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Aphorisms -- in context.

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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_46

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 +====== BVN-1868,46 ======
 +==== An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​[Leipzig,​ Ende November/​Anfang Dezember 1868]</​WRAP>​\\
 +
 +Liebe Mutter und Schwester,
 +
 +ei wie sträflich lange habe ich nichts von mir hören lassen; obwohl meine Schuld nicht so groß ist als sie scheint, da ich inzwischen einmal an Euch geschrieben habe, aber versehensweise den Brief, der fix und fertig war, nicht abgeschickt habe. Jetzt wo ich ihn noch einmal überlese, halte ich es nicht für nöthig, dies geistvolle Machwerk Euch zukommen zu lassen, aber im Auszug will ich mittheilen, was ich in ihm Euch zu erzählen hatte.\\
 +<​tab>​Jener Brief gieng von der Annahme aus, daß meine speziellen Arbeiten resp. ihre Förderung Euch gerechtermaßen wenig Spaß machen könne, dagegen meine plaisirs und Ähnliches resp. ihre Erzählung billigen Anspruch auf Eure Theilnahme hätten. Zu diesen plaisirs rechne ich zB. auch den Empfang Eurer letzten Epistel sammt ihrem poetischen Nachspiel und ihrer prosaischen Beilage. Letztere habe ich, in voller Anerkennung der in ihr bekundeten Fähigkeiten,​ Wünsche und Absichten, doch ohne eine genauere Prüfung vorzunehmen,​ in den Kasten gesteckt, als wo sie noch jetzt ungelesen schlummert. Erstere könnte mich erst dann zur Nachahmung reizen, wenn es mir gelingen sollte, in ihren Sinn tiefer einzudringen,​ als es meinen bescheidenen Kräften bis jetzt möglich war.\\
 +<​tab>​Zuerst will ich registrieren,​ was an sogenannten Gesellschaften der Winter mir bis jetzt vorgesetzt hat. Also ein Abend neuerdings bei Ritschls, gestern vor 8 Tagen bei Brockhausens mit viel Volk, Männchen und Weibchen; heute Einladung bekommen zum nächsten Professorium,​ wiederum von Brockhausens. Morgen angenehmes Mittagsessen mit den soeurs Klemm; in nächster Woche von mir arrangirter Herrenabend in meiner Wohnung, eingeladen werden alle, die mir Besuche gemacht haben. Vorigen Donnerstag war ich im Gewandhause,​ Billet bekommen von Brockhausens. Sonntag Nachmittag bin ich im Rosenthale herumgaloppirt;​ ich reite wieder, und ohne Beschwerde.\\
 +<​tab>​Weihnachten also, wie ich schon neulich erwähnt habe, kann ich nur auf kurze Zeit nach Naumburg kommen, da ich in vielen Studien drin stecke. Was die Geschenke betrifft, so bitte ich um Entschuldigung,​ wenn ich unmöglich die gewünschten Lieder niederschreiben kann, weil mir zu allen der Text, zu einigen sogar die Musik fehlt. Meine eignen Wünsche müssen fachmäßig sein; doch brauche ich soviel, daß ich lieber nichts schreiben will, und es dem weiblichen Spürsinn überlassen bleiben soll, sich zu quälen und schließlich zu wählen.\\
 +<​tab>​Rohde hat länger zu leiden gehabt an seinem schleichenden Fieber, Windisch ist bis über die Ohren beschäftigt und der gute Einsiedel (der schon länger an der Brust litt) in diesen Wochen gestorben. —\\
 +<​tab>​Laßt es Euch wohl gehn und denkt gelegentlich an
 +
 +<WRAP right>​Euren Sohn und Bruder\\
 +F.N.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_46.txt · Last modified: 2015/10/14 18:03 by babrak