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de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_14

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 +====== BVN-1870,14 ======
 +==== An Friedrich Ritschl in Leipzig ====
  
 +<WRAP right>​[Basel,​ 28. März 1870]</​WRAP>​\\
 +
 +Verehrtester und lieber Herr Geheimrath,
 +
 +natürlich dürfen Sie auf mich rechnen. Eine solche Unternehmung war ja schon längst der geheime Wunsch aller braven Leipziger Commilitonen;​ allmählich aber scheint sie mir nothwendig geworden zu sein. Daß Sie mich aber der Ehre einer ersten Position würdigen, nehme ich mir wohl zu Herzen.\\
 +<​tab>​Augenblicklich habe ich das Programm des hiesigen Pädagogiums zu schreiben: was mich jedoch nicht zu lange beanspruchen darf. Für die Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis mache ich Ihnen nun folgenden Vorschlag:​\\
 +<​tab>​Eine ganze Kette von Untersuchungen über Homer und Hesiod im gegenseitigen Verhältniß,​ angeknüpft an die kleine sogenannte Schrift ,certamen Hesiodi et Homeri‘ ist hinreichend vorbereitet und ausgedacht, um endlich niedergeschrieben werden zu können. Mein Plan war es, bis zum Herbst ein Büchlein von 12—14 Bogen über diese Materie fertig zu machen. Dies gebe ich nun mit Vergnügen auf und bestimme den ersten Theil sofort für die ,​meletemata‘. Dieser Theil giebt eine neue Ausgabe (auf c. 12 Seiten) des certamen, die erste handschriftliche seit Henricus Stephanus (bei der auch wirklich etwas herauskommt),​ dann Untersuchungen über die Quellen der Schrift: zusammen vielleicht 3 Bogen oder mehr. Sind Sie damit zufrieden?​\\
 +<​tab>​Sie erlauben mir doch, auch meinen Freund und Ihren //treuen// Schüler E. Rohde zu dem Unternehmen einzuladen? Wenn es sein muß, so bringe ich ihn noch zu einem Beitrag zum ersten Heft.\\
 +<​tab>​Mich freut es übrigens, wieder einmal eine Nöthigung zum Lateinschreiben zu haben, um durch Übung meinen bald fadenscheinigen bald fetten, immer ungesunden Stil etwas zu bessern. Auch habe ich vor, meine Laertiana buchmäßig zusammen zu schreiben.\\
 +<​tab>​Ich bin jetzt im Ganzen recht hoffnungsschwanger in Betreff meiner Philologie. Natürlich nicht jener genannten kleinen Arbeiten wegen, sondern weil ich überall in Grundanschauungen usw ein Wachsen spüre, das mir eine gute Frucht verkündet. Nur muß ich mir zu einer Hauptleistung Zeit lassen.\\
 +<​tab>​Jetzt habe ich nun ein Jahr im akademischen Berufe ausgehalten. Es geht, es geht! Doch nimmt das Pädagogium viel Zeit und Energie weg. Im Herbst komme ich zu Ihnen nach Leipzig (auch darf ich vielleicht einen Vortrag halten?) — Ihnen und Ihren verehrten Angehörigen die
 +
 +<WRAP right>​schönsten\\
 +Grüße von Fried. Nietzsche</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1870/bvn-1870_14.txt · Last modified: 2015/11/10 19:19 by babrak