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de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_34

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de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_34 [2015/11/11 17:37] (current)
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 +====== BVN-1870,34 ======
 +==== An Sophie Ritschl in Rigi-Scheideck ====
  
 +<WRAP right>​Axenstein bei Brunnen [um den 20. Juli 1870]</​WRAP>​\\
 +
 +Verehrteste Frau Geheimräthin,​
 +
 +Sehr spät und auf Umwegen — weil ich inzwischen abgereist war — kam Ihr freundlicher Brief in meine Hände, zugleich mit einigen Zeilen Ihres Herrn Gemahls, datiert vom Sonntag Abend, der nach schleunigen Nachrichten über Sie verlangt und an mich und Vischer gleichzeitig Briefe abgesendet hat. — Telegraphische Privatdepeschen werden in Leipzig nicht mehr expediert. Eine Notiz, die wahrscheinlich für Sie berechnet ist: „Löffler,​ jetzt Director, ist mit seiner vor 10 Tagen angetrauten jungen Frau nothgedrungen hier liegen geblieben, statt nach Würtemberg und der Schweiz zu reisen“. Ich wenigstens weiss nicht, wer Löffler ist.\\
 +<​tab>​Meine tägliche Sorge ist nun, wie ich meine Schwester glücklich wieder in ihre Heimath expediere; dabei habe ich mich gefragt, ob Sie nicht vielleicht, unter dem Druck der entsetzlichsten Atmosphaere,​ Ihre Rückreise beschleunigen. In diesem Falle wäre meiner Schwester, die inzwischen hier mit mir lebt, eine kleine Notiz sehr erwünscht.\\
 +<​tab>​Hier bin ich, vom Standpuncte meines Fusses aus, sehr zufriedengestellt. Doch wage ich mich einstweilen noch nicht auf die Höhen; falls Sie aber noch etwas länger bleiben, so möchte ich wagen, Ihnen einen Besuch in diesem unvergleichlichen Theile des Vierwaldstätter-seegebiets [Seegebiets] zu proponieren. Warm ist es freilich: aber vielleicht sehnen Sie Sich in Ihren Höhen etwas nach Wärme, was weiss ich. Wie empfehlenswerth unser Hôtel ist, das zeigt die Thatsache, dass es hier immer gleichmässig voll bleibt (110—120 Personen), trotz der beängstigenden Situation, die ja schlimmer gar nicht gedacht werden kann.\\
 +<​tab>​Welche beschämende Empfindung, jetzt ruhig bleiben zu müssen, jetzt, wo sogar für meine feldartilleristischen Studien die geeignetste Zeit gekommen wäre!\\
 +<​tab>​Mein Trost ist, dass für die neue Culturperiode doch wenigstens Einige der alten Elemente übrigbleiben müssen: und wie weit, durch einen solchen nationalen Erbitterungskrieg,​ selbst die Traditionen der Kultur vernichtet werden //​können//,​ das kann man aus traurigen Analogien der Geschichte sich vergegenwärtigen.\\
 +<​tab>​Für schlimme Fälle habe ich mir natürlich noch einen kräftigen Entschluss vorbehalten.\\
 +<​tab>​Denken Sie, dass die //Kieler// Studenten einmüthig unter die Waffen treten! —\\
 +<​tab>​Also auf Wiedersehen?​ Meine Schwester macht Ihnen und Ihrer Fräulein Tochter ihre Empfehlung.
 +
 +<WRAP right>​Ihr ergebener Friedrich\\
 +Nietzsche.</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1870/bvn-1870_34.txt · Last modified: 2015/11/11 17:37 by babrak