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Aphorisms -- in context.

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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_39

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 +====== BVN-1868,39 ======
 +==== An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​Leipzig am 30 Okt. 1868.</​WRAP>​\\
 +
 +Liebe Mutter und Schwester,
 +
 +zunächst einige praktische Dinge. Mit der übersandten Wäsche hin ich wohl einverstanden,​ doch erscheint es mir, als ob die Hemden noch recht grau aussehn: im Übrigen passen sie gut, und es schadet nichts, wenn Du noch einige hinzukaufst. Meine Wäsche lasse ich in einer Dampfwäscherei in meiner Nähe waschen: und dies nach dem Rathe der Prof Biedermann, die übrigens eine Biederfrau ist. — Ist die Majorennitätsangelegenheit immer noch nicht geordnet? Die Herren am Gericht bummeln gewaltig. Freund Wilhelm gratulirt übrigens bestens in meinem Namen und erinnert ihn an sein Versprechen. —\\
 +<​tab>​Ich selbst glaube bis jetzt zufrieden sein zu können. Wirklich bringt es die größere Häuslichkeit meiner Wohnung und meiner Tageseinrichtungen mit sich, daß ich viel zu Hause bin: was ja allein schon ein großer Vortheil ist. Mein Zimmer ist, besonders seitdem die Bücher aufgestellt sind, recht behaglich, obwohl es ziemlich groß ist und keinen Überfluß an Möbeln enthält. Auch mit dem Mittags- und Abendtisch bin ich zufrieden; ich merke doch, daß ich gar nicht so schrecklich verwöhnt bin. Die Familie hat mancherlei erlebt und in Folge mancherlei zu erzählen: sie besteht, außer den beiden Alten, aus einem Sohne, der Chemiker ist und in Möckern auf der Versuchsstation arbeitet, der also nur Sonnabend und Sonntag im elterlichen Hause zubringt; dann aus einem zweiten Sohn, der die Schule besucht, endlich aus zwei Töchtern, die eine etwa 15, die andre etwa 19 (über welchen Zeitpunkt man sich leicht täuschen kann, wie //unser// häusliches Exempel zeigt) Unser Tischgenosse ist dann ein kleiner Pariser, der deutsch lernt und sehr drôle ist: sein Französisch zu verstehn ist mir auch jetzt noch eine Unmöglichkeit,​ da er eine ganz unglaubliche Schnelligkeit der Zunge hat.\\
 +<​tab>​Schließlich hat der Umgang mit dieser Familie den Vortheil, interessante Leute kennen zu lernen; so erwarten wir in diesen Tagen unsern //​definitiven//​ Theaterdirektor Heinrich Laube aus Wien, der zu den intimeren Freunden des Biedermannschen Hauses gehört.\\
 +<​tab>​Die Frau Biedermann ist übrigens die Schwester des sehr angesehenen Leipziger Oberbürgermeisters Koch, und er, der Professor und Redakteur, ist, //im Vertrauen gesagt//, der natürliche Bruder des Minister Beust: seine Persönlichkeit und sein Charakter genießt in Leipzig die allseitigste Achtung, besonders auch deswegen, weil jene verwandtschaftlichen Bezüge ihn nie vermocht haben, dem Ministerium Beust eine Concession zum Schaden seiner politischen Überzeugung zu machen. — Übrigens hat er eine große politische Vergangenheit hinter sich: als deutscher Reichspräsident etc.\\
 +<​tab>​Doch ich will jetzt den Kasten fertig machen: sonst überrumpelt mich noch die Botenfrau.
 +
 +<WRAP right>​Somit lebt bestens wohl und\\
 +denkt gern an\\
 +Euren\\
 +F. N.</​WRAP>​
 +
 +----
 +
 +<​tab>​Der Buchbinder Jacobi hat noch, so viel ich weiß, zwei Bände des rhein.Mus.: schickt sie mir gelegentlich.
 +
 +<​tab>​Adr. Leipzig, Lessingstr. 22, 2 Tr.
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_39.txt · Last modified: 2015/10/14 17:56 by babrak