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de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_46

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 +====== BVN-1870,46 ======
 +==== An Richard Wagner in Tribschen ====
  
 +<WRAP right>​Erlangen,​ Sonntag [11. September 1870]</​WRAP>​\\
 +
 +Lieber und verehrter Meister.
 +
 +so ist denn, mitten im Ungewitter, Ihr Haus fertig geworden und fest begründet. Ich habe auch in der Ferne dieses Ereignisses immer unter Segenswünschen gedacht und bin sehr beglückt, aus den Zeilen Ihrer von mir so geliebten Frau Gemahlin zu ersehen, dass die Möglichkeit,​ diese Feste zu begehen, schließlich doch noch schneller kam als vielleicht — bei unserem letzten Zusammensein — zu argwöhnen war.\\
 +<​tab>​Sie wissen, welcher Strom mich aus Ihrer Nähe fortgerissen hat, so dass ich nicht Augenzeuge so heiliger und ersehnter Handlungen sein konnte. Meine Hülfsthätigkeit hat einen einstweiligen Abschluss gefunden, leider durch Krankheit. Meine mannichfache[n] Aufträge und Verpflichtungen führten mich bis in die Nähe von Metz; es wurde mir und meinem — sehr bewährten — Freunde Mosengel möglich, den grössten Theil unserer Aufgaben mit Glück zu erledigen. In Ars sur Moselle übernahmen wir die Pflege von Verwundeten und kehrten dann mit diesen nach Deutschland zurück. Dieses dreitägige und dreinächtige Zusammensein mit Schwerverwundeten war der Höhepunkt unserer Anstrengungen. Ich hatte einen elenden Viehwagen, in dem 6 Schwerleidende lagen, allein während jener Zeit zu besorgen, zu verbinden zu verpflegen usw. Alle mit zerschossenen Knochen, mehere mit 4 Wunden; dazu constatierte ich bei Zweien noch Wunddiphtheritis. Dass ich es in diesen Pestdünsten aushielt, selbst zu schlafen und zu essen vermochte, erscheint mir jetzt wie ein Zauberwerk. Kaum aber hatte ich meinen Transport an ein Karlsruher Lazareth abgeliefert,​ stellten sich auch bei mir ernstliche Zeichen von Unwohlsein ein. Mit Mühe kam ich nach Erlangen, um meinem Vereine über Verschiedenes Bericht zu erstatten. Dann legte ich mich zu Bett und liege bis jetzt. Ein tüchtiger Arzt erkannte als mein Leiden einmal eine sehr starke Ruhr und sodann Rachen-diphtheritis. Wir sind aber mit der grössten Energie gegen beide ansteckende Übel vorgegangen,​ und es ist heute gute Hoffnung zu melden. Mit zwei jener berüchtigten Lazarethseuchen habe ich also auf eins Bekanntschaft gemacht; sie haben so schwächend und entkräftigend auf mich in kurzer Zeit gewirkt, dass ich zunächst alle meine Hülfsthätigkeitspläne aufgeben muss und an meine Gesundheit allein zu denken veranlasst werde. So bin ich nach einem kurzen Anlauf von 4 Wochen, ins Allgemeinere zu wirken, bereits auf mich selbst wieder zurückgeworfen — recht elend!\\
 +<​tab>​Über die deutschen Siege möchte ich kein Wort sagen: das sind Feuerzeichen an der Wand, //allen// Völkern verständlich.\\
 +<​tab>​Heute darf ich nicht mehr schreiben; mein nächster Brief gilt Ihrer verehrten Frau Gemahlin, der ich meine innigsten Glückwünsche zu Füssen lege. Dem Täufling ein fröhliches Glückauf! Glückauf dem ganzen Tribschener Haus!
 +
 +<WRAP right>​Ihr getreuer\\
 +Friedr Nietzsche</​WRAP>​
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
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 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
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de/nietzsche/briefe/1870/bvn-1870_46.txt · Last modified: 2015/11/11 17:46 by babrak