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Aphorisms -- in context.

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de:nietzsche:briefe:1868:bvn-1868_5

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 +====== BVN-1868,5 ======
 +==== An Friedrich Ritschl in Leipzig ====
  
 +<WRAP right>​Naumburg den 17 Febr. 1868.</​WRAP>​\\
 +
 +Hochverehrter Herr Geheimrath,
 +
 +in diesen Tagen, wo mich ein Unwohlsein an das Zimmer fesselte, richteten sich meine Blicke vorwärts, über das Militärjahr hinweg; und dabei ist mir eingefallen,​ daß ich Ihnen noch eine Bitte vorzulegen habe. Vielleicht erzählte ich Ihnen schon, daß ich früher die Materialien zu einer Doktordissertation gesammelt habe, welche sich mit der Frage nach Homers und Hesiods ἰσοχρονία befassen soll. Erwarten Sie nicht, daß ich hierin einen anachronistischen Standpunkt der Wissenschaft vertreten werde: zunächst will ich nur untersuchen,​ worauf jener Glaube sich stützt und wie er sich im Verlaufe der Zeit ausgebildet hat. Dabei kommt übrigens wiederum einmal der epische Cyclus und die Zeit seiner Entstehung zur Sprache und hoffentlich nicht ohne einige neue Gesichtspunkte.\\
 +<​tab>​Was mir nun zu dieser Arbeit die wesentlichste Unterstützung böte, das wäre eine neue Collation der kleinen Schrift περὶ Ὁμήρου καὶ Ἡσιόδου καὶ τοῦ γένους καὶ ἀγῶνος αὐτῶν,​ die zwar unzählige Male abgedruckt ist, aber niemals wieder, seitdem Heinrich Stephanus 1553 in Florenz sich aufhielt, mit dem einzigen codex, der sie enthält, verglichen worden ist.\\
 +<​tab>​Diesen codex bomb[ycinus] saec. XIII hat kürzlich Valentin Rose in den Anecdotis Graecis et Graecolatinis auf das sorgfältigste beschrieben und ihm mehrfachen Nutzen abgewonnen. Er enthält z.B. den Archetypus unsrer sämmtlichen Polyänhandschriften. In ihm also — seine Nummer finde ich schlechterdings nicht in meinen Papieren — steht der bezeichnete Traktat auf fol 16<​sup>​v</​sup>​. Außerdem ist mir noch von Nutzen die kleine Epigrammensammlung,​ welche auf fol 20 unter diesem Titel anhebt ποῦ ἕκαστος τῶν Ἑλλήνων τέθαπται καὶ τί ἐπιγέγραπται ἐν τῷ τάφῳ.\\
 +<​tab>​Wenn Sie nun in der bezeichneten Angelegenheit etwas auswirken können, wenn Sie mir z. B. einen jungen, jetzt in Florenz weilenden Deutschen namhaft machen könnten, der eine derartige Arbeit gegen entsprechende Entschädigung unternehmen würde, so würden Sie mich hochverehrter Herr Geheimrath, zu neuem Danke verpflichten. Für heute habe ich nur noch Ihre Verzeihung dafür anzusprechen,​ daß ich so oft mit meinen Briefen und Anliegen in die Fülle Ihrer Geschäfte und Studien störend hineinfahre. Aber Kanoniere sind nun einmal aus gröberem Stoffe als andere Menschen gearbeitet. Verzeihung also dem rohen Krieger
 +
 +<WRAP right>​Friedrich Nietzsche</​WRAP>​
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 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1868/bvn-1868_5.txt · Last modified: 2015/10/14 17:15 by babrak