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Aphorisms -- in context.

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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_28

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 +====== BVN-1868,28 ======
 +==== An Hermann Mushacke in Berlin ====
  
 +<WRAP right>​Naumburg. [August 1868]</​WRAP>​\\
 +
 +Lieber Freund
 +
 +recht lange hast Du gar keine Nachricht von mir bekommen, und so hast Du wahrscheinlich gar nichts davon erfahren, daß mein Militärdienst ein unangenehmes Zwischenspiel gehabt hat, in Gestalt einer langwierigen,​ schmerzhaften und nicht ungefährlichen Krankheit.\\
 +<​tab>​Jetzt,​ wo alles überwunden ist, denke ich mit herzlichem Schauder an jene Märztage, wo das Übel anhob, das auch in der Mitte des vorigen Monates noch nicht gehoben war. Im Grunde waren es zwei Leiden, jedes einzeln schmerzhaft genug, um einem das Leben zu verleiden, 1. eine Zerreißung zweier Brustmuskeln 2. Beschädigung des Brustbeins, von dem sich ein Knöchelchen nach dem anderen durch die Eiterkanäle entfernte. Die verschiedenen Ärzte die ich gebrauchte, waren nicht im Stande die Eiterung zu hemmen, so daß ich mich endlich dh. nach Verlauf eines Vierteljahrs an eine Autorität ersten Ranges in chirurgischen und operatorischen Angelegenheiten wandte, an den Prof. Volckmann in Halle. Dieser bestimmte mich in seine Nähe zu ziehn, und so habe ich denn 5 Wochen in Bad Wittekind zugebracht. Der Heilungsprozeß war wiederum reich an Schmerzen: aber der Erfolg war glänzend, und in seiner Schnelligkeit selbst für Volkmann überraschend.\\
 +<​tab>​Und was hast Du, mein lieber Freund, gemacht? Ich werde dreist auf das Couvert „Herrn cand. phil. H. Mushacke“ schreiben und hiermit zugleich den Wunsch aussprechen,​ daß Du candide aus dieser Misère hervorgegangen seist. Wenn Du nach diesen Überspannungen der Körper- Denk- und Gedächtnißkräfte Neigung fühlst, im traulichen Gespräch mit einem Freunde auszuruhn, mit lächelnder Zuversicht Zukunftspläne auszumalen, neue Hoffnungsfäden zu spinnen und alte vergangne Tage und Freuden wiederzukäuen — dann komm entweder nach Naumburg oder (wenn Du noch bis Oktober warten willst) nach Leipzig oder (wenn Du noch bis Neujahr warten magst) nach Paris. Denn dorthin richten sich seit längerer Zeit schon meine Augen: ein Jahr werde ich jedenfalls dort arbeiten: und wie glücklich wäre ich, wenn ich es im Verein mit guten Freunden thun könnte. Dies ist auch wirklich nicht unwahrscheinlich:​ Rohde z. B. begleitet mich jedenfalls, vielleicht auch Kleinpaul und Romundt. Also überlege Dir bestens diesen Plan und vergegenwärtige Dir, welchen Effekt so eine ganze Kolonie deutscher Gelehrten machen muß.\\
 +<​tab>​Im Übrigen habe ich noch eine Bitte an Dich. Kannst Du mir nicht den Wortlaut des philologischen Preisthemas,​ das die Akademie gestellt hat, anführen? Es betrifft eine Sammlung der Fragmente der älteren Peripatetiker. Ist zB. Theophrast mit eingeschlossen?​ Ich bitte Dich herzlich, Dich für diese Sache ein wenig zu interessieren und mir eine gefällige Mittheilung zu machen. —\\
 +<​tab>​Es fällt mir eben ein, daß ein längerer Aufenthalt in Paris für Deine romanischen Sprachstudien sehr wesentlich, ja unerläßlich sein wird. Ich bin fest überzeugt, daß Dein verehrter Herr Vater mit Freuden zu diesem Plane Ja sagen wird. Grüße doch Deine hochgeschätzten Angehörigen auf das Angelegentlich[s]te von
 +
 +<WRAP right>​Deinem\\
 +treuen Freunde\\
 +Friedr Nietzsche.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_28.txt · Last modified: 2015/10/14 17:40 by babrak