aphil.org

Aphorisms -- in context.

User Tools

Site Tools


de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_63

Differences

This shows you the differences between two versions of the page.

Link to this comparison view

de:nietzsche:briefe:1870:bvn-1870_63 [2015/11/11 17:58] (current)
babrak created
Line 1: Line 1:
 +====== BVN-1870,63 ======
 +==== An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg ====
  
 +<WRAP right>​Freitag,​ Tribschen im Unheilsjahre 1870.\\
 +[30. Dezember]</​WRAP>​\\
 +\\
 +
 +Meine liebe Mutter und Schwester,
 +
 +zum Jahreswechsel empfangt meine Wünsche, die diesmal besonders lebhaft sind weil wir alle die stillen und lauten Befürchtungen haben, daß wir einer noch schlimmeren Zeit entgegengehn als die gegenwärtige ist. Die //​Nachwirkungen//​ des Krieges sind mehr zu fürchten als der Krieg selbst mit seinen ungeheuren Verlusten. —\\
 +<​tab>​Gestern habe ich von Dir, liebe Lisbeth, Geld und Brief bekommen, ich ersah aus der Schlußbemerkung,​ daß mein Weihnachtskistchen richtig angekommen ist.\\
 +<​tab>​Hier geht es mir so gut als ich nur irgendwie wünschen konnte, und wir haben ein sehr schönes Weihnachten gefeiert. Die Feier des 25 t. als des Geburtstages der Frau W. war vollendet und einer ausführlichen Erzählung werth. Das „Tribschener Idyll“, wie der von W. componirte wunderschöne Symphoniesatz genannt ist, gehört zu dem Allerschönsten was es giebt. Die Musiker waren, wie wir, ganz begeistert. Vielleicht bekomme ich bald einen vierhändigen Klavierauszug:​ was Gustav Krug sehr interessiren wird.\\
 +<​tab>​Zu Weihnachten bekam ich ein prachtvolles Exemplar des „Beethoven“,​ dann eine stattliche Ausgabe des ganzen Montaigne (den ich sehr verehre) und — etwas ganz Einziges — das //erste Exemplar// vom Klavierauszuge des //​„Siegfried“//​ erster Act, eben fertig geworden, während noch ein Jahr vergehen kann, ehe der Klavierauszug dieses Werkes in die Öffentlichkeit kommt.\\
 +<​tab>​Heute kam von Gersdorff ein Brief an Wagner an. Somit lebt er noch.\\
 +<​tab>​Bevor ich abreiste, war ich noch den Abend bei Gerkrats zum Ausputzen des Weihnachtsbaumes:​ auch Schönberg war zugegen und ebenfalls der vortreffliche Overbeck.\\
 +<​tab>​Von Doris Brockhaus Verheiratung werdet Ihr auch unterrichtet sein. Am 4 Januar ist die Hochzeit.\\
 +<​tab>​Am Neujahrstage fahre ich wieder nach Basel zurück. Es giebt immer noch eine lange Hälfte des Wintersemesters.\\
 +<​tab>​Wir haben tiefen Schnee und rings um Tribschen herum große Einöde.\\
 +<​tab>​Nun lebt wohl, so gut es gehen mag und betretet das neue Jahr mit den alten Empfindungen. Die gute //Tante// grüßt herzlich von mir. Es fehlt mir die Lust, ihr zu schreiben, auch die Zeit. Ich bemerke, daß ich der //​Großmama//​ längst geschrieben habe, nämlich in der ersten Woche, die ich wieder in Basel verlebte: wie ich doch versprochen hatte.
 +
 +<WRAP right>​Grüßt die mir wohlwollenden Menschen\\
 +und denkt auch im neuen Jahre\\
 +gern an Euren\\
 +F.</​WRAP>​
 +
 +----
 +
 +NB. nebst den Grüßen von meinen Gastfreunden,​ die Dir, liebe Lisbeth, sehr freundlich gesinnt sind.
 +
 +----
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von Nietzsches =====
 +
 +===== Ähnlichkeiten mit Aphorismen von anderen =====
 +
 +===== Wissenschaftliche Auslegungen =====
 +
 +===== Weitere Verbindungen =====
Back to top
de/nietzsche/briefe/1870/bvn-1870_63.txt · Last modified: 2015/11/11 17:58 by babrak