erhebende und zwar streng religiös erhebende Musik sein. So verschmäht das Oratorium alle andern Mittel, deren sich die Oper zur Wirkung bedient; es kann von niemand für etwas Begleitendes wie die Opernmusik doch für die Menge noch ist, gehalten werden. Kein andrer Sinn wird hier erregt außer dem Gehör. Auch ist der Stoff unendlich einfacher und erhabener, ja großenteils ist er bekannt und allen, auch dem Ungebildeten ohne Mühe verständlich. Deßhalb, glaube ich, steht das Oratorium in seiner Musikgattung höher, als die Oper, indem es also in den Mitteln einfacher, in den Wirkungen unmittelbarer ist und seiner Verbreitung nach wenigstens allgemeiner sein sollte. Wenn letzteres nicht so ist, so muß man die Ursachen nicht in der Musikgattung selbst, sondern theils in der Behandlung theils in dem geringen Ernst unsrer Zeit suchen. Was die Behandlung nun anbetrifft, so ist diese erstens zu compliziert und läßt noch den Mangel an Einheit empfinden. Wie kann ein Tonwerk, in eine Menge kleiner unzusammenhängende Theile zerspalten einen einigen und vorzüglich einen heiligen Eindruck machen! Deßhalb halte ich dafür, daß das Ganze nur in wenige aber größere Theile zerfallen, die sich dem Gang der Ereignisse anschließen und einen durchgängig einigen Charakter tragen. Zweitens liegt ein Nachtheil in der viel zu künstlichen, altvaterischen Behandlungsweise, die mehr in die Studirstube paßt, als in unsre Kirchen und Säle und die dem Ungebildeten in der Musik das Verständniß erschwert, ja unmöglich macht. Nun ist zwar richtig: Ein solches Werk kann und soll nicht bei einmaliger Anhörung durchdacht und auserkannt, sondern empfunden werden. Und daß eine Fuge auch von Ungebildeten empfunden werden kann, wird Niemand leugnen, besonders wenn sie knapp und kräftig ist und nicht durch unzählige Takte, mißlautend und langweilig durchgeführt wird. Der Hauptgrund aber, daß das Oratorium zu wenig populär, ist wohl darin zu suchen, daß die Musik oft zu unheilig mit Weltlichen gemischt ist. Und das ist das Haupterforderniß, daß sie in allen Theilen das Heilige, Göttliche auf der Stirn trägt. Also muß ein jedes Oratorium diesen drei Forderungen genügen, nämlich überall einen einigen zusammenhängenden Charakter zeigen, dann tief zu Gemüth dringen und endlich stets streng religiös und erhebend sein. Dazu tritt nun noch ein Erforderniß, das aber wirklich nothwendig und unumgänglich ist. Ich meine nämlich die Ausstoßung des Recitativ und einen entsprechenden Ersatz. Es läßt sich nun einmal eine rein unpoetische Erzählung schlechterdings nicht absingen, ohne einen störenden und trennenden Eindruck hervorzubringen. Als entsprechender Ersatz läßt sich auch so eigentlich kein andres Musikstück erdenken. “Wenn die Erzählung aber unumgänglich nothwendig ist, so müßten nach meiner Meinung die Worte zu der begleitenden Musik gesprochen werden. So träte dann ein neues Element nämlich das melodramatische zu dem Oratorium. Sonst muß aber so viel nur irgend möglich ist alles Unsingbare vermieden werden und lieber die etwa fehlenden Zwischenglieder, die sich bei bekannten Erzählungen der Zuhörer so leicht ergänzen kann, durch musikalische Zwischensätze von ähnlichen Charakter als die Erzählung ausgefüllt werden. —
     Da ich hoffe, in den nächsten Briefen meine weitern Gedanken darüber gegen euch auszusprechen, und mich meine Zeit drängt, muß ich jetzt wohl schließen. Sind denn die Noten angekommen? Ich bin sehr gespannt darauf. Nächstens werden wir ja uns auch gegenseitig unsre Januarsendungen schicken, von Wilhelm empfange ich vielleicht auch noch eine verspätete Dezemberlieferung. Schreibt mir doch recht bald einmal: ich sehne mich so nach einem Brief, da ich so abgeschlossen und getrennt von euch bin. Sonst wünsche ich, daß es euch immer recht wohl geht und ihr auch mitunter an euren Freund in Pforta denkt.

Semper nostra mane[t amicitia!]

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BVN-1861,3

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 14. Januar 1861]


Liebe Mamma.

Es that mir gestern doch sehr leid, daß wir uns nicht sahen, wenn ich auch der Tante Rosalie gratuliert und die Tanten besucht habe. Ich hatte so sicher und bestimmt darauf gerechnet, und mich darauf gefreut. Denn wir haben uns schon vorigen Sonntag nicht gesehen und euer Aufenthalt in Pforta war doch all zu kurz. Den dritten Februar, den Tag nach Deinen Geburtstag mach mich doch ja recht lange los und schick mir einen Brief heraus. Den Tag selbst kann ich doch nicht los kommen. — Ich habe der Tante meine Brille übergeben. Es muß etwas dran angelöthet werden. — Der Ausschlafetag fällt auf den Dienstag; vielleicht, daß Bartheis nachfragen läßt. — die Kiste mit Brief, Wäsche und Aepfel habe ich richtig empfangen; ich danke für alles vielemal. — Ich sende euch heute einen Brief an meine Freunde mit. Bitte, besorge ihn doch richtig, liebe Mamma! — Wie geht es euch denn? Schreibt mir doch ein mal recht ausführlich. Nächsten Sonntag wollen wir uns aber doch ja in Almrich treffen; der Weg in dem Schnee, besonders bei so schlechter Bahn zwischen Pforta und Almrich ist allzu ermüdend. Noch ein[e] Bitte: da jetzt zu einem Geschenk für Hr. Prof. Korsen, dessen Geburtstag nächstens ist, gesammelt wird dann aber auch für den Gustav Adolphverein gesammelt wird, so brauche ich jetzt nothwendig 5 Srg. besonders da ich den ganzen Thaler nicht anreißen mag. Du sendest mir dies vielleicht in der nächsten Kiste eingewickelt; es wäre mir ein großer Gefalle. Nun lebe recht wohl liebe Mamma, viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWNietzsche.


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BVN-1861,4

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Januar 1861]


Liebe Mamma!

Ich habe Deinen lieben Brief erhalten und danke dir viele mal dafür. Den Brief an Schenk habe ich abgegeben. — Nächsten Sonntag sehen wir uns also in Almrich wie du mir schreibst. — Ich befinde mich diese Tage recht unwohl, weiß aber nicht, woher es kommt. Ich habe beständige Kopfschmerzen; der ganze Kopf ist mir davon eingenommen; dann thut mir der Hals weh bei jeder Bewegung ebenso die Kehle wenn ich athme. Die ganzen zwei Nächte habe ich garnicht geschlafen, sondern fror und schwitzte abwechselnd. Ich komme gar nicht recht zu Besinnung, es ist um mich alles wie ein Traum. Ich denke aber, wenn ich gar nichts dagegen thue, wird es recht bald wieder besser werden. Auf die Krankenstube gehe ich auf keinen Fall. Wenn es Sonntag noch schlimmer sein sollte, so gehen wir zusammen nach Naumburg und ich bleibe dann dort. Appetit habe ich gar nicht; doch esse ich wie gewöhnlich; denn wenn ich meine gewöhnliche Lebensweise fortsetze, wird es schon bald sich bessern. Macht euch nur ja keine Angst darum; Sonntag ist hoffentlich alles vorüber. Sende mir morgen doch ja die Kiste. Viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWNietzsche.


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BVN-1861,5

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 26. Januar 1861]


Liebe Mamma!

Ich bin heute doch noch auf die Krankenstube gegangen, da ich drüben nichts anfangen und nichts arbeiten kann. So können wir uns also morgen nicht sehn; das thut mir sehr leid, da wir uns so lange nicht gesehen haben. Es ist hier auf der Krankenstube ziemlich voll, 8 noch außer mir; langweilig wird’s wohl auch werden. Vor allen hoffe ich ganz in Kurzen wieder herübergehen zu können, damit ich nicht all zu viel versäume. Es werden jetzt auch von mir wenig Lektionen versäumt, da heute Sonnabend, morgen Sonntag und Montag Ausschlafetag ist. Es freut mich sehr, daß es euch wohl geht. Schenk hat auch geschrieben, um für deinen Brief zu danken, als auch um den Tod seiner andern Schwester anzuzeigen. Der arme Junge! — Schreibt mir doch recht bald einmal und sendet mir Wäsche, besonders Hemden, vielleicht auch ein Handtuch. Nun lebe recht wohl! Viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWNietzsche.


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BVN-1861,6

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte. 27. 1. 61.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um zwei Silbergroschen für 2 Portionen Zucker zur Arznei gebeten.

FW Nietzsche.


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BVN-1861,7

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, zweite Januarhälfte 1861]


Liebe Mamma!

Heute nur einige Worte, da ich nicht mehr viel Zeit habe und Schenk meinen Brief mitnehmen will. Es ist bedeutend besser, der Hals ist ohne Schmerz, in der Kehle nicht viel mehr, aber im Kopf häufig noch ziemliche Kopfschmerzen. Der Hr. Doktor hat mir Ruhe hauptsächlich vorgeschrieben und keine neue Arznei. Arbeiten kann ich immer noch nicht. Wenn Du mir etwas senden willst so schick mir gebratne Aepfel, die ich mir dann wärme. Ich esse sie ganz gern; der Hr. Dr. hat mir heute welche geschickt. Grüße Lisbeth viele mal von mir!

Dein Dich innig liebender

FWNietzsche


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BVN-1861,8

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta] Mittwoch 30 Januar. 1861


Liebe Mamma!

Ich dachte doch nun, daß mein Unwohlsein vorüber sein würde; aber seit gestern ist es im verstärkten Grade wiedergekommen. Die Kopfschmerzen sind wieder so heftig, daß ich gar nichts arbeiten kann. Ebenso thut mir der Hals wieder weh; auch der Schmerz im Kehlkopf ist wieder da. Ich habe die Nächte vor Schmerz nicht schlafen können. Mir ist höchst traurig zu Muthe. Prof. Buddensieg, der jetzt die Inspektion hat, rieht mir, den Hr. Dr. zu befragen. Das that ich denn auch und der Dr. sagte ich sollte auf die Krankenstube kommen. Das ist mir nun freilich sehr unangenehm, da ich kaum erst herüber bin. Aber es hilft doch nichts. Am meisten thut es mir leid, daß ich zu Deinem Geburtstag nun gewiß nicht kommen kann. — Wenn ich nur wüßte, woher das ganze herrühre. Was mir lieb ist, ist daß ein Schnupfen eingetreten ist. Ich denke, da kann es nicht lange anhalten. Nun lebe recht wohl, schreib mir doch ja einmal. Grüße Lisbeth vielemal! Wenn es dir möglich ist und der Weg besser, so besuche mich doch einmal. Sende mir doch ja die Kiste mit recht viel Wäsche.

Lebe recht wohl!

Dein FWNietzsche


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BVN-1861,9

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta 2. Februar 1861]


Liebe Mamma!

Einige Worte, liebe Mamma, muß ich dir doch heut schreiben; entschuldige aber im Voraus, wenn mein Brief sehr kurz und meine Schrift schlecht ist.
     Zuerst also meine innigsten Wünsche zu Deinem lieben Geburtstag. Möge der liebe Gott im ganzen Jahre mit dir sein und dich mit Segnungen überschütten. Möge er dir stete Gesundheit verleihn, daß du das neue Jahr im vollen Wohlbefinden verleben mögest. Wir aber wollen uns immer auch in dem neuen Jahre bemühn, uns in Wort und That dankbar zu bezeigen und dir deine große Liebe gegen uns zu lohnen. —
     Daß ich heute nicht in Naumburg sein kann, thut mir herzlich leid, aber ich liege noch immer im Bette und soll noch nicht aufstehn. Es geht aber viel besser; die Kopfschmerzen haben sehr nachgelassen; auch der Appetit ist besser, kurz, es ist doch sicher auf dem Weg der Besserung. die Bratäpfel haben mir ganz gut geschmeckt. Ich danke vielemal dafür; auch die Wäsche habe ich richtig bekommen. Hattest Du mir denn geschrieben? Ich habe den Brief nicht gefunden.
     Grüße Lisbeth viele mal von mir und verlebt den Tag in rechter Freude! Grüßt den Onkel Theobald viele mal! Nun lebe recht, recht wohl!

Dein dich innig liebender

FWN.


Mein Geburtstagsgedicht und eine kleine Composition sind noch nicht ganz vollendet; das thut mir sehr leid. Ich werde aber alles später vollenden. —


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BVN-1861,10

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang Februar 1861]


Liebe Mamma!

Wieder einige Zeilen, um dir über meinen Gesundheitszustand Nachricht zu geben. Ich darf jetzt aufstehn und bin schon Sonntag beinahe den ganzen Nachmittag aufgewesen. Ich mußte mich freilich erst wieder daran gewöhnen, da ich anfangs kaum herumgehn konnte. Jetzt aber geht es mir viel besser; es ist mir allerdings außerordentlich matt; Anstrengendes darf ich weder lesen noch schreiben, wenn ich nicht gleich Kopfschmerzen haben will; sonst geht es aber doch ganz leidlich. Zu Mittag bekomme ich auch etwas Fleisch wieder. Vielen Dank liebe Mamma, für das Eingemachte, das du mir durch Schenk übersandt hast. Es schmeckt sehr gut; ich esse aber immer wenig, um mir nicht zu schaden. Vielen Dank auch für alle, alle Grüße! Es freut mich sehr, daß ihr so schöne Tage verlebt habt. Wie schade, daß ich nicht mit dasein konnte! Nun lebe recht, recht wohl! Viele Grüße an Lisbeth und alle Andern!

Dein FWN.


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BVN-1861,11

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang Februar 1861]


Liebe Mamma!

Daß ich so lange nicht geschrieben habe, kommt bloß daher, daß ich bestimmt glaubte, dich in diesen Tagen persönlich in Pforta zu sehn. Das Wetter ist jetzt so wunderschön; bitte, besuch mich doch ja einmal, liebe Mamma! Deinen Brief habe ich richtig empfangen; ich danke dir vielemal dafür. Mir geht es jetzt doch viel besser; ich bin eigentlich ganz wohl, darf jeden Tag eine Stunde spazieren gehn und werde von den Kopfschmerzen nur selten heimgesucht. Ich werde aber den Dr. nicht wieder antreiben, sondern werde es ihm ganz überlassen. Vielleicht gehe ich aber morgen, vielleicht auch erst Sonntag herüber. Wie steht es denn liebe Mamma mit euren Fastnachtsbillets? Ich kann sie diesmal nicht besorgen. Willst du nicht auch deßwegen einmal heraus kommen? die Primaner spielen Julius Caesar und die komischen Scenen aus dem Sommernachtstraum. Die Obersecundaner zwei Lustspiele von Friedrich, deren Namen ich noch nicht kenne. —
     Nun lebe recht wohl liebe Mamma, ich schicke heute auch meine Kiste, allerdings ohne Wäsche.

Dein FWN.


Viele Grüße an Lisbeth!


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BVN-1861,12

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Februar 1861]


Liebe Mamma.

Auf deinen lieben Brief, der mir viel Freude gemacht hat will ich heute gleich dir schreiben. Daß dir der Caesar und die Scenen aus dem Sommernachtstraum mehr als die Obersecundanerstücke gefallen haben, ist sehr natürlich, da die Primaner auch bedeutend besser gespielt haben. — Meine Gesundheit hat sich auch gebessert, wenn auch die Kopfschmerzen gestern Nachmittag ziemlich heftig wiederkehrten. Ich schreibe dir Sonnabend sicherlich noch einmal, damit wir uns, wenn ich da herübergekommen bin, in Almrich sehen können. Lisbeth danke ich vielemal für ihren lieben Brief und ich verspreche recht bald zu antworten.— Wir haben auch hier unsre Pfannkuchen bekommen, den Dienstag zwei und heute wieder zwei. Sie haben mir sehr gut geschmeckt. Nun lebe recht wohl liebe Mamma! Ich will bald wieder schreiben. Viele Grüße!

D[ein] FWN.


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BVN-1861,13

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 16. Februar 1861]


Liebe Mamma!

Ich habe es nun wahrhaftig satt mit diesen Kopfschmerzen; es wird nicht besser und kommt immer wieder. die kleinste Anstrengung des Kopfes macht mir Schmerzen. Und dabei versäume ich eine Menge Lektionen, ohne etwas nacharbeiten zu können. Nun habe ich heute wieder hinter jedes Ohr eine spanische Fliege bekommen. Ich glaube nicht, daß es helfen wird. Wenn ich nur täglich viel spazieren gehn könnte! Sonst weiß ich nicht, wie’s gut werden soll. Ich habe schon dran gedacht, ob ich nicht lieber ein Paar Wochen in Naumburg zubringe und mich da durch Spazierengehn kurire. Bitte komme doch morgen (Sonntag) ja heraus; wir wollen einmal näher darüber sprechen. Hier auf der Krankenstube werden die Kopfschmerzen, glaube ich, nicht aufhören. —
     Hier sind übrigens komischer Weise die Röthein ausgebrochen; täglich kommen zwei oder drei herüber. Zusammen sind jetzt zehn krank. —
     Nun lebe recht wohl, liebe Mamma, bedenke alles und besuche mich doch ja! Viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWN.


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BVN-1861,14

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende Februar 1861]


Liebe Mamma!

So bin ich denn glücklich wieder in Pforta angelangt. Es war sehr hübsch, daß mich Wilhelm und Gustav begleiteten; wir haben uns sehr hübsch zusammen unterhalten. Heute morgen habe ich mich dem Hr. Dr. vorgestellt; heute Mittag will ich zu Prof. Buddensieg. — Meine Kopfschmerzen sind nur ein paar mal wiedergekehrt; es wird schon gehn. Ich habe freilich sehr viel nachzuholen. Schicke mir nur ja alles. Habe ich vielleicht sonst noch was zu Hause gelassen? — Grüße Lisbeth viel mal von mir!

Adieu!

     Es war doch sehr hübsch in Naumburg!
     — Ueber 4 Wochen bin ich längre Zeit wieder bei euch. Schreib mir doch ja vor Sonntag noch meheremale, damit wir ja nichts vergessen. —
     Mit dem Arbeiten will es heute Morgen noch nicht recht gehn, die Kopfschmerzen haben sich auch wieder eingestellt. Ich muß mich allmählich daran gewöhnen.
     Nun adieu! Liebe Mamma!

Dein FWN.


Braune I ist heute im Examen. Donnerstag will er zu euch kommen


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BVN-1861,15

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta 3. 3. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg zum Spaziergang.


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BVN-1861,16

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 5. März 1861]


Ich bin Sonntag ganz wohl bei nicht so großem Sturm, wie ich glaubte, vor 10 in Pforta angekommen, nachdem ich zuvor bei Mannsbachs durchaus noch eine Tasse Thee trinken mußte. Montag habe ich nun ordentlig gearbeitet, denn unsre Examenzeit hat nun angefangen. Wir haben das Thema, Jägerund Fischerleben zu behandeln; ich habe es früher schon einmal in Naumburg ausgearbeitet. Bitte, sendet mir ja morgen Mittag mein deutsches Arbeitsheft, es liegt im Bücherschrank im dritten oder zweiten Fache von unten herauf. Lisbeth wird es schon finden. — Wir haben doch den Sonntag sehr hübsch zusammen verlebt und wie lange wird’s dauern, da bin ich wieder bei euch. Wenn nur erst diese Examenwochen glücklich überstanden sind!
     Kannst du mir nicht ein paar Chocoladentafeln senden, damit ich wieder früh etwas Milch trinken kann? Sie ist jetzt sehr schlecht und da muß man so etwas haben; denn ganz nüchtern zu bleiben, wie ich jetzt eine längre Zeit gethan habe, ist gar nicht angenehm. Du würdest mir große Freude bereiten.
     Das Bild von meinen Freunden habe ich an der Wand angenagelt, ich freue mich immer, wenn ichs sehe! Wollt ihr euch nicht auch photographieren lassen?
     Hast du dann noch einmal nach dem Handtuch, Oe. nachgesehen? Heute folgt alle schmutzige Wäsche.
     Nun lebt recht wohl, Mamma und Lisbeth! Wünscht mir jetzt Glück zur Examenzeit! Denn da ich so gefehlt habe, habe ich doch viel versäumt. Mir graut etwas davor!

Adieu!

Euer FWNietzsche


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BVN-1861,17

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. 8. 3. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 22 ½ Srg für Klaviermiethe.


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BVN-1861,18

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte März 1861]


Liebe Mamma!

Es hat mir sehr leid gethan, daß ich in diesen Tagen dir wegen vieler Arbeiten nicht, habe schreiben können. Diese Zeit ist so mit Repetition angefüllt und außerdem muß ich, noch so vieles nachholen.
     Wie schön war es doch, daß ihr mit mir den heiligen und wichtigen Confirmationstag feiertet! Ich habe mit großer Rührung die schönen Briefe gelesen; ich gedenke auch, wenn ich wieder Zeit habe, hoffentlich noch vor den Ferien darauf zu antworten. — Der Brief an Prof. Buddensieg ist richtig besorgt. — die Photographie gefällt mir ganz gut, wenn auch die Stellung etwas bucklig, die Füße etwas krumm sind, und die Hand eine Art Kloß ist. An wen willst du sie alle verschenken? — Das Geld habe ich richtig empfangen; ich danke dir vielemal dafür. Schreib mir doch recht bald, da ich so gern eure Briefe lese, und wir uns Sonntag doch nicht sehen können. Viele Grüße an Lisbeth. Lebe recht wohl!

Dein FWN.


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BVN-1861,19

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta 20. 3. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich ein Buch Examenpapier anschaffen zu dürfen.


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BVN-1861,20

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta. 20. 3. 61.


Nietzsche bittet um 2 ½ Srg.zum Spaziergang.


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BVN-1861,21

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforta 24. 3. 61.


Herr Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 20 Srg. für Kleiderreinigen gebeten.

Nietzsche.


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BVN-1861,22

An Edmund Oebler in Gorenzen

[Pforta, Anfang April 1861]


Lieber Onkel.

Auch Du hast mich zu meiner Konfirmation mit so herzlichen Glückwünschen begleitet und mit so schönen Gaben beschenkt. Ich sage dir dafür meinen herzlichsten Dank. Dieser ernste und heilige Tag möge mir in meinen ganzen künftigen Leben immer vor der Seele schweben und mich an die feierlichen Gelöbnisse und Bekenntnisse erinnern, die ich damals abgelegt habe! Auch Deine schönen Bücher mögen dazu beitragen, das Gedächtniß an jene wichtigen Augenblicke zu erneuern. Den Hergang der feierlichen Handlung will ich dir mündlich einmal erzählen; denn ich hoffe sehr, daß wir uns nächste Hundstagsferien sehen, wenn auch nicht in Deinem lieben Gorenzen, so gern ich auch dort sein möchte, so doch auf einer gemeinsamen Reise nach Plauen, die Du, wie ich vom Onkel Theobald gehört habe, unternehmen willst. Ich befinde mich jetzt wieder in Pforta, nachdem ich die Ferien in Naumburg wohl verlebt habe. Ich bin jetzt Primus von Untersecunda, hoffe also, Michaeli mit nach Obersecunda zu kommen.
     Grüße die liebe Tante von mir herzlich und danke ihr in meinen Namen viele mal für das schöne und tiefe Buch. Auch die lieben Kinder grüße viele mal von dem Vetter Fritz. Frau Winter, der liebe Herr Kantor und wer sich sonst noch meiner erinnert, gleichfalls. Nun lebe recht wohl, lieber Onkel! Es dankt dir und denkt oft an Dich

Dein dich herzlich liebender

FWNietzsche


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BVN-1861,23

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang April 1861]


Liebe Mamma.

Es folgen heute vier Briefe, an Onkel Bernhard, Onkel Edmund, Großtante Balster und Hr. Pastor Schenk. Ueber die Form des Briefes an Ehrenbergs sage mir Morgen das nöthige, wo wir uns doch in Almrich treffen werden. Ich habe mich des mir empfohlenen Davis schon angenommen. Er ist in die erste Ordnung von Obertertia gekommen. Soll ich ihn nicht ein mal nach Almrich mitbringen? Mir fehlt noch außer den schon geschriebenen das hübsche Messer, Stiefeln, Waschlappen, Nähzeug und — mehr weiß ich augenblicklich nicht. Viele Grüße an Onkel und Ließe!

Adieu!

Dein FWNietzsche


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BVN-1861,24

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 6. 4. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, einen Schrank reinigen zu lassen.


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BVN-1861,25

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 6. 4. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg zum Spaziergang.


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BVN-1861,26

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 6. 4. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srgr. Schemageld.


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BVN-1861,27

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte. 12. 4. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich
                    ein Buch w[eißes] Papier
                    eine Lage Briefpapier
                    4 blaue Hefte

anzuschaffen.


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BVN-1861,28

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, April 1861]


Liebe Mamma!

Soeben bekomme ich Deinen Brief und erfahre mit Erstaunen, daß meine Kiste noch nicht angekommen ist. Du wirst sie aber wahrscheinlich gleich nach Absendung des Briefes bekommen haben, denn ich habe sie Dienstag fortgeschickt. —
     Nun werden wir uns also lange nicht wiedersehn; grüße alle lieben Verwandten vielemal von mir. Ich wünsche euch schöne Reise und Amüsement. Vergeßt ja nicht, mir meinen Don Juan mitzubringen. —
     Sende mir also morgen das Gewünschte außerdem Ueberzug (von April) Serviette usw. das hübsche Messer, Strümpfe, Waschlappen usw. Lebe recht wohl, meine liebe Mamma und Lisbeth! Es thut mir so leid, nicht mitreisen zu können!

Dein dich herzlich liebender
FWNietzsche


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BVN-1861,29

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, April 1861]


Liebe Mamma!

Es freut mich ungemein, daß ihr wiederzurückgekehrt seid. Ich habe Tag zu Tag darauf gewartet; denn wir haben uns seit den Ferien noch nicht wieder gesehen, und das ist eine lange Zeit. Daß es euch so wohl gefallen hat, ist mir sehr lieb; ich wäre so gar gern mitgereißt, da ich noch nie in Maßnitz gewesen bin. Herzlichen Dank für alle Grüße der lieben Großmamma und Verwandten! Was mich anbelangt, so ist mein Befinden nicht das beste, da mein Schnupfen sehr zugenommen hat, auch mein Husten mir unangenehm fällt. Nun das wird alles schwinden, wenn erst die Witterung schöner und die Tage sonniger werden. Habt ihr denn mir meinen Don Juan mitgebracht? Schicke mir ihn ja mit der nächsten Kiste, die ich euch morgen senden werde! Vielleicht auch etwas gegen den Husten, um dessen willen ich den Dr. nicht befragen mag. Was Schenk betrifft, so ist seine Krankheit sehr gutartig; auch hat er schon fünf Leidensgefährten; die Masern scheinen wieder ordentlich überhand zu nehmen. Ich habe ihn immer alles herüber besorgt, was er wünschte; sehen und sprechen darf ich ihn der Ansteckung wegen nicht. Nun noch, liebe Mamma, ein Wort mit dir allein. Auch mir erscheinen jene sonst so schönen Osterferien durch die häßlichen Vorfälle getrübt und verfinstert, und es berührt mich, so oft ich daran denke, sehr schmerzlich, daß ich dich so betrübt habe. Ich bitte dich noch recht herzlich um Verzeihung liebe Mamma! Denn es wäre doch traurig, wenn ich durch diesen Mißklang unser schönes, gegenseitiges Verhältniß gestört hätte. Verzeihe mir doch ja liebe Mamma, aber dann bitte ich dich, nie mehr dieser Ereignisse zu gedenken, sondern sie als ungeschehen zu betrachten. Ich will mich fernerhin auch so sehr ich kann, bemühen, durch mein Betragen und Liebe zu dir den verursachten Riß auszufüllen. Schreib mir noch einmal darüber, liebe Mamma! — Grüße Lisbeth vielemal von mir. Ich möchte sie so gern wiedersehn, hoffentlich doch Sonntag 4—6 in Almrich!

Dein dich herzlich liebender Fritz.


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BVN-1861,30

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende April 1861]


Liebe Mamma.

Es war doch gestern wunderhübsch in Almrich; wenn wir uns nur längere Zeit hätten sprechen können; die Zeit ist mir allzu schnell vergangen. Aber ich denke mich nächstens einmal loszumachen, damit ich auch wieder einmal zu Hause sein kann. Ich schicke euch heute meine Kiste; sendet sie mir sehr bald wieder; mir fehlt immer noch mein Stiefelknecht. Dann sendet mir meine Lebensbeschreibung, die in dem grünen Kasten liegt; ich brauche sie jetzt zu einer anzufertigenden Lebensbeschreibung. Auch meine Wäsche sendet mir gleich mit, besonders Taschentücher, da mein Schnupfen sonst gar nicht aufhört. Dann auch das versprochne Geld; auch meine Zahnbürste ist mir fortgekommen. Ich weiß nicht, wohin sie sein mag. — Nun weiß ich eigentlich nicht mehr recht, was ich schreiben soll. Wir haben uns ja gestern alles mitgetheilt. Lisbeth schreibt mir hoffentlich einmal einen ausführlichen Brief. Denn ich freue mich immer sehr etwas genaues zu hören. Auch Wilhelm (und) Gustav werden mir hoffentlich in diesen Tagen schreiben. Nun lebe recht wohl, meine liebe Mamma, denke oft an deinen Fritz. Grüße Lisbeth vielemals von mir! Noch eine Bitte: Ich habe gar kein Notenpapier in Pforta! Holt mir welches von Merzyn, groß und recht englinig. Sendet es mir auch mit heraus!

Dein FWNietzsche


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BVN-1861,31

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 3. 5. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich ein Kästchen Stahlfedern anzuschaffen.


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BVN-1861,32

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 3. und 4. Mai 1861]


Liebe Mamma.

Ich habe jeden Tag sehr sehnlich Brief und Kiste erwartet, denn ich brauchte meheres sehr nothwendig wie z. B. meine Lebensbeschreibung, die Uhrkette. Ihr seid doch alle gesund und wohl? Denn ich fürchte fast, daß jemand von euch unwohl sei. Nun ich hoffe noch heute nähere Aufklärung darüber zu bekommen.
     Diese Tage, seitdem ich zum letzten mal schrieb, sind sehr einförmig und unter vieler Arbeit vergangen. Das Wetter ist unschön und der Mai mit seinem Schnee ist eine betrübende Erscheinung. Wenn nur nicht so viel erfroren wäre! Das wird wohl geringe Obst- und Weinernten geben.
     Etwas übrigens habe ich noch zu erzählen; ich habe euch wohl einmal mitgetheilt, daß wir (nämlich der Chor) zur Hochzeit von Marie Jäger und dem jungen Schwimmer in der Kirche gesungen haben. Deßhalb wurde vorigen Mittwoch Abend der Chor zu Jägers geladen. Es gab eine Bowle mit Pfannkuchen. Stoff war ungeheuer viel vorhanden.
     Dazwischen wurden Lieder gesungen, Toaste ausgebracht kurz, es war sehr lustig und alle sehr heiter. Die nothwendige Folge war, daß ich am folgenden Tag etwas müde war, denn bei dem Aufstehn um 5 Uhr kann man nicht sehr ausschlafen.
     Wilhelm und Gustav haben auch noch nicht geschrieben; ich erwarte ihre Briefe auch sehnlich.
     Die Masern sind in Pforta ordentlich ausgebrochen. Zwei sollen sehr gefährlich krank sein, besonders einer, der auch noch das Nervenfieber bekommen hat.
     Einer hat auch beim Turnen ein Bein gebrochen; das ist aber nichts weiter.
     Ich meines Theiles befinde mich von einiger Heiserkeit und den nicht aufhörenden Schnupfen abgesehn ganz wohl und wünsche daß auch ihr euch wohl befindet. Grüße Lisbeth viele mal von mir! Ich freue mich auf nächsten Sonntag, wo ich aber noch nicht weiß, wo wir uns treffen.

Dein Fritz


Sonnab.

     Ich habe Kiste, Brief und alles richtig bekommen und danke viele mal dafür. Nur Strümpfe bedarf ich nothwendig, und das Uhrband.
     Ich habe auch etwas Trauriges mitzutheilen. Der maserkranke Pieschel II ist gestern um 5 Nachmittag gestorben, da die Masern sich auf die innern Theile geworfen hatten. Es ist sehr betrübend und ordentlich unheimlich in Pforta. die Eltern der andern Maserkranken mögen nun wohl Furcht bekommen.
     Also Morgen sehn wir uns hoffentlich in Almrich!

Viele Grüße!
Dein Fritz.


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BVN-1861,33

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 6. Mai 1861]


Liebe Mutter!

Heute morgen, liebe Mamma nur ein paar Worte. Es war gestern trotz Wind und Regen sehr hübsch; wir haben uns sehr hübsch unterhalten, ich bin dann ohne Regen wieder heraus gekommen und habe mich umgezogen. Es ist mir auch ganz gut bekommen. Ich habe aber heute eine Bitte, daß du mir nämlich ein Buch aus den Bücherschrank schickst, das wohl in den drei ersten obersten Reihen steht, ziemlich dünn ist, grau marmorirt. Es enthält eine Anweisung zum Uebersetzen des Kornelius Nepos ins Griechische. Das brauche ich aber morgen (Dienstag) also bitte, sende es mir zugleich mit dem Gummischnürchen heraus. Sonst habe ich dir nichts weiter mitzutheilen, außer daß ich mich sehr auf Schulfest und Pfingsten freue. Ich entwerfe auch schon meinen Reiseplan zu den Hundstagsferien. Grüße Lisbeth vielemal, auf glückliches Wiedersehn nächsten Donnerstag (von 4—6) in Almrich!

Dein Fritz


     N.B. Wie wird es denn eigentlich mit eurer Plauenreise? Diesen Monat bleibt ihr wohl noch bis nach Pfingsten da; dann aber verreist ihr?
     Kann ich nicht die ersten Tage der Hundstage in Naumburg bleiben, dann vom 6—15 nach Maßnitz, 15—30 Plauen und Fichtelgebirge 31—4 Aug. wieder in Naumburg? — Ich bin auch erbötig, mich in Halle und Leipzig auf dem Rückweg länger aufzuhalten.


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BVN-1861,34

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Mai 1861]


Liebe Mutter!

Dieser Brief wird dich wohl antreffen, wenn der liebe Besuch schon wieder fort ist; es war doch vorigen Sonntag sehr hübsch und du glaubst kaum, wie ich mich auf die Pfingsttage freue. Sonntag also am ersten Piingstfeiertag, sehen wir uns nicht; willst du mir nicht meine Freunde heraussenden, daß ich mit ihnen etwas spazieren gehe. Sage, ihnen aber, sie möchten um 3 Uhr in Pforta sein und oben herum durch den Wald (du kennst doch meinen gewöhnlichen Weg) kommen. Da unser Spaziergang länger als gewöhnlich dauert, könntest du ihnen ja ein Paar Päckchen Butterbröte mitgeben, daß wir doch etwas zu genießen haben. — Den zweiten Feiertag komme ich also Mittag d.h. ungespeist nota bene. Wenn es nicht schlechtes und nicht zu warmes Wetter ist, können wir den Nachmittag eine kleine Partie machen. — Sende mir aber in diesen Tagen meine Kiste mit der nöthigen Wäsche, besonders Handtücher, baumwollene Strümpfe; denn ich muß bei dem heißen Wetter oft wechseln. Kann ich mir nicht diesen Mittwoch ein paar weiße Hosen anmessen lassen? ich kann es in den heißen, warmen Tuchbeinkleidern nicht länger aushalten. Zu der Reiße brauche ich doch einmal etwas Leichtes. Vielleicht werden sie noch zum Schulfest fertig. — Nun grüße Lisbeth vielemal; ich freue mich sehr auf unser Wiedersehn!

Dein Fritz


Briefpapier und Bücher nicht zu vergessen


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BVN-1861,35

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte. 17. 5. 61


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich einen Strohsack anschaffen zu dürfen.


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BVN-1861,36

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 22. Mai 1861]


Liebe Mutter!

Du kannst dir vorstellen, daß ich heute morgen oft an Naumburg und an die verlebten Ferien zurück gedacht habe. Wir haben doch diese Tage sehr hübsch zusammen genossen und ich hätte nur gewünscht, sie möchten länger dauern. — Ich bin gestern Abend in lauter Regen nach Pforta gekommen, konnte auch zuletzt wegen des allzugroßen Windes den Schirm nicht mehr aufspannen. Ich kam noch ganz zur Rechten Zeit an und bin auch nicht auf dem Wege eingeschlafen. Die Nacht habe ich sehr wohl geruht. Heute ist wieder recht betrübendes Wetter, wenn es nur morgen angenehmer ist! Ich bin heute recht heiser; willst du mir morgen nicht ein paar Eier mit nach Pforta bringen? Ich sende euch heute schmutzige Wäsche nebst Beinkleidern, die ich nicht mehr anziehen kann, wenn du sie nicht einmal ordentlich ausbessern und reinigen läßt. — Sendet mir also die Kiste bald wieder mit den bezeichneten Noten, Wäsche usw. Nun lebe recht wohl, liebe Mamma, viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWN.


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BVN-1861,37

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. d. 23/5 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 sg. [5 sg bis] zum Schulfest.


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BVN-1861,38

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 24. Mai 1861]


Liebe Mamma!

Ich muß mich doch heute Morgen gleich erkundigen, wie es Euch gestern bekommen ist. Der Regen war freilich sehr unangenehm besonders da Lisbeth so erhitzt war. Ueberhaupt ist durch den Regen fast alles gestern verkürzt worden. — Seid ihr noch sehr naß geworden? Habt ihr nicht wieder wie damals von Almrich aus fahren können? — Den Hut habe ich, da Prof. Buddensieg und überhaupt niemand zu Hause war, die Nacht in meinem Schranke geherbergt, heute Morgen aber gleich hinübergetragen. Wir sind heute alle etwas müde und matt, da wir um 5 aufstehen. So ist’s aber allemal nach so einem Tag. Donnerstag also bei gutem Wetter sehen wir uns auf den Knabenberg. Sollte es regnen, doch sicher Sonntag in Almrich. Nochmals mit dem Wunsche daß es Euch recht gut bekommen sein mag

verbleibe ich
Euer FWNietzsche


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BVN-1861,39

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, kurz vor dem 30. Mai 1861]


Liebe Mutter!

Heute nur einige Worte. Es war doch hübsch daß wir uns vorigen Sonntag noch sahen. Ueber Bergtag weiß ich noch nichts bestimmtes. Der Schulrath macht viel zu schaffen und ich habe mehr als je zu besorgen. Wie steht es mit nächsten Sonntag? Nach Naumburg kann ich bei solcher Hitze nicht gehn. Ich sende die Kiste mit Wäsche. Schicke sie mir morgen wieder des Bergtags halber. Viele viele Grüße an Lisbeth!

Dein Fritz.


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BVN-1861,40

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 30. 5. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 Srg. zum Bergtag.


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BVN-1861,41

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, kurz vor dem 2. Juni 1861]


Liebe Mutter!

Das war doch betrübend, daß dieser unselige Regenguß unsre Uebereinkunft so zunichte machte; ich hatte mich so sehr auf den Spaziergang gefreut. Da werden wir uns wohl auf den Sonntag vertrösten müssen, wo wir uns hoffentlich in Almrich sehn. Vorigen Sonntag haben dich auch die beiden Braunes besuchen wollen, dich aber nicht zu Hause getroffen.
     Du glaubst gar nicht, wie ich mich auf die Hundstage freue. Noch sind es 25 Tage, dann ist die köstliche Zeit da. Macht mir nur wieder das Stübchen zurecht, die ersten 8 Tage wird es doch nicht vermiethet sein. Ich gedenke in den Tagen wo ich in Naumburg bin, nach einem bestimmten Plane meine Studien und Vergnügungen einzurichten. Es ist so hübsch kühl in der Stube; ein Tisch, ein Stuhl und ein Bücherkasten ist genug Möbel, ans Fenster ein paar Blumen des Geruches halber, einen Krug Wasser der Erfrischung halber, meine Uhr, Stöße von Schriften und Noten usw; so denke ich mir meinen schönen Aufenthalt. Wofern ich nur hinreichend Geld habe, so will ich mich auch durch Reisen ergötzen, obgleich ich den Gedanken an Plauen aufgegeben habe. Nach Halle und Leipzig gedenke ich zu reisen, nun, auch nach Gorenzen, wenn dort alles wieder gesund ist, sehr gern. — Viel soll jedenfalls in den Ferien geschehen, auch eine Fußparthie mit Wilhelm von zwei Tagen ohne bestimmtes Ziel; das wird was herrliches!!.
     Nun genug von den Ferien. Schicke mir doch bald die Kiste mit den weißen Hosen, ich brauche sie nöthig. Baden sind wir vorigen Freitag gegangen; das Wasser war wunderschön. Kannst du mir nicht einmal so was Genießbares, wie so ein Küchelchen schicken? Ich habe großen Appetit und es giebt jetzt gar nichts, gar kein Obst. Nun leb recht wohl! Viele Grüße an Lisbeth!

Dein FWN.


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BVN-1861,42

An Robert Buddensieg in Pforta (Formular)

Pforte, [kurz von dem 5. Juni 1861]


Der Al. Nietzsche bittet um die Erlaubniss, sich folgende Bücher verschreiben zu lassen:
1 Sallustius ed. Dietsch (Teubner)


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BVN-1861,43

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pforte. 5. 6. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich einen Sallust einbinden zu lassen.


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BVN-1861,44

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte Juni 1861]


Liebe Mutter!

Heute will ich dir etwas genauer schreiben, als neulich, wo es in höchster Eile gieng. Zuerst will ich gleich erwähnen, was ich noch alles brauche, Handtücher, deren ich jetzt bei den täglichen Baden mehr brauche, die Stiefeln, da auch meine andern zerissen sind, Seife, Hemd und Vorhemd, Serviette, usw. Vor den Hundstagen muß ich mir auch noch ein paar Stiefeln machen lassen, ebenso einen Sommerrock, da die schwarzen schweren Tuchsachen zu warm sind. Am besten wohl so ein ganz dünner Reisemantel, der wenig belästigt.
     Wie es übrigens mit dem Reisen wird, das will mir noch gar nicht einleuchten. Schließlich werde ich wohl ganz zu Hause bleiben. Die erste Woche bleibe ich jedenfalls da, denn ich will viel in den Ferien arbeiten. Ich freue mich schon immer, wenn ich an mein Stübchen denke; macht nur, daß es auch Wahrheit wird! Noch sind es 15 Tage; es herrscht schon allgemeine Erwartung aber ich habe jetzt viel, viel zu thun. Giebt es denn noch keine Kirschen? die kommen ja furchtbar spät diesmal. Wie wirds nächsten Sonntag? Nach Naumburg zu gehn ist bei dem heißen Wetter nicht zu verlangen, wollen wir uns nicht einmal in dem Wald von Pforta treffen oder sonst in der Nähe? Schreibe mir darüber, liebe Mamma! — Wenn die Hundstage nur nicht so warm sind! Ich will fabelhaft früh aufstehn und im Freien spazieren gehn oder arbeiten, das soll schön werden! Abend werde ich immer baden gehn. Schöne Partien wollen wir zusammen machen, und wenn ich auch weiter nicht verreise so werde ich doch wieder nach Gorenzen wandern. Bitte, schreib mir einmal Deine Gedanken über die Plauenreise! Vielleicht machen wir sie beide zusammen. — Nun lebe wohl grüße Lisbeth vielemal, schickt mir ihr Bildniß mit, schickt die Kiste mit der Wäsche, vielleicht auch noch was anderes, schreibt recht ausführlich und denkt oft an

euren FW.
der sich fabelhaft auf die Ferien freut!


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BVN-1861,45

An Rosalie Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 17. oder 24. Juni 1861]
Montag, Mittag um 2 ¾ Uhr.


Liebe Tante!

Bei diesen strömenden Regengüssen erscheint es mir höchst zweifelhaft, ob ich Dich, liebe Tante vor Deiner Abreise nach Plauen noch einmal sehe. Das würde mir zwar höchst leid thun, da ich auch nicht hoffen kann, dich in den Hundstagsferien etwa in Plauen zu treffen; denn mit meiner Plauenreise wird es, wie mir die Mamma gestern erzählt hat, wohl nichts werden. Ich wünsche dir deßhalb zuerst eine rechte ruhige und angenehme Reise, schönes Wetter und theilnehmende Reisegefährten. In Plauen magst Du alle lieben Verwandten recht wohl und heiter antreffen, dich selbst recht in ihrer Gesellschaft und der reizenden Natur ergötzen. Ich bitte, die lieben Tanten, auch Tante Ida, so wie alle andern lieben Verwandten recht herzlich von mir zu grüßen und ihnen zu versichern, daß ich mich sehr darnach sehnte, einmal nach Plauen zu reisen. Wenn Du dich in der lieblichen Umgegend und in Triebel recht amüsirst, so denke an mich, liebe Tante! Ich möchte so gern dort mit dir herumlaufen und die lieben bekannten Orte aufsuchen. Wenn dir es möglich ist, grüße das Fichtelgebirge und Böhmen vielemal von mir!
     Die Zeit drängt [Die Zeit drängt!] Hoffentlich wird das
                    Wetter wieder schön!
     Bleib aber nicht gar zu lang in Plauen, liebe Tante, sondern denke immer, wie sich auf Deine Rückkehr freut

Dein dich herzlich liebender
FWNietzsche


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BVN-1861,46

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 18. 6. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 19 ½ Srg. für Klaviermiethe.


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BVN-1861,47

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 18. 6. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, eine Stuhlleiste befestigen zu lassen.


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BVN-1861,48

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

[Pforta,] 20. 6. 61.


Hr. Prof. Buddensieg wird gehorsamst um 20 Srg. für Kleiderreinigen gebeten.

FW Nietzsche.


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BVN-1861,49

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 21. 6. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich ein Buch w[eißes] Papier und ein Collektaneum anschaffen zu dürfen.


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BVN-1861,50

An Robert Buddensieg in Pforta (Zettel)

Pf. 21. 6. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 5 Srg. zur Sängerfahrt.


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BVN-1861,51

An G. Krug und W.Pinder in Naumburg (Briefdisposition)

[Pforta vermutlich 3. August 1861]


Ferienende.
Nürnberg.
Schmerz ist…
Ustaj.
Sendung. Buchbinder.
Hölderlin.
Was habt ihr morgen?
Stiftungsfest versäumt.
Schreibt bald.


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BVN-1861,52

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta 5. August 1861]


Liebes Mutterchen!

Es ist jetzt Montag, V4 auf 6 Uhr früh; zum ersten Mal wieder um 5 aufgestanden! — Ich bin noch gar nicht so eingewöhnt und denke noch zu oft an die vergangnen Tage, bin sonst übrigens ganz wohl auf.
     Ich danke dir, liebe Mamma, noch vielemal für alle Freuden und Annehmlichkeiten, die du mir in den langen Ferien bereitet hast. Wie oft bin ich im Geiste noch bei euch, wie oft auch in meinem Stübchen; es war doch alles so hübsch gemüthlich!
     Frau Prof. Buddensieg habe ich deine Grüße und Wünsche überbracht; es soll jetzt etwas besser gehn; was die Krankheit eigentlich ist weiß man weder hier, noch in Naumburg genau. Jedenfalls rheumatisch. —
     Mir fehlen noch meine Morgenschuh und Seife. Wir haben hier viel zu thun und müssen ordentlich arbeiten. Du kannst dir denken, daß das etwas sauer wird, wenn man so lange Ferien gehabt hat. — Grüße Lisbeth schön von mir, sie will mir ja einen langen Brief schreiben! Nicht wahr? Lebe recht wohl!

Dein Fritz


NB. Ich brauche ein kleines Trinkgläschen sehr nöthig


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BVN-1861,53

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, kurz nach dem 5. August 1861]


Guten Morgen, liebe Mamma und Lisbeth! Ich sende euch die Kiste mit Wäsche. Schickt mir ja recht viel Schnupftücher! Bitte, besorgt das Notenheft und das graue Paquet an Wilhelm, aber ja in diesen Tagen; händigt beides nur Wilhelm oder Gustav ein, aber keinen andern Menschen. — Schreibt mir auch liebe Mamma, vielleicht auch Lisbeth! Ich freue mich sehr darauf!

Euer Euch herzlich
Liebender Fritz


     Die mitgesandten Beinkleider sind auf dem Hosenboden zerissen. Sende sie mir ja bald.
     Hast du nicht irgend einen Grund, mich Sonntag loszumachen? Es wäre sehr hübsch, wenn wir länger uns genießen könnten.
     Schickt mir ja eine Uhrkette mit, meine goldene bringe ich Sonntag.


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BVN-1861,54

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte August 1861]


Sonntag war es sehr hübsch.

12 ½ Mitt, 28 Grad Reaum.


Liebe Mamma.

Ich habe so eben die Kiste nebst deinem lieben Brief erhalten; die Hitze ist unerträglich, etwa 26 Grad im Schatten, mindestens. Und offenbar kommt heute noch ein Gewitter.
     Es ist schrecklich, ich möchte in meinen Tuchsachen fast zerbraten. Schicke nur die weißen Hosen, so bald es nur irgend geht, mir wieder. Man kommt sonst um.
     Von Wilhelm habe ich gestern einen ungeheuren Brief aus Tegernsee bekommen, worüber ich mich sehr freute; sie kommen diese Woche noch wieder. Meinen Brief mag Lisbeth Wilhelm mit dem bezeichneten Paquet übergeben.
     Gestern war Hr. Pastor Schenk eine halbe Stunde da; er läßt schön grüßen.
     Prof. Buddensieg geht es etwas besser, als Sonntag. — Mehr kann ich beim besten Willen nicht schreiben. Ich erwarte sehr einige Erfrischungen, denn die Hitze ist zu gräßlich.
     Viele Grüße an Eli!

Dein Fritz.


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BVN-1861,55

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 19. August 1861]


Liebe Mutter.

Heute kann ich Dir die weißen Hosen noch nicht schicken; es ist noch zu warm. Ich werde sie etwa Mittwoch in der Schachtel besonders senden. —
     Gestern war es wunderhübsch; ich war ganz erstaunt, so viel Verwandte und Bekannte wiederzusehn und zu sprechen. Das war wirklich ein sonderbares Zusammentreffen. —
     Für den Kirschkuchen danke ich recht schön; er schmeckte sehr gut.—
     Prof. Buddensieg hat die Nacht etwas besser geschlafen; heute Vormittag war es schlimmer als je; Rudolf sagte mir um 7, er wüßse nicht, ob er noch lebe; der Dokter habe gesagt, es gehe sehr schlimm. — Bis um 2 Uhr ist noch nichts von Entscheidung eingetreten. — Es ist sehr traurig!
     Lebe recht wohl, schreibt mir recht bald! Ich denke doch, daß ich Krämer noch einmal sehn werde. Viele Grüße an Lisbeth!

Dein Fritz.


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BVN-1861,56

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 20. August 1861]


Liebe Mamma!

Hr. Prof. Buddensieg ist todt! Diese Nacht um zwei Uhr ist er gestorben.
     Ach du glaubst nicht, wie mir traurig zu Muthe ist! Wir haben ihn alle so sehr geliebt; wir alle sind außerordentlich ergriffen; überall ist es todtenstill.
     Wir wußten es gestern genau, daß er die Nacht nicht mehr überleben würde. Der Doktor hatte es vorausgesagt. Näheres über sein Ende weiß ich gar nicht; man kann auch nicht fragen. Ach, es ist zu schmerzlich! Doch — was Gott thut, das ist wohlgethan! —
     — Ihr kommt doch wohl zu seinem Begräbniß heraus; ich muß nun einen neuen Tutor haben und werde H. D. Heinse heute oder morgen darum ansprechen. Wenn du damit einverstanden bist oder etwas dagegen hast, so schreib mir nur auf das eiligste. Denn sonst kommen wir zu spät; Heinse wird viele neue Empfohlne bekommen. Willst Du ihm nicht auch schreiben? — Lebt recht wohl und weinet mit mir, liebe Mamma und Lisbeth!

Dein sehr betrübter Fritz


     (Sendet mir ja weiße Wäsche zum Begräbniß.)

     Soeben erfahre ich auch, daß der alte Commissionsrath Teichmann gestern in Kosen gestorben ist. Das thut mir auch von Herzen leid; er war auch mit Prof. Buddensieg so befreundet.
     Der liebe Hr. Prof. soll übrigens ein sehr schweres Ende gehabt und in einem zweistündlichen Todeskampf gelegen haben. —
     Heute schreiben die Abiturienten


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BVN-1861,57

An Wilhelm Pinder in Naumburg

[Pforta, 21. August 1861]


Lieber Wilhelm!

Meinen innigsten Dank für deinen lieben, ausführlichen und interessanten Brief aus Tegernsee; führwahr, du hast eine wunderschöne Reise gemacht und werdet nun, indem ich dies schreibe, glücklich wieder heimgekehrt sein. Vielleicht hast du auch schon meinen Brief vom 3 August gelesen, vielleicht auch sind deine Stimmungen ähnliche, wie ich damals am Ende der Ferien hatte. Sei recht herzlich wieder willkommen, ich habe mich sehr nach dir gesehnt. —
     Wie aber wirst du erschrocken sein, als du von den unendlichen Verlust gehört hast, den wir in diesen Tagen erlitten haben, daß unser lieber Prof. Buddensieg nach schmerzlichen Leiden gestorben ist. Du kannst mir nachfühlen, wie schmerzlich, wie tief mich das getroffen hat; denn du kanntest und liebtest ihn ja auch, den lieben, ausgezeichneten Mann. Ist es nicht möglich, daß Du, lieber Wilhelm mit Deinem lieben Vater und Gustav zum Begräbniß herauskämt? Es ist Donnerstag früh um 8 Uhr.
     Ich habe nun meinen Tutor verloren und mich deshalb an Heinse empfehlen lassen. Der arme Mann ist auch so sehr betrübt, da er mit Pr. Buddensieg so befreundet war.
     Mündlich will ich dir mehr über das Ende und die Krankheit des Hr. Prof., die man zuletzt als Typhus bezeichnete, erzählen. Lebe jetzt recht wohl, schreibe mir bald! Ich hoffe, wir sehen uns Donnerstag früh!

Dein Fritz


     Grüße Gustav recht schön von mir!

S.N.M.A.!


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BVN-1861,58

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 25. August 1861]


Liebe Mutter.

Daß ich heut nicht kommen konnte, hat seinen Grund in einer allgemeinen Coetusdispensation, deren Ursachen im Briefe zu beschreiben langweilig ist. Genug und leider, ich konnte nicht kommen! Wie gern ich euch und den lieben Onkel gesehn hätte, könnt ihr euch vorstellen. Nächsten Donnerstag soll Bergtag sein, wenn gutes Wetter ist. Ihr kommt doch sicherlich heraus.
     Frau Prof. Buddensieg läßt dich inständig bitten, sie in den nächsten Tagen zu besuchen. Thue es ja recht bald; die arme Frau weinte sehr, indem sie mir’s sagte.
     Donnerstag um 6 Uhr waren wir in Kosen, die Beerdigung war sehr schön und feierlich, aber ordentlich beruhigend und lindernd für den Schmerz am Morgen. Außer Pastor Barthold sprach der Pastor Schmieder, ein Greis, ein ehemaliger Zögling des Teichmann, und Tutor von Prof. Buddensieg.
     Denselben Abend war das Ecce für Prof. Buddensieg, das der Hr. Rektor hielt, Sonnabend Abend für Teichmann, gehalten von Prof. Keil. —
     Es folgt der Brief an Wenzel, addressirt ihn und sendet ihn fort. —
     Meine Hosen folgen; ich werde sie doch wohl bis Donnerstag bekommen. —
     Wie geht’s Wilhelm und Gustav? Sie haben mir noch gar nicht geschrieben. —
     Wie steht’s denn mit eurem Verreisen? Wird denn noch etwas daraus? Es scheint mir gar nicht so. —
     Schreibt und schickt mir doch jetzt häufiger! Ich bekomme fast gar nichts mehr von euch und ich freue mich über jeden Brief so. Will der Onkel nicht ein bissel heraus kommen? So etwa Dienstag Nachmittag von 5—7, da hab ich freie Zeit.
     Sonst immer viel zu thun; in drei Wochen ist Examen; in 5 circa bin ich Obersecundaner. Schöne Grüße an Lisbeth und den Onkel!

Dein Fritz.


Es folgen 2 Handtücher, w[eiße] Hosen, Brief.


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BVN-1861,59

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 25. 8. 61


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, sich ein Messer schleifen zu lassen.


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BVN-1861,60

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 26. 8. 61.


Nietzsche bittet um die Erlaubniß, sich
                    einen Stahlfederhalter
                    und ein Dutz. Stahlfedern
anzuschaffen.


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BVN-1861,61

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf d. 29/8. 61


Nietzsche bittet um 5 Sg. Bergtagsgeld.


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BVN-1861,62

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 1. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 1 Srg. 3 Pfennige Begräbnißkosten.


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BVN-1861,63

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang September 1861]


Liebe Mutter!

Meinen herzlichsten Dank, liebe Mamma für Kiste, Brief und Kuchen; ich habe alles richtig bekommen; der Kuchen hat mir sehr gut geschmeckt. Wir haben jetzt immer viel zu thun gehabt; Donnerstag und Freitag ist Abiturientenexamen; Freitag wird wohl Braune euch das Resultat mittheilen. Sonntag also sehen wir uns in Almrich. ich freue mich sehr darauf, wenn nur gutes Wetter bleibt. Es ist schrecklich schwül. — Heute sende ich euch 1 schmutzige Wäsche; ich bin froh, daß ich die weißen Hosen wieder habe, da es so heiß ist. —
     Ich danke auch Lisbeth schön für ihren Brief. Ich will auch einmal an sie schreiben. Ich befinde mich ganz wohl und wünsche nur daß die Michaelistage dawären. Man muß jetzt nächstens auch an den Geburtstag denken. Lebt recht wohl! Schreibt mir recht bald!

Dein Fritz.


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BVN-1861,64

An Max Heime in Pforta (Zettel)

Pforte. 6. 9. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, eine Stuhlleiste machen zu lassen.


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BVN-1861,65

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 7. September 1861]


Liebe Mutter!

Ich wollte euch nur bitten, mir morgen nach Almrich mein Album mitzubringen, da ich es Braune zum Einschreiben geben muß. Wir sehn uns also jedenfalls dort; ich freue mich sehr darauf. Daß Braune durch das Examen ist, ist sehr schön; er ist also selber in Naumburg gewesen. Von Köhlers Mißgeschick wirst du auch gehört haben. die nächste Woche ist noch eine schlimme Lektionswoche, dann kommt die Examenzeit. —
     Nun lebe recht wohl! Viele Grüße!

Auf Wiedersehn!
Dein Fritz


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BVN-1861,66

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 8. 9. 61.


Nietzsche bittet um die gütige Erlaubniß, einen Band Cicero einbinden zu lassen und sich ein Dutz. Stahlfedern anzuschaffen.


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BVN-1861,67

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 11. 9. 61


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1861,68

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pforta. 11. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um
                    1 Thl. 20 Srg. für Thucydides ed. Krüger
                    10 Srg. für Herodot.


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BVN-1861,69

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 12. 9. [1861]


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg zum Panorama.


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BVN-1861,70

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 15. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 18 Srg. für Klaviermiethe.


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BVN-1861,71

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Mitte September 1861]


Liebe Mutter!

Ich bin jetzt nun mitten in Examenarbeiten drinn und bitte dich, mir ja morgen den Masius, deutsches Lesebuch zu senden. Aber ja nicht später, da morgen Abend unsre deutsche Arbeit schon abgegeben wird. Ich freue mich sehr darauf, daß Lisbeth nach Pforta kommt. Wo wollen wir uns denn nächsten Sonntag sehn? Es war vorigen Sonntag sehr hübsch, aber viel gesprochen haben wir uns nicht. — Heute sende ich schmutzige Wäsche, was ich habe, sende mir die Handtücher mit, vielleicht auch Pflaumen, die doch jetzt recht billig für euch sind; ich würde mich sehr freuen, wenn ich einmal eine Sendung empfange. — Wenn nur erst die Michaelistage da sind! Aber das ist noch eine lange, langweilige Zeit.
     Nun lebt schön wohl! Grüß Lisbeth vielmal.

Dein FWN.


Die Wäsche folgt erst morgen, da ich Abhaltung am Einpacken hatte.


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BVN-1861,72

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 25. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1861,73

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pf. 26. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ Srg. zum Spaziergang.


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BVN-1861,74

An Max Heime in Pforta (Zettel)

Pf d. 27/9 61


Nietzsche bittet gehorsamst um 2 ½ sgr. zum Spaziergang.


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BVN-1861,75

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pforte 27. 9. 61.


Hr. Doktor Heinze wird gehorsamst um 20 Srg. gebeten für Kleiderreinigen.

FW Nietzsche


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BVN-1861,76

An Max Heinze in Pforta (Zettel)

Pforte, d. 28. 9. 61.


Nietzsche bittet gehorsamst um 10 Silbergroschen Feriengeld.


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BVN-1861,77

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende September 1861]


Liebe Mutter!

Ich freue mich sehr, daß nun mein ganzes Examen glücklich überstanden ist. Nun ist beinahe alles vorüber, morgen Censur, Sonnabend Versetzung. — Wie seid ihr denn gestern zurück gekommen, ich habe noch gar nichts davon gehört. Es wird dir doch gut bekommen sein? Schade, daß wir uns gar nicht so hübsch unterhalten konnten, da der Regen so dazwischen kam. Nächsten Mittwoch also werde ich nach Naumburg kommen; um 1 Uhr erwarte mich nur. Da werde ich euch auch meinen Wunschzettel mitbringen. Ich bin sehr froh, daß ich wieder eine Klasse überstanden habe. Das ist wirklich nichts Kleines.
     Lisbeth will, glaub ich, auch schreiben. Nun leb recht wohl, liebe Mamma und fühle dich nicht so ganz einsam, wenn wir fort sind!

Dein FWN.


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BVN-1861,78

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende September—Anfang Oktober 1861]


Liebe Mutter!

Ich habe mich gestern ungemein über Deine Sendung, liebe Mamma, gefreut wo ich alles fand was ich erwartete und mehr fand, als ich erwartete. Herzlichen Dank für das schöne Gebäck und die Menge Pflaumen, die wirklich sehr schön sind. Ich gedenke euch für alles nächsten Mittwoch mündlich zu danken, wo von nach Tisch bis 3 großer Spaziergang ist. Wir müssen uns aber zu Hause sehn, da ich eine Anzahl Bücher mitnehmen muß.
     Der kleine Italiäner scheint mir sehr praktisch eingerichtet zu sein. Hat Lisbeth nicht Lust bekommen, auch italienisch zu treiben?
     Ich will euch nur auch gleich meine Wünsche schreiben; sie sind wahrlich nicht groß, und streng genommen ist es ja blos ein Hauptwunsch; das ist nemlich
          R. Schumann op. 98 Requiem für Mignon
               im Klavierauszug bei Breitkopf und Härtel
                    Preis 1 Thl. 5 Srg. ohne Rabbatt.

(also etwa 25 Srg.)

     Außerdem wünsche ich, daß zwei Notenhefte eingebunden werden, die ich euch nächsten Mittwoch bezeichnen werde. Bei der Bestellung des ersten Wunsches ist aber nicht zu zaudern, da Domrich sehr langweilig ist. Ich lege euch diese beiden Wünsche zu Füßen und erwarte oder hoffe vielmehr, daß du sie nicht verwerfen wirst. Nicht wahr, liebe Mutter, es ist nicht zu viel gewünscht? Meinen ersten Wunsch, den ich dir neulich auf den Saalhäußern sagte, habe ich auf[ge]geben da er zu kostspielig ist. Aber diese beiden — nun, ich hoffe.
     Beiläufig gesagt bin ich jetzt also Obersecundaner; ich theile dir meine Censur hier mit; sie ist erstaunlich schön

Relig. Lat. Griech. Math. Hebr. Geschichte
2 a 1 2 a 2 b 2 b 2 a
Franz. Deutsch Fleiß Betragen
2 a 2 a 1 a 1

     Damit kannst du wirklich zufrieden sein.
     Nun lebe schön wohl, liebe Mamma, noch vielen Dank

von Deinem
Fritz.


     Lisbeth viele Grüße!
     Einen Brief habe ich nicht in den Kästchen gefunden. War einer darin? Ich glaube nicht. Doch, ich habe ihn soeben erst gefunden. Ich danke dir recht vielemal dafür.


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BVN-1861,79

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 7.—10. Oktober 1861]


Liebe Mutter.

So bin ich denn wieder in das alte Gleis der Lektionswochen zurückgekehrt; ich denke aber noch oft an die hübschen in Naumburg verlebten Tage. Ich bin ganz gesund und hoffe, daß ihrs auch seid. Gestern also war der Onkel Theobald bei euch; ich habe ihn auch ein halbes Stündchen gesprochen. Schreibt mir doch einmal, wie es euch geht und steht. Ich habe schon alle Tage auf einen Brief gewartet. Erwähne doch auch, daß du mir 5 Srg. Taschengeld erlaubst, damit ich diese Stelle dann Heinse vorzeige, wenn du es ihm nicht in den Brief schreiben willst. Also Sonntag sehen wir uns nicht, aber Freitag über acht Tage hoffentlich zum Krönungsfeste. Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr! Bleibt ja gesund! Grüße Liese!

Dein Fritz.


Nothwendig brauch ich sobald als möglich, blaue große und kleine Hefte, die großen nicht über vier Bogen, die kleinen nicht über zwei. Außerdem ein großes Heft von etwa 10 Bogen.

Also 6 große zu 4, 1 großes zu 10
2 kleine zu 2

                    Sendet mir die camera obscura, die Stiefeln


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BVN-1861,80

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 12. Oktober 1861]


Liebe Mutter.

Ich danke dir für den aller ings ein wenig kurzen Brief; es ist doch keine hübsche Einrichtung mit dem Sonnabendkistenschicken; denn dadurch werden die Briefe sehr kurz. Ich bedarf der Hefte sehr nothwendig, bis zum Dienstag sende sie mir ja, die Kiste brauchts [brauchst] du dazu doch nicht. Wie steht es denn mit dem Taschengeld? Du hast mir gar nicht geantwortet. — Ich schreibe jetzt übrigens wieder mit Gänsefedern; es ist das aller bequemste und ich habe mich jetzt völlig daran gewöhnt; du könntest mir ein paar mitsenden. —
     Morgen gehe ich, wie du weißt zum heiligen Abendmahl und kann euch also nicht sehen, so sehr ich es wünschte. Nun aber der schöne, langersehnte Freitag wird schon herankommen. die Kiste brauche ich dir vor Donnerstag doch nicht zu senden du wirst sie doch wahrscheinlich erst heute über 8 Tage brauchen. Ich freue mich übrigens ungemein auf den Freitag; wir sehen uns doch in unsrer Wohnung oder wollt ihr zu den Tanten kommen? Am liebsten wäre mir doch zu Hause. — Wenn ich den Onkel Oscar gesehen hätte, würde ich mich sehr gefreut haben; seine Ferien sind nun auch in ein paar Wochen zu Ende. Da du übrigens nach Maßnitz reist, so grüße und glückwünsche in meinem Namen recht schön; es thut mir doch sehr leid, daß ich nicht mit hinkommen kann. Auch alle sonstigen lieben Anverwandte grüße recht herzlich von mir; es wäre doch so schön, wenn auch ich und Lisbeth mit hinreisen könnten. — Vielleicht kannst du mir meinen Don Juan mitbringen, wenn es dir möglich ist. — Hast du übrigens an Max Heinse geschrieben? Es wäre doch vielleicht wünschenswerth gewesen. Nun noch ein spezieller Auftrag für Lisbeth, der aber die höchste Eile hat. Ich bedarf zu einer deutschen Arbeit über Hölderlin nothwendig seine Biographie, sie liegt in meinem Bücherkasten. die Kamera obscura habt ihr mir auch nicht gesendet. Alles erwarte ich spätestens Dienstag, wo ich übrigens durchaus keine Gratulation haben will, aber auch mit keiner Sylbe. Denn mein Geburtstag ist erst Freitag. Es wird übrigens Zeit sein, aufzuhören; es geht mir ganz wohl, mag es euch immer auch so gehn. Also immer noch keine Besserung? Das ist schlimm. Grüß den Onkel recht schön von mir, Lisbeth gleichfalls, die mir vielleicht Dienstag das Betreffende besorgt.

So lebt recht wohl!

Euer Fritz.


Die Kiste ist etwas defeckt, du wirst es bemerken.


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BVN-1861,81

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 17. Oktober 1861]


Liebe Mutter.

Loskommen werd ich morgen auf keinen Fall, indem den ganzen Nachmittag Festlichkeiten sind. Es wird wahrscheinlich erst um 1 Uhr gegessen, bei gutem Wetter (denn heute sieht es sehr bedenklich aus) würde ich sodann etwa von ¾ 2—4 Spaziergang haben, wo ihr mich also wenn ihr nichts wichtigeres vorhabt, erwarten könnt. Um 4 ist Schauturnen, Thierquälerei, dann Feuer auf dem Berg und Feuerwerk und Abends Ball für die Primaner. — Ich danke übrigens Lisbeth schön für den Brief und für die schnelle Besorgung meiner Wünsche, ebenso für das innliegende Konfekt, das mich doch einigermaßen wieder an Königsgeburtstag errinnerte. Wir hatten gerade einen sehr Übeln und schwierigen Lektionstag. — Uebrigens fehlt mir noch der erste Band von Hölderlins Leben, den will ich mir morgen noch mitnehmen. — Es folgt heute eine Schach[tel] mit schmutziger Wäsche. Gestern habe ich Kiste und Kästchen zurückbefördert. Nun lebt recht wohl, morgen auf Wiedersehn, ich denke doch auch die Tante Rosalie zu treffen.

Euer Fritz.


Innhalt der Schachtel.

w[eiße] Hosen
3 Taschentücher
2 Handtücher
1 Serviette.
1 Vorhemd.

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BVN-1861,82

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 21. Oktober 1861]


Liebe Mutter.

Es war sehr angenehm, daß wir uns gestern noch etwas sahen. Denn vorigen Freitag haben wir uns nur sehr wenig gesprochen. Also sende mir die Brille, die Stiefeln, die zwei Thaler von der Tante hebe mir auf, aber ganz zu meiner Verfügung, wie sie mir geschenkt worden sind. Weihnachten werde ich sie mir spätestens geben lassen, da ich mir bis dahin noch ein Werk anschaffen will. Den dritten Thaler von der Großmamma hebe mir nur auch auf, wenn du ihn mir nicht senden willst. —
     Ich habe am 18 October mich mehr als je gesehnt, einen gemüthlichen Nachmittag in eurem Kreise zuzubringen und ich fühlte mich sehr ungemüthlich in Pforta. Das Schauturnen furchtbar langweilig, auf dem Berge Feuerwerk und Feuer etwas weniger, dann aber wieder der ganze Abend! Das ist schrecklich. — Dein Geschenk liebe Mamma erfreut mich ungemein; es wird euch wohl auch gefallen wenn ichs euch vorspiele. Der Kuchen und die Weintrauben — alles sehr delicat. Hast du mir vielleicht den Don Juan mitgebracht? Ich habe es vergessen, neulich darnach zu fragen. Ich bin übrigens durch die hübschen Photographien darauf gekommen, mir Weihnachten wieder welche zu wünschen; es sind viele von großen Männern der Neuzeit erschienen. — Nun lebt recht wohl, schreibt mir bald einmal. Wie geht es heute der Tante? (Montag morgen)

Dein Fritz


     Bitte sendet den Brief und alles Mitgesandte an Wilhelm.
     Verliert den Brief ja nicht, er ist wichtig.


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BVN-1861,83

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, vermutlich 28. Oktober 1861]


Liebe Mutter.

Ich muß euch leider die unangenehme Mittheilung machen, daß ich heute wieder veranlaßt worden bin, auf die Krankenstube zu gehn. Ich habe einen auffallend schnellen Pulslauf und dicken Hals und Schmerzen im Hinterkopf. Dabei greulicher Frost. Alles so dumpf. Im Allgemeinen wirklich dem vorjährigen Zustand beim Eintritt der Kopfschmerzen gleich. Deßhalb hielt ich es für meine Pflicht, dem Doktor Mittheilung zu machen, der mir herüber zu kommen rieth. Ich werde mich zu Bett legen. Sende mir schleunigst den Bettüberzug, ein weißes Hemd, wollne Strümpfe und Geld, das ich hier nöthig brauche. Lisbeth wird mir den „Muretus“ beilegen. Nun lebe recht wohl, hoffentlich geht es bald besser.

Dein Fritz.


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BVN-1861,84

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Anfang November 1861]


Wir haben uns schrecklich lang nicht gesehen und geschrieben: ich bin nämlich seit Montag bis Donnerstag auf der Krankenstube gewesen, da ich von Husten geplagt wurde. Als ich nun Donnerstag wieder herüberkam und mich sehr freute, euch besuchen zu können, da war zu meinem großen Aerger niemand zu Hause. Ich bin darauf zu Gustav und Wilhelm gegangen, die mich auch noch heraus nach Pforta begleitet haben. Ihr sendet mir doch bestimmt morgen die Kiste, vergeßt ja nicht das Paquet von Wilhelm, die Brille und einen Geburtsthaler beizulegen, den ich nothwendig zur Anschaffung eines Buches brauche. die beiden andern will ich mir zur Reise reservieren. Ich hoffe doch daß wir uns Sonntag in Almrich sehn, damit ich nicht wiede[r nach] Naumburg hetzen muß. Noch 7½ Woche, dann ist Weihnachten! Ich freue mich ganz erschrecklich darauf und ich werde mir die ganzen Ferien wieder ordentlich eintheilen. — Wir haben übrigens jetzt durch eine neue Einrichtung eine Stunde Schulgartenfrei von 4—5 täglich mehr. Weiter habe ich euch nichts zu schreiben, aber ich freue mich sehr auf Sonntag in Almrich! Wie geht es der Tante? — Adieu!

Euer Fritz.


     Spaziergang ¼3—¼5
     Breithaupt kommt.


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BVN-1861,85

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 19. November 1861]


Ich sage euch herzlichen Dank dafür, daß ihr mir die Bücher sogleich herausgesandt habt. Ebenso war es sehr hübsch daß wir uns Sonntag doch noch gesehen haben, besonders da erst Sonntag über 8 Tage eine Zusammenkunft möglich ist. Es scheint jetzt sehr kalt zu werden. die Fenster sind gefroren. Ich freue mich ungemein auf Weihnachten, das wird herrlich werden. Ich habe mir schon aller hand dazu vorgenommen und denke viel in meinem warmen Stübchen zu vollbringen — Natürlich habe ich auch schon viel über Weihnachtswünsche nachgedacht und bin ziemlich einig. Was wünscht denn Lisbeth sich? Ich könnte ihr mehere interessante Bücher vorschlagen. Ich schreibe nächstens an sie. Was ich euch schenken soll, weiß ich gar nicht; wenn ihr aber keine Wünsche habt, so bekommt ihr auch nichts. Was kann ich euch auch schenken etwas Komponirtes, Gezeichnetes Gedichtetes? Uebrigens ist Prof. Buchbinder diese Nacht durch ein kleines Mädchen erfreut worden.
     Sonst nichts neues.

Dein FW.


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BVN-1861,86

An Franziska Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 26. November 1861]


Liebe Mutter

Es ist heute die Reihe an mir, eine Trauerbotschaft zu überbringen. So eben, Dienstag Abend um sechs Uhr ist der Obersecundaner und Ordnungsgenosse von mir Wilhelm Peter, Sohn des Rektors, verschieden. Du kannst dir die Schnell[ig]keit seiner Krankheit kaum vorstellen. Gestern erst ernstlich krank war er am Nachmittag selbigen Tages schon vom Doktor aufgegeben, dennoch lebt er einen ganzen Tag noch im fortwährenden Phantasieren. Grund ist eine Erkältung, die Krankheit ein rheumatisches Fieber, das erst an die Nieren und zuletzt an das Herz getreten ist. Wir können es eigentlich noch gar nicht glauben, so unerwartet ist es gekommen. Das Jahr hat wirklich schon schwere Opfer von der Pforte gefordert, wie sich besonders am neulichen Todtenfeste herausstellte. Es ist sehr traurig!
     Wie geht es euch denn? Ich möchte so gern nächsten Sonntag etwas länger bei euch zubringen und besonders bei Domrich unsre Bücherangelegenheit besorgen. Kannst du mir nicht einen Brief schreiben auf irgend etwas? Es ist nächsten Sonntag erster Advent, worüber ich mich sehr freue. die schöne Weihnachtszeit kommt immer näher heran. Vielleicht schreibe ich Lisbeth noch einige Worte speziell über Weihnachten. Am vorigen Ecce wurde übrigens auch der selige Menzel als in diesem Jahre heimgegangner Pförtner [genannt]. Hr. Prof. Steinhart hielt eine sehr schöne Rede. Sonst weiß ich nichts mehr zu schreiben, außer daß ich täglich und stündlich die Kiste erwarte von wegen der Wäsche. Lebe recht wohl! Liebe Mamma!

Dein Fritz


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BVN-1861,87

An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende November 1861]


     von deinem Bruder Liebe Liese.

Da ich dir lange schon einen Brief schuldig war, will ich dir jetzt einen recht feinen schreiben, wenn nicht meine globige Feder mich daran hindern sollte. Ich werde dich wahrscheinlich von weiter nichts als von — Weihnachten unterhalten können. Es ist ja auch jetzt unser Lieblingsgedanke und ist es alle Jahre um diese Zeit gewesen. Stelle dir nun recht gemüthlich einen meiner ersten Ferienabende vor, wie wir in warmer Stube, mit oder ohne Lampe dasitzen und uns gegenseitig unsre Wünsche vorzählen. Währenddem bereitet drüben Mamma und Tante Rosalie geheimnißvolle Werke und
                    — wir lauschen,
                    wenn sie heimlich Worte tauschen;
                    und ein ungewöhnlich Rauschen,
                    bald ein Flüstern, bald ein Knistern
                    macht uns nach den Wundern lüstern,
                    und das geisterhafte Weben,
                    Hin- und wieder ’nüber Schweben
                    macht uns beben

usw.

     Ich hoffe, du wirst mit deinen Wünschen noch nicht so entschlossen sein, daß ich dir nicht wenigstens einige Vorschläge zur Güte machen könnte. Ich habe eine ziemliche Anzahl wünschenswerther Bücher und Musikalien aufgeschrieben und will dir so einiges mittheilen. Von letztern z. B. scheint mir sehr passend für dich ein Werk Schumanns, desselben, der die zerbrochne Fensterscheibe componirt hat. Und zwar sind es seine schönsten Lieder überhaupt; es ist „Frauenliebe und Leben“ Gedichte von Chamisso und muß so ungefähr 20 Srg. kosten. Der Text ist gleichfalls wunderschön. Von Büchern kann ich dir zuerst zwei theologische Werke anempfehlen, die dich und mich sehr interessieren werden. Ich habe sie selbst aus dem Munde Wenkels loben gehört, für dich sicherlich bedeutungsvoll. Beide sind von Hase, dem berühmten in Jena lebenden Professor, den ich selbst beinahe einmal gehört hätte, der nämlich der geistvollste Verfechter des idealen Rationalismus. „Das Leben Jesu“ (1,6) ist das eine und Kirchengeschichte (2 Th. 6) das andre. Beide oder vielmehr jedes einzeln ungefähr 1 [Th.], 15 Srg. — Schreib an mich, wenn du die spezielle Addresse haben willst. Oder willst du dir vielleicht ein englisches Buch wünschen? Ich an deiner Stelle würde ganz entschieden Byron englisch lesen, der 1 Th. 25 Srg. kostet. Ich könnte dir noch verschiedne Bücher aufschreiben, nun will ich meine Wünsche sagen. In Hinsicht auf Musik also wünsche ich mir Paradies und die Peri v. Schumann für Klavier solo arrangirt. Das ist etwas entzückendes für jedermann, also auch für dich. Dann Shelley’s poetische Werke übersetzt v. Seybt. Das erste kostet etwa 2 Thaler, wenn es durch Gustav besorgt wird. Das letztere 1 Th. 10 Srg. Ich würde mich ganz ungemein freuen, wenn ich beides bekäme, denn es sind meine einzigen Wünsche. Da fällt mir übrigens etwas ein, daß ich dir doch erzählen muß. Ich war nämlich Sonntag Mittag zu Hr. Dr. Heinse zu Tisch eingeladen, wo sehr fein gegessen wurde und noch hübscher gesprochen. Dann ist Dr. Volkmann der neue Lehrer bereit, englische Privatstunden zu geben. Es haben sich eine Menge gemeldet, ich denke aber doch erst Ostern beizutreten. Augenblicklich studiere ich ja italienisch noch privatim. Lateinisch, Griechisch Hebraeisch, wo das erste Buch Mose gelesen, Deutsch, wo das Nibelungenlied in der Ursprache gelesen wird, Französisch, wo in der Klasse Karl XII gelesen, in einem Kränzchen mit dreien außer mir Athalie, Italiänisch wo im Kränzchen Dante gelesen wird. Wenn das nicht vorläufig genug ist, da weiß ich nicht, besonders da im Lateinischen zugleich Vergil, Livius, Cicero, Sallust gelesen, im Griechischen Uias, Lysias, Herodot gelesen wird. Nun leb wohl und freu dich über diesen bedenklich langen Brief.

Dein Fritz.


Sonntag auf Wiedersehn in Almrich


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BVN-1861,88

An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Ende November 1861]


Menzel, Geschichte der letzten vierzig Jahre 1816—56.
               2 Bände
                    Stuttgart 1859 / 1 Th. 28 Srg.
Barrau, Geschichte der französischen Revolution 1789—99,
               2 Bände
                    Brandenburg 1859. / 1 Th. 6 Srg.
     Beides Berlin, Gsellius.

Liebe Lisbeth.
     Das sind meine Wünsche, die sich seit gestern in so weit geändert haben, daß ich mir überhaupt nichts musikalisches wünsche. Diese geschichtlichen Werke sind für mich aber außerordentlich wünschenswerth, Du mußt wissen, daß ich mich jetzt sehr für Geschichte interessire. Außerdem habe ich gar keine Wünsche; wenn du mir etwas schenken willst, so schenke mir ein Stück Streichpomade, die für meine Haare mir lieb wäre. Daß du dir Frauenliebe und Leben nicht schenken lassen wünscht, ist mir unlieb zu hören, erstens da die Opposition doch aus einem Munde herrührt, der mir überhaupt über solche Schönheiten kein Urtheil zu haben scheint, und zweitens, weil ich weniger an das Singen als an das Vorspielen gedacht habe. Zum Singen freilich möchte es jetzt für dich zu schwer sein, einzelnes wenigstens. Wenn du also nicht wünscht, da könnte ich dir andere Sachen von Schubert z.B. vorschlagen. Freust du dich nicht ganz entsetzlich auf Weihnachten? Es ist freilich schade, daß ich mir nichts musikalisches wünschen kann. Ich werde mir aber in den Ferien meheres abschreiben und es euch dann vorspielen. So ist es doch viel billiger. Wir wollen recht schöne Ferien verleben. Du kannst mir übrigens einen schleunigen Gefallen thun. Morgen brauche ich ganz unbedingt den Bettüberzug, sende ihn mir in der Kiste und außerdem den Band von Beckers Weltgeschichte, der die Reformation enthält, und den letzten Band der neusten Geschichte desselben Werkes. Bitte vergiß es ja nicht! Sonst habe ich nichts weiter zu schreiben. Mein erster Wunschzettel gilt also nicht mehr. Mache die Tanten aber mit dem neuen noch nicht vor Donnerstag bekannt. Bei der Bestellung achte ja auf dieselben Worte, wie ich aufgeschrieben habe. Lebe recht schön wohl! Grüße Mamma vielmahl wenn sie wieder kommt.

Dein Fritz.


     Nochmals anders entschlossen, aber auch nun fest. Ich habe die obigen Wünsche verworfen und wünsche mir
Arnd, Geschichte der französischen Revolution 1789—99.
     6 Bände. Braunschweig. 1851. gebunden.

Berlin, Gsellius 3 Thl.


     weiter nichts. Sag es den Tanten.


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BVN-1861,89

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, 5. Dezember 1861]


Liebe Mamma! wer gerade den
oder

}

Brief zuerst
Liebe Lisbeth! liest.

Du konntest dir denken, daß ich mich nach so vielen Veränderungen meiner Wünsche, noch einmal anders entschließen könnte, und so ist es denn auch wirklich gekommen. Ich bin auch wieder zur Musik zurückgekehrt, denn ich kann mir eine Bescheerung gar nicht recht ohne etwas Musikalisches denken. Ich hoffe, die Wahl ist gut, auch für dich. Ebenso ist das Buch höchst interessant, vielleicht auch für dich. Auf der andern Seite werde ich beides so aufschreiben, daß der abgerissne Zettel dem Buchhändler gezeigt werden kann. Eine Aenderung ist jetzt gar nicht mehr möglich, schon der Zeit wegen nicht. Der Gedanke kam mir über Nacht, denn ich schwankte sehr heftig. Ein Werk über französische Revolution mir zu wünschen, war eigentlich überflüssig, da die besten und theuersten Werke in der Bibliothek sind. Auch glaube ich immer bescheidner in meinen Wünschen geworden zu sein, natürlich ohne der Mildthätigkeit irgendwie Schranken setzen zu wollen. Ich danke dir übrigens schön, liebe Lisbeth daß du mir alles richtig besorgt hast, auch für die Aepfel danke ich recht sehr. Wie wird es denn mit Sonntag in Almrich? Bitte bringt mir doch den Wallenstein von der Tante Lina mit, wir haben eine Charakteristik des Antonio Piccolomini aus demselben zu machen. —
     Sonnabend über zwei Wochen! Es ist ein entzückender Gedanke! Ihr glaubt nicht, wie ich mich auf Weihnachten freue, das wunderschöne Weihnachten! Jetzt sind noch ziemlich Arbeits volle Wochen. Aber dann! Sonnabend früh als nur irgend möglich, komme ich, es wird herrlich! Nicht wahr, der Onkel Burkhardt ist mit den kleinen Kousinen doch auch mit da? Ist die Mamma wieder zurückgekommen? Schreibt mir nur recht bald!

Euer Fritz.


     Eine große Neuigkeit! Heute ist Donnerstag und morgen wird deshalb — Freitag sein —
     Wir verreisen doch nicht etwa Weihnachten? Vorigen Sonntag bin ich noch etwa 7 Minuten bei Gustav gewesen, der mich dann nach Pforta begleitete. —
     Erkältungen sind jetzt überaus häufig. die Krankenstube ist übervoll, es sollen neue Räume eingerichtet werden, Breithaupt ist auch drüben. Ich leide an Heiserkeit und Schnupfen. Weihnachten macht alles gut!
     Uebrigens habe ich noch einen Wunsch, nämlich irgend eine Photographie eines lebenden berühmten Mannes, z. B. Liszt oder Wagner oder eine Photographie aus dem Sheakspearealbum des berühmten Kaulbach (z. B. zu Makbeth) eine einzelne kostet allerdings 27½ Srg. Es soll eine Zierde für mein Album sein. Sie sind großes Format.
     Ihr seht jedenfalls, daß ich die mannichfachsten Wünsche habe. Ihr müßt mir nun aber auch so schreiben, was ihr euch wünscht.


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BVN-1861,90

An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

[Pforta, Dezember 1861]


Wie hübsch war es doch, daß wir uns gestern etwas länger sprechen konnten. Ich bin ganz zur rechten Zeit wieder in Pforta angelangt; der Weg war nicht mehr so schmutzig wie am Vormittag. Ich sende euch außer meherer schmutziger Wäsche auch einen Brief, den ihr an Wilhelm oder Gustav abgeben möcht. die Zeit vergeht übrigens doch allzu langsam, seit gestern erst ein Tag! Wie lang wird’s da noch bis Weihnachten sein! Ich habe übrigens den Gedanken, daß wir doch in den Ferien Wilhelm und Gustav einmal Abends zum Thee einladen könnten. Du wirst es doch wohl erlauben? Im Betreff meiner Wünsche muß ich noch erwähnen, daß die Lieder Mignons, des Harfners, und Philinens op. 98a. sind, was bei der Bestellung nicht zu vergessen wäre. Ich habe jetzt eigentlich rechte Hoffnung in Betreff meiner Wünsche und die laßt nicht zu Schanden werden. die ersten 8 Tage werde ich noch sehr viel zu thun haben, das ist mir ganz klar, wenn ich nur alle Morgen von ½10—12 und Nachmittags von 1—3 allein sein kann. — Bekommen wir denn gar keine Stollen von irgend wem geschenkt? — Habt ihr denn Tinte, damit sie, wenn ich da bin, nicht fehlt? Könnt ihr mir nicht aus Pobles den Don Juan herbeischaffen, der das Unglück hat, immer vergessen zu werden? Diesmal wollen wir übrigens zu Neujahr aufbleiben und uns mit allen vorher darauf einrichten, wir können Theaterstücke lesen, Thee trinken, Verse machen, Klavier mit vier Händen und vier Beinen klimpern, unsre pyramidalen Todtenkränze mit den berühmten 1444 Plätzchen von einem Ei abtanzen. Kurzum alles machen, nur nicht schlafen! Bis jetzt haben wir noch in diesem Logis nichts zu stände gebracht, es soll aber schon werden. — Aepfel wollen wir nicht an den Baum hängen, aber Nüsse und Zuckerwerk. — Soll ich vielleicht den Tanten draußen die eigentlich für Tante Rosalie bestimmte Zeichnung schenken? Sonst habe ich euch nichts weiter zu schreiben, beeilt euch indessen mit Weihnachtsvorbereitungen, damit es nicht zu spät wird. Schenkt mir nur recht viel, auch allerhand Kleinigkeiten, z. B. ein Notizbuch, mein jetziges ist ganz voll und dann Notenpapier in der mir beliebten Façon, das muß aber bestellt werden, da es nicht vorräthig ist. Nun lebt recht schön wohl!

Viele Grüße
von mir!

Dein Fritz!


Ich hatte die Unterschrift vergessen.


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de/nietzsche/briefe/1861/1861.txt · Last modified: 2017/02/11 09:09 by babrak