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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_14

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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_14 [2015/10/14 17:29] (current)
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 +====== BVN-1868,14 ======
 +==== An Friedrich Ritschl in Leipzig ====
  
 +<WRAP right>​Naumburg am 26t. Mai 1868.</​WRAP>​\\
 +
 +Hochverehrter Herr Geheimrath,
 +
 +was Himmel, werden Sie heute sagen, soll das dicke Manuscript? Eine üble Angewohnheit des jungen Mannes, keinen Brief ohne solch einen Begleiter abschicken zu können! — Und doch würde ich mich sehr betrüben, wenn die mitfolgende Arbeit auch nur einen einzigen mißgünstigen Blick deshalb abbekäme, weil ich gerade der Absender bin. In der That ist der Verfasser derselben ganz unschuldig daran, daß ich neuerdings Sie mit meinen Manuscripten bombardiere — was Sie vielleicht dem depravierenden Einflüsse des Feldartilleriedienstes zuzuschreiben haben. Diesmal sind Verfasser und Absender verschiedne Personen: und gerade dem Ersteren wünsche ich für seine litterarische Schiffahrt die günstigsten Winde und die freundlichsten Sonnenblicke. Das beiliegende Blatt wird Ihnen den Namen des Bekannten-Unbekannten verrathen: auf den übrigens Horaz anspielt, wenn er sagt hie Rhodus, hie salta.\\
 +<​tab>​Ich selbst habe heute nur zweierlei noch auf dem Herzen. Zuerst habe ich meine Dankbarkeit Ihnen auszudrücken für die fabelhafte Geschwindigkeit,​ mit der Sie die Danae unter Dach und Fach gebracht haben. Zu zweit bin ich Ihnen einen Bericht über meine Gesundheit schuldig: und ich möchte wohl über diesen Punkt etwas Besseres schreiben dürfen, als ich darf. Die Wunde am Brustbein ist immer noch offen, und die Eiterung hat auch angefangen, den Knochen zu infiltriren,​ so daß neulich zu meinem Erstaunen ein Stück meines Gebeines, ein Knöchelchen,​ zum Vorschein kam. Nun beschieße ich die innere Eiterungshöhle eifrig mit Kamillenthee und Höllensteinauflösung,​ bade auch wöchentlich dreimal in warmem Wasser. Mitunter geht mir etwas die Geduld aus; im Ganzen aber hält mich eine starke philologische und philosophische Beschäftigung stramm und aufrecht. Auch vertröste ich mich mit der Zukunft, zB. mit der Aussieht auf eine Pariser Reise, die ich im nächsten Jahre antreten will. Oder ich denke an die schöne Zeit, die mir hoffentlich der Herbst bringt, eine Zeit, in der es mir vergönnt sein wird, wieder in der Nähe des Mannes zu leben, als dessen treuen Anhänger sich unterschreibt
 +
 +<WRAP right>​Friedrich Nietzsche.</​WRAP>​
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
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 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_14.txt · Last modified: 2015/10/14 17:29 by babrak