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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_2

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 +====== BVN-1868,2 ======
 +==== An Friedrich Ritschl in Leipzig ====
  
 +<WRAP right>​Naumburg Donnerstag 13 Febr. 1868.</​WRAP>​\\
 +
 +Hochverehrter Herr Geheimrath,
 +
 +diesmal habe ich recht lange und dazu recht unnützer Weise warten lassen und warten müssen; und schließlich nach diesem langen Zeiträume kommt nicht einmal die versprochne Volkmannsche Abhandlung in Ihre Hände. Es ist mein Trost, daß außer mir niemand einen Schaden von diesem langweiligen Zaudern hat: aber ich brauche auch nicht zu verschweigen,​ daß ich keine Schuld daran habe.\\
 +<​tab>​Genug,​ Freund Volkmann will nicht mehr, daß ich auf ihn warte, da er noch lange nicht mit seinem Aufsatze fertig ist. Offenbar hat er sich arg in der Zeit verrechnet: doch das darf man einem preußischen,​ speziell einem pförtnerischen Schulmanne nicht übel nehmen.\\
 +<​tab>​Während dieser ganzen Zeit ist auch mein Laertianum draußen in Pforte gewesen: seit gestern habe ich das Ding ein paar Mal durch gelesen und durch corrigiert, so weit mir Ihre vortrefflichen Censurstrichlein dazu Anleitung gaben.\\
 +<​tab>​Eine Vorrede, hochverehrter Herr Geheimrath, habe ich nicht geschrieben und bitte Sie deshalb um Verzeihung. Erstens wollte ich nicht gleich auf der ersten Seite dem Publikum gestehen, daß dies eine prämiirte Arbeit ist: wodurch die Stellung des betreffenden Publikums zu dem unscheinbaren opus sogleich verändert wird, und alle möglichen persönlichen Rücksichten,​ Neigungen und Abneigungen bei dem Leser aufzutauchen pflegen. Noch weniger aber habe ich Lust sogleich selber auszusprechen,​ was an der Arbeit mangelhaft sei und einer weiteren Ausführung bedürfe: was dann für Gründe einer Umarbeitung augenblicklich entgegenstehen. Es drängt mich ja niemand, daß das Werkchen jetzt schon öffentlich werde: warum sollte es nicht noch ein Jahr liegen und der Verbesserung entgegenreifen?​ Wenn ich trotzdem selber froh bin, daß es nun bald gedruckt wird, so liegt das in Gründen, mit denen das Publikum gar nichts zu thun hat. Vor allem habe ich dadurch wieder eine Arbeit vom Gewissen und darf mich wieder frei nach andern schönen Dingen umsehn usw. Wenn ich später einmal genöthigt sein werde Nachträge zu schreiben, so ist das eine Gelegenheit,​ mich über Ursprung, nächsten Zweck der Arbeit und andre persönliche Dinge auszulassen.\\
 +<​tab>​Wie die Arbeit nun ist, wird sie, denke ich druckfertig sein; sie mag ungefähr 60—70 Seiten einnehmen, wenn man solche Lettern und solche Spatien anwendet, wie sie beispielsweise zu Brambachs Aufsatz de Romanorum re militari Band XX p. 599 ss. gebraucht worden sind: und wie sie mir recht gefallen. —\\
 +<​tab>​Wenn ich zum Schluß noch erwähne, daß ich den ganzen Tag von Morgen bis Abend durch meine militärischen Aufgaben und Dienstleistungen beschäftigt bin, so geschieht es nur, um einen neidischen Blick auf jene Zeit zu werfen, wo es mir öfter freistand, eine behagliche Mittagsstunde mit Ihnen durchzusprechen und dabei meine Wünsche und Absichten Ihnen auszubreiten:​ während jetzt mir nur vergönnt ist, mit kalter Tinte auf kaltes Papier zu schreiben, daß ich in warmer Verehrung verharre
 +
 +<WRAP right>​Ihr treuer Schüler\\
 +Friedrich Nietzsche.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
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 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_2.txt · Last modified: 2015/10/14 17:13 by babrak