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de:nietzsche:briefe:1864:bvn-1864_51

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 +====== BVN-1864,51 ======
 +==== An Franziska Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​[Bonn,​ 7. und 9. Dezember 1864]</​WRAP>​\\
 +
 +Liebe Mamma,
 +
 +Endlich kann ich Dir  heute bestimmte Nachricht geben über mein Verbleiben während der Weihnachtsferien. Ich muß leider in Bonn bleiben, da ich zu Deussens nicht gehen kann. Sie haben sich diesmal speziell entschuldigen lassen, da ihr Haus Weihnachten zu voll wäre. Neulich war der alte Pastor Deussen hier und hat bei mir zu Tisch gegessen; es gefiel ihm recht wohl. Es thut mir eigentlich leid, daß ich Weihnachten nicht in einem Familienkreis zubringen kann. Ebenso kann ich es nur billigen, wenn ihr Weihnachten zu Verwandten verreist, damit ihr nicht etwa durch meine Abwesenheit traurig würdet. Lieb wäre mir aber zu wissen, wo also in den Weihnachtstagen ein Brief von mir euch träfe.\\
 +<​tab>​Ueber Deinen Brief, den ich Sonntag Abend zurückkehrend von einem Spaziergang fand, habe ich mich ungemein gefreut, da er mir ein anschauliches und eingehendes Bild eurer gegenwärtigen Verhältnisse entwarf. Also eine Sonntagfreude habt ihr mir gemacht, und ich muß doch heute so wohl Dir liebe Mamma als der freundlichen und höchst gelehrt schreibenden Elisabeth einzeln antworten. Daß das böse Augenübel vorüber ist, freut mich recht, habe doch auch ich indirekt davon zu leiden gehabt. Die Betrübnisse von wegen der Bälle und Freundschaften habe ich doch nicht ohne Lächeln lesen können, und Du wirst mir dies nicht übelnehmen,​ liebe Mamma. Gebe Gott, daß es nie größere Sorgen giebt.\\
 +<​tab>​Was nun das bevorstehende Fest betrifft, so ist es in der Ordnung, einige Wünsche zu äußern, besonders da ihr mich darnach fragt. Da würde ich denn einen musikalischen und einen philologischen Wunsch äußern
 +
 +<WRAP centre>​Musik zu Manfred von Robert Schumann\\
 +Klavierauszug. \\
 +Aeschylos. ed. Godofredus Hermannus.</​WRAP>​
 +
 +<​tab>​Gerade diesmal, wo ich das Fest allein verlebe, werde ich wie ich glaube, Geschenke um so höher zu schätzen wissen, und ich freue mich sehr darauf, Deine wohlthuende Sorgfalt und Sorglichkeit auch im Einzelnen und Kleinen zu erkennen.\\
 +<​tab>​Nun muß ich Dir  doch einiges aus meinem Leben erzählen. Morgen Abend bin ich zu Prof. Schaarschmidt eingeladen und übermorgen beginnt unser dreitägiger Stiftungscommers,​ der ziemlich großartig werden wird. Das Leben in der Verbindung ist ein durchaus straffes und lebendiges. Parlamentarischer Ton wird streng gehandhabt; es sind sehr tüchtige Elemente darin. Du solltest nur unsre lebhaften Debatten in unseren Conventen hören. Wiederum zieht mich das Verbindungsleben nicht zu sehr vom Arbeiten ab, im Gegentheil ist der Umstand, daß meistens Philologen zusammen sind, recht fördernd. Wir besuchen im Allgemeinen die Collegien sehr fleißig. Zu unserm Stiftungscommers sind auch Schaarschmidt,​ Jahn, Springer eingeladen.\\
 +<​tab>​Nun,​ ich hoffe, wenn wir uns Ostern sehn, wird unsre gegenseitige Freude eine sehr große sein.\\
 +<​tab>​In den Weihnachtstagen bleiben die Meisten der Unsern hier, da die Ueberzahl aus den nördlichen und oestl. Provinzen Preußens ist. An einem Tage wollen wir einen großen Musikabend veranstalten,​ da wir fast sämmtlich musikalisch sind. Als Kneipnamen oder wie ihr sagt, Spitznamen habe ich jetzt den Namen „Gluck“ bekommen. Du kannst daraus sehn, daß ich musikalisch „auf dem Damm bin.“\\
 +<​tab>​Wie überhaupt. Das läßt sich gar nicht ableugnen. Gestern Abend saßen Deussen und [ich] lange lange bei Thee zusammen und lasen eine griechische Tragoedie. Heute Nachmittag ist Fuchskränzchen,​ heute Abend Kneipabend.\\
 +<​tab>​Nun ist der Brief doch noch etwas liegen geblieben. So kann ich Dir  denn noch vom Abend bei Prof. Schaarschmidt erzählen. Seine Frau ist eine Holländerin,​ und wir haben beide zusammen über rheinisches Essen und rheinische Unreinlichkeit geschimpft; sie will mich nächstens einmal zu Holländisch[er] Küche einladen. Der Prof. ist urgemüthlich,​ Berlinerkind;​ wir haben ebenso angenehm uns unterhalten als gegessen.\\
 +<​tab>​Unsre Commersgäste treffen ein, ich habe eben noch für heute Abend Bierzeitung geschrieben,​ fabelhaften Unsinn.\\
 +<​tab>​An Marie Deussen habe ich zu ihrem morgenden Geburtstag einige eigne Lieder geschickt, ich finde das sehr artig von mir, es ist das Beste, wodurch ich meine Erkenntlichkeit beweisen kann.\\
 +<​tab>​Nun,​ liebe Mamma, lebe recht wohl und denke viel an mich. Vergeßt mir den Manfred nicht und auch nicht
 +
 +<WRAP right>​mich.</​WRAP>​
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
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 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
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 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1864/bvn-1864_51.txt · Last modified: 2015/09/02 18:23 (external edit)