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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_35

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 +====== BVN-1868,35 ======
 +==== An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​[Leipzig,​ 18. Oktober 1868]</​WRAP>​\\
 +
 +Liebe Mutter und Schwester,
 +
 +bis jetzt ist alles, wie es scheint, gut abgelaufen; aber ich will mich hüten, zu frühzeitig darüber abzuurtheilen. Wirklich habe ich es so gemacht, wie Freund Windisch es mir vorschlug: ich habe mich gewissermaßen bei Prof. Biedermanns in Pension gegeben, weder zu einem billigen, noch zu einem übermäßigen Preise. Wenn diese Manier zu wohnen nur den einen Vortheil hat, mir Zeit zu sparen und mich an das Haus festzuhalten — so ist dies schon nicht wenig; immerhin aber ist mir ein derartiges Verhältniß zu fremd, um bestimmt behaupten zu können, daß es mir auf die Dauer gefallen werde. — Die Familie, in der ich Mittag und Abend esse, ist erträglich,​ die Küche, um nach den wenigen Proben zu urtheilen, die mir vorliegen, nicht schlecht, mein Zimmer groß, etwas öde, aber mit sehr hübscher Aussicht, die Gegend sehr ruhig, Schlafkammer hübsch geräumig und hell; dabei wohne ich an der Promenade, in einem Garten, im zweiten Stock. Das ist die Aufzählung der Vortheile und Vorzüge. Die monatliche Pension für Logis, Frühstück,​ Mittag, Abend, Bedienung, Beleuchtung beträgt 25 Thaler. Wie denkt Ihr über einen derartigen Preis? Meine Freunde finden ihn annehmbar — daran zweifle ich auch nicht; es fragt sich aber, ob er ausgebbar ist.\\
 +<​tab>​Meine Bücherkiste ist noch nicht angekommen: ein Beispiel der Bummelei, das mir sehr verdrießlich kommt. Was fällt denn diesen Naumburger Packknechten ein? — Um so billiger und schneller war der Transport meines Bettballens und der zwei Kisten, die ich als Passagiergut mitnahm: ich habe 8 Srgr zu zahlen gehabt.\\
 +<​tab>​Die zwei ersten Tage habe ich in Stadt Dresden gewohnt. Von Seiten Ritschls freundliche Aufnahme. Roscher, Windisch und Romundt sind die einzigen vorräthigen Bekannten. Das Wetter ist heute, am Tage meines Einzugs (18 Oktob.) recht sonnig und mild; für Heizung habe ich monatl. 2 Thal. zu zahlen. Mit dem heutigen Tage ist die Messe zu Ende gegangen; und damit sind wir von dem Fettgeruch und den vielen Juden glücklich erlöst. Bei Tisch übrigens ist auch ein Franzose, ein Monsieur Flaxland, zugegen, von dessen Sprache ich eigentlich //nichts// verstehe.\\
 +<​tab>​Nun,​ wünschen wir, daß diese Existenz sich erträglich macht; ich erwarte nicht viel und fordere noch weniger: also!\\
 +<​tab>​Meine Adresse wird sein Hr Dr Nietzsche, Leipzig Lessingstraße 22, 2 Trepp.\\
 +<​tab>​So lebt denn bestens wohl und denkt vergnügt Eures Sohnes und Bruders, weiland Kanoniers und Scheusals
 +
 +<WRAP right>F. N.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_35.txt · Last modified: 2015/10/14 17:51 by babrak