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de:nietzsche:briefe:1864:bvn-1864_8

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 +====== BVN-1864,8 ======
 +==== An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​[Pforta,​ vermutlich 13.März 1864]</​WRAP>​\\
 +
 +Liebe Mamma und Lisbeth.
 +
 +Es ist Sonntag Morgen; und da ich wiederum die bestimmte Aussicht habe, heute nicht nach Naumburg kommen zu können — denn ich bin diese Woche Wocheninspektor — setze ich mich hin, um euch durch diesen Brief und durch Schenk Nachricht von meinem Befinden zukommen zu lassen. Gegenwärtig ist meine Gesundheit leidlich, ich habe viel zu thun und bin trotzdem immer etwas verstimmt, weiß aber kaum, warum. Indessen geht es noch so leidlich, ich habe aber wenig Vergnügen und hie und da Betrübnisse. Neulich war ich ein paar Tage auf der Krankenstube und glaubte den Ziegenpeter zu bekommen, der jetzt in Pforte sehr grassirt und ungefähr 30 auf der Krankenstube hält. Es ist aber glücklich vorübergegangen.\\
 +<​tab>​Nächsten Sonntag habe ich wieder großen Spaziergang,​ und ich werde zu euch kommen, vorausgesetzt,​ daß ihr es wollt. Vielen Dank für euren Brief und für die Kiste; auf beides hatte ich sehr gewartet. Leider kann ich nun deinem Wunsche in Betreff der Wäsche gegenwärtig nicht völlig nachkommen; was ich habe, will ich schicken, aber nur das schmutzige. Gerade das aber, was die Reparatur am nöthigsten braucht, die Hemden, kann ich nicht senden, denn ich habe sie eben gewaschen bekommen.\\
 +<​tab>​Neulich habe ich auch mein Militärzeugniß von der Behörde aus Merseburg geschickt bekommen; nach ihm muß ich spätestens bis zum 1 Oct. 1867 eintreten. Ich will es euch bei Gelegenheit mitbringen. Die Schwäche meiner Augen ist drin erwähnt, sonst bin ich für gesund und kräftig und also zum Militärdienst tauglich bezeichnet worden.\\
 +<​tab>​Meine Augen werden offenbar schlechter, das Lampenlichtarbeiten stört und belästigt mich sehr. Wenn nur erst die bessere Jahreszeit beginnt! Ich will viel spazierengehn und — meine einzige Hülfe — auf der Universität meinen Augen gemäßer leben als ich es hier kann. — Habt ihr übrigens nicht ein Mittel gegen Heiserkeit?​\\
 +<​tab>​Von Wilhelm und Gustav höre ich nichts, sie werden schon ein gutes Examen machen. Die Glücklichen! Sie haben nun bald überstanden.\\
 +<​tab>​Klingt der Brief nicht, als ob ich euch etwas vorjammern wollte? Es ist wirklich ärgerlich; indeß warum kann ich auch heute nicht spazieren gehn! Es ist auch etwas verstimmend. Warum passirt einem hier und da eine Ungelegenheit! Es ist auch etwas fatal. Indessen wenn der Magen gesund ist, verträgt er auch schlechte Kost. Wenn er aber nun nicht gesund ist! — Ja, mit Respekt zu sagen, dann giebt er sie wieder von sich.\\
 +<​tab>​Wohlan! Thun wir dies!
 +
 +<WRAP right>​Lebt recht wohl, Mamma\\
 +und Lisbeth!\\
 +Euer Fritz.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
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 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
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 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1864/bvn-1864_8.txt · Last modified: 2015/09/02 18:23 (external edit)